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Monheim Viertklässler der Lerchenschule dürfen toten Winkel aus Lkw-Fahrersicht erproben.

Monheim : So entgehen Kinder dem toten Winkel

Bei einer Aktion der Verkehrswacht lernen Viertklässler der Lerchenschule, dass sie Lastern an Kreuzungen besser die Vorfahrt lassen.

Viertklässler der Grundschule Lerchenweg haben kürzlich eine spannende und vor allem greifbare Lektion erhalten: In der Spedition Hilgers lernten sie hautnah, was es heißt, im toten Winkel eines Lkws zu stehen und warum es häufig klüger ist, als Radfahrer auf seine Vorfahrt zu verzichten.

Mit großen Augen schaut die achtjährige Salma am Lastwagen hinauf: Mit dem Fahrrad steht sie rechts vor dem Fahrzeug, genau in diesem Bereich, wo sie der Fahrer von seinem Führerhaus aus unmöglich sehen kann. Auch ihre Mitschüler, 22 an der Zahl, die etwas weiter hinten, rechts an der Beifahrertür stehen, verschwinden optisch im toten Winkel. Deutlich macht das für die Kinder eine dreieckige Plane auf dem Boden und die mit Kreide markierten Bereiche vor dem Lkw. Wirklich verstehen tun sie es aber erst, als Fahrer Mike Güttsches sie nach und nach zu sich in die Fahrerkabine holt, damit sie selber mal einen Blick wagen können.

Über das große Lenkrad sind Salma und ihre Mitschüler plötzlich nicht mehr da, trotz zahlreicher Spiegel. „Das hätte ich echt nicht gedacht“, sagt er zehnjährige Ossaid verblüfft, nachdem er aus dem Führerhaus ausgestiegen ist. Jetzt kann er viel besser nachvollziehen, wie es Fahrern großer Lastwagen ergeht, wenn ihnen an einer Kreuzung plötzlich ein Rad vors Fahrzeug fährt. „Wenn der Fahrradfahrer von der Seite kommt, kann er ihn von da oben ja auch überhaupt nicht sehen“, erklärt Ossaid.  Künftig will auch er deswegen besser im Straßenverkehr aufpassen und sich, sowohl auf dem Rad als auch zu Fuß, immer weit genug von Lkws aufstellen und zur Not auf seine Vorfahrt verzichten. „Warten ist echt ein sehr gesunder Tipp“, sagt Verkehrsberaterin Steffens.

Die Kinder der Grundschule Lerchenweg waren die ersten Schüler Monheims, die an der kreisweiten Aktion der Verkehrswacht Mettmann teilnahmen. Im Kreis läuft das Angebot bereits seit fünf Jahren: Alle Viertklässler erhalten im Rahmen ihrer Fahrradprüfung einen Einblick in die Gefahren des toten Winkels. „In Monheim fehlte uns bislang ein Kooperationspartner, den wir nun mit der Spedition Hilgers glücklicherweise gefunden haben“, sagt Landrat Thomas Hendele, Schirmherr der Aktion, erfreut. Auch Ralf Schefzig, Vorsitzender der Verkehrswacht, ist erleichtert, dass er endlich auch im Süden des Kreises Kinder auf diese besonders greifbare Art auf die Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam machen kann. So etwas sei wirklich zielführend, bestätigt Klassenlehrerin Annika Winkels. „Die Kinder konnten sich in der Theorie nur schlecht vorstellen, wie groß ein toter Winkel tatsächlich sein kann. Hier sehen sie es ganz genau und bekommen ein Gefühl dafür.“ Sie hofft, dass die Kinder dadurch bedachter im Verkehr agieren. Im Herbst sind fünf weitere Aktionstage für die übrigen Viertklässler der Stadt geplant.