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Monheim Verhaltenssauffällige Kinder sollen besser in die Regelschulen integriert werden.

Monheim : Auffällige Kinder zurück an Regelschulen

Immer mehr Kinder in Monheim leiden an emotionalen Entwicklungsproblemen. Die Stadt will daher die Schulbegleiter fest an Schulen installieren, um sie flexibel einsetzen zu können.

Schon nach den Sommerferien möchte die Stadt Monheim gemeinsam mit anderen Partnern unter dem Namen „Mo.Ki inklusiv“ ein Pilotprojekt in Gang setzen, mit dem vor allem Kinder und Jugendliche mit emotionalen und sozialen Verhaltensproblemen die bestmögliche Integration in das allgemeine Schulsystem ermöglicht werden soll.  Diese Kinder werden nämlich häufig vom gemeinsamen Lernen ausgeschlossen und landen zunehmend auf Förderschulen.

Die Problemlage: „Von 450 Monheimer Kindern und Jugendlichen mit einem festgestellten Förderbedarf benötigen 25 bis 30 Prozent Unterstützung im sozial-emotionalen Bereich – Tendenz steigend“, erklärte Simone Feldmann, Bereichsleiterin Jugend und Familie im Jugendhilfeausschuss.  Nach Erkenntnissen des Robert-Koch-Instituts liegen generell bei 17 Prozent der Kinder und Jugendlichen Anzeichen für psychische Auffälligkeiten vor, dieses Risiko steigt auf 26 Prozent, wenn der Faktor Armut dazukommt. Immerhin leben rund 20,9 Prozent der Kinder in Monheim in Hartz IV-Familien. Die Auffälligkeiten können sich in Unaufmerksamkeit, Unruhe, ungesteuerter Impulsivität,  Traurigkeit oder sozialem Rückzug äußern.

Ein weiterer trauriger Befund: Trotz der 2013 in NRW umgesetzten UN-Behindertenrechtskonvention ist der Anteil der Monheimer Kinder mit Förderbedarf an Förderschulen seitdem nur um 0,6 Prozent gesunken. „Dass demgegenüber der Anteil der Förderschüler in Bremen um 3,4 Prozent gesunken ist, zeigt, dass es auch anders geht“, so Feldmann.

Rechtliche Rahmenbedingungen: Inklusionshelfer werden je nach Art des individuell festgestellten Förderbedarfs aus unterschiedlichen Rechtskreisen vom Jugendamt (seelische Behinderung) oder dem Kreis Mettmann (geistige und körperliche Behinderung) gewährt. Generell ergebe sich für die Schulen das praktische Problem, dass man an einer Schule fünf Inklusionshelfer habe, die von verschiedenen Kostenträgern finanziert werden und von mehreren verschiedenen Trägern eingesetzt sind und ganz unterschiedlich qualifiziert sind. „Es ist schwierig, ihren Einsatz wirklich passgenau zu organisieren, weil durch diese 1:1-Betreuung manchmal nur einzelne Stunden abgedeckt werden sollen“, so Feldmann. Die Lösung: eine flexiblere,  auch für mehrere Kinder einsetzbare Schulbegleitung.

Bausteine des Pilotprojektes: Um verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche zunehmend an Schulen des gemeinsamen Lernens unterrichten zu können,  „muss das System Schule insgesamt gestärkt und weiterentwickelt werden“, so Feldmann. Damit also in Zukunft die gesamte Hilfe-, Förder- und Teilhabeplanung besser abgestimmt werden kann, müsse die Zusammenarbeit der  multiprofessionellen Teams weiter gestärkt und die Lehr- und Fachkräfte besser qualifiziert werden. Letzteres, damit für alle beteiligten Berufe Rollenklarheit bezüglich ihrer Aufgaben herrsche. „Unerlässlich ist, dass alle Lehrer eine positive Haltung zur Inklusion annehmen“, betonte Feldmann.

Eine zusätzliche Fachstelle für multiprofessionelle Zusammenarbeit soll die Koordination und Moderation zwischen den Schulen und den anderen Trägern übernehmen. In ihre Zuständigkeit würde die Aufsicht über die neue „präventive, antragsfreie Schulbegleitung“ fallen. Die Schulbegleiter sollen künftig nicht mehr individuell, sondern innerhalb eines Schulsystems eingesetzt werden. Ihr Einsatz wird über die multiprofessionellen Teams gesteuert. Sie sollen die bisherigen Eingliederungshilfen zunächst reduzieren, langfristig vielleicht ersetzen.

Ansatz ist eine Gesetzesänderung, die die Begleitung mehrerer Kinder gleichzeitig statt der bisherigen 1:1-Betreuung eröffnen soll. „Eine solche Pool-Lösung könnte einem effizienteren Einsatz der Helfer dienen, die dann, statt den ganzen Tag über bei nur einem Kind zu sitzen, auch andere Aufgaben, wie eine Gruppen-Arbeit, übernehmen könnten“, so Feldmann.