Monheim Wie die Stadt Monheim eine Chance verpasste

Monheim : Wie die Stadt Monheim eine Chance verpasste

Mit Macht versucht die Stadtspitze momentan, Monheim neu als Stadt der Kultur zu positionieren und lässt sich dieses ambitionierte Ziel – allein mit Kulturraffinerie, Kunstgegenständen und Kunsthaus  – eine hohe zweistellige Millionensumme kosten.

Allein am Umgang mit dem Luxusgut Kunst lässt sich nachzeichnen, wie sehr sich innerhalb der letzten 20 Jahre die finanziellen Möglichkeiten der Stadt geändert haben. Aber auch wie die einst provinzielle Kleinmütigkeit einer geradezu prätentiösen Kulturbeflissenheit gewichen ist. Zur Anschauung  kann hier die Handhabung des Deusser-Erbes dienen.

Die Kinder Ernst und Antonie boten der Stadt 1971 25 bis 30 Bilder aus dem Werk Deussers als Dauerleihabe für eine ständige Ausstellung an, sie sollten den Grundstock für eine städtische Galerie bilden. Der Schelmenturm war als Ausstellungsraum  auserkoren, er wurde damals gerade zu einer Kulturstätte ausgebaut. „Die Stadt wird damit ein besonders kostbares Geschenk erhalten, denn August Deusser nimmt unter den rheinischen Künstlern einen besonderen Rang ein,“ hieß es in einem Zeitungsbericht vom 17. September 1971, nachdem der Kulturausschuss die Annahme des Angebotes beschlossen hatte. Dass nunmehr die Ausstellung der 26 Werke Deussers  aus den Monheimer Jahren mit der Eröffnung der Aula am Berliner Ring erfolgen soll, meldete die NRZ am 15. Juni 1972. Anschließend sollten sie in einer Dauerausstellung im Schelmenturm gezeigt werden. „Seine Werke werden dann in dem von ihm geliebten Monheim eine ehrende Heimat finden...“, heißt es in einem weiteren Zeitungsbericht des Kölner Stadtanzeigers vom 5. August 1972. Die Dauerleihgabe sei „eine außerordentliche kulturelle Bereicherung“ und ein „nicht gering einzuschätzender Beitrag zur kulturellen Selbstdarstellung der Stadt“. Jedoch gab die von den Erben auserkorene „Hüterin des Vermächtnisses“ die 26 Bilder nach nur zwei Jahren an die Stiftung in Schloss Zurzach in der Schweiz zurück.

Das nächste unrühmliche Kapitel wurde im Jahre 1999 aufgeschlagen. Im Rahmen der 850-Jahr-Feier plante die Stadt für 2000 eine Deusser-Ausstellung, für die sie das ehemalige Kino über dem Lokal Spielmann mieten wollte. Kosten: 300.000 Mark. In einem Zeitungsartikel vom 16. Juni 1999 wird Bürgermeister Hans-Dieter Kursawe  mit den Worten zitiert: „Alles ist gesichert – bis auf das Geld.“ In der entscheidenden Ratssitzung sagte die  SPD-Mehrheit  prompt die Schau ab. „Das Konzept ist ein paar Nummern zu groß“, erklärte SPD-Ratsfrau Renate Schweizer. Die Journalistin und Autorin war pikanterweise selber mit einem Künstler verheiratet, dem Bildhauer Hans Schweizer, der auch einige Werke in städtischem Auftrag erstellt hatte, wie das Stadtwappen im Ratssaal aus Mosaiksteinen. Gönnte man dem anderen den späten Ruhm nicht? Der untere fünfstellige DM-Betrag, den die Stadt hätte aufbringen müssen, kann nicht ausschlaggebend gewesen sein. Denn Land und Sparkassenstiftung hatten Fördergelder in Aussicht gestellt und Schwarz-Pharma hatte sich als Sponsor angeboten.  Der Rat beschloss, stattdessen dem Heimatbund mit einem Zuschuss von 80.000 Mark bei der Organisation einer eigenen Deusser-Ausstellung unter die Arme zu greifen.  „Eine leichtfertig vertane Chance,… das wäre ein echtes Highlight in der zwar regen, aber etwas biederen Monheimer Kulturszene gewesen“, kommentierte die Rheinische Post. „Zum Weinen“ gar war dem Maler und Grafiker Helmut Welsch angesichts dieser Entscheidung zumute: „Da initiiert das Kulturbüro erstmals eine professionell geplante Ausstellung…und eine desinteressierte Mehrheit im Rat kippt das Ganze“.  Die Ausstellung, so war er überzeugt, „hätte Monheim weit über den Kirchturm schatten ein kulturelles Profil verschafft“. Die Kulturschaffende Luda Liebe fühlte sich durch die SPD als Bürgerin bevormundet: „Monheim und seine Bürger sind nicht anspruchsvoll genug für eine professionelle Ausstellung?“, fragte sie in einem Leserbrief. Bei der Kommunalwahl erhielt die SPD  die Quittung: Sie verlor die absolute Mehrheit. Nunmehr stellte die CDU die Mehrheit im Rat und Thomas Dünchheim wurde Bürgermeister.