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Monheim Waldkindergarten  erkundet Rheinauen

Monheim : Waldkindergarten erkundet Rheinauen

Die private Einrichtung sucht dringend Erzieherinnen, die Spaß an der Natur haben.

Leon kramt in seinem kleinen Rucksack. „Ah, da ist sie ja“, ruft der Vierjährige erleichtert und  zieht zwei kleine Stöcke und zwei winzige Astscheiben hervor, „da das ist meine Waldbrille, aber die ist ja auseinandergefallen.“ Wiebke Schmeer lacht und hält ihm ihre offenen Hände hin. „Das ist doch nicht schlimm, das kleben wir wieder.“ Die Erzieherin holt aus einem Korb einen akkubetriebene Heißklebepistole. „Gleich kannst du sie wieder aufsetzen.“

Leon besucht den Waldkindergarten in Baumberg. Diesmal sind die Kinder mit ihren Erzieherinnen in den Rheinauen unterwegs.  Heiß ist es an diesem sonnigen Morgen. Aber die kleine Waldkindergartengruppe ist gut geschützt durch den Schatten,  den ein riesiger Baum spendet. Und nicht nur das: seine starken Äste eignen sich hervorragend, um Schaukeln und Seile daran zu befestigen.

Auf Picknickdecken haben die drei bis sechsjährigen Kinder ihre Taschen  und Thermobecher ausgebreitet, ein Eimer voller Wasserspritzpistolen steht bereit für eine kleine Wasserschlacht, ein kleiner Junge beobachtet die Schiffe, die den Rhein passieren, zwei andere sammeln dicke weiße Steine  und Amelie hat sich gerade ein wenig den Ellenbogen aufgeschürft und liegt jetzt, mit Pflaster versorgt, auf einer Decke und webt Wolle mit einem kleinen Webstuhl.

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Kein Kind knatscht, es ist ruhig, die Kinder beschäftigen sich mit sich selbst, einzig die Schaukel, die würden Ida und ein anderes Mädchen gerade gerne zeitgleich benutzen. Es gibt ein wenig Zank, dann haben sich die beiden Fünfjährigen ohne Hilfe von außen  geeinigt.  „Den Kindern gefällt es hier sehr“, erzählt Schmeer, während sie sich um die richtige Anordnung der einzelnen Brillenteile kümmert. „Sie kennen es ja nicht anders, als ständig draußen zu sein und das entfaltet eine ganze Menge Kreativität. Die Brille zum Beispiel hat Leon sich selbst überlegt und gebaut.“

Leon, der kecke Vierjährige mit der blauen Schirmmütze, nickt stolz, „gleich setz ich die wieder auf.“ Freund Sammi beobachtet genau, was da gerade passiert, wirkt aber ein wenig skeptisch. „Aber du kannst ja da gar nicht durchgucken, durch das Holz.“ Leon sieht das doch etwas anders, wirkt ein wenig erzürnt „Doch kann ich. Das geht wohl.“ Sammi runzelt erstaunt die Stirn. „Darf ich die dann auch mal aufsetzen?“

Derzeit besuchen 19 Kinder den Waldkindergarten, eins wird nach den Ferien in die Schule kommen, im kommenden Jahr werden dagegen gleich elf Kinder eingeschult. „Das bedeutet, dass wir dann eine Menge freie Plätze anbieten können“, erläutert Viola Joest, stellvertretende Leiterin der privaten Elterninitiative, „da wir dieses besondere Konzept haben, haben wir auch Kinder, die bis aus Leverkusen zu uns kommen.“

Derzeit sucht der Waldkindergarten dringend nach einer weiteren Teilzeitkraft. Jemanden zu finden, sei nicht ganz so einfach. „Das ist natürlich ein sehr spezielles Arbeiten, da wir fast nur draußen sind. Für uns ist nicht die Qualifikation vorrangig, sondern die Liebe zur Natur und die Freude und Begeisterung im Umgang mit Kindern.“

Leons Brille ist geklebt, richtig stabil ist sie noch nicht, aber der Vierjährige setzt sie stolz auf und lässt sich von den anderen bewundern. „Ich seh ja doch gar nix“, quietscht er fröhlich und die anderen lachen mit. Es herrscht eine entspannte, harmonische Atmosphäre, man merkt den beiden Erzieherinnen und der Praktikantin Bettina an: ihre Aufgabe ist für sie Berufung. Mit viel Ruhe und Geduld widmen sie sich jedem Einzelnen, weil die Gruppe urlaubsbedingt in diesen Tagen recht klein ist, ist noch mehr Zeit als sonst für ausgiebiges Erforschen der Natur am Rhein.

Der ist übrigens weit genug weg, als dass sich Eltern sorgen müssten. „Ich weiß ja schon, dass es sehr gefährlich ist im Rhein“, erklärt Leon und zeigt mit einem kleinen Ästchen auf einen Tanker, der rheinaufwärts fährt, „das große Schiff da macht ganz viele große Wellen, die gehen bis zum Rand und wenn man da reinkommt ist man, schwups, untergegangen.“