Monheim Untergewichtige Igel brauchen unsere Hilfe

Monheim Igelhilfe : Untergewichtige Igel brauchen unsere Hilfe

Stacheltiere, die Mitte November unter 500 Gramm wiegen, kommen nicht über den Winter. Kennerin Gerti Scholten gibt Tipps.

Wenn man es im Garten wieder rascheln, knacken, grunzen und schmatzen hört, dann ist es soweit: Unsere stachligen Lieblinge sind unterwegs, um sich ihren lebensnotwendigen Speck anzufressen. Wer den Winter über einen oder mehrere Igel im Garten beherbergen möchte, kann für die putzigen Stachelritter eine Menge tun. Das sagt Gerti Scholten, die wohl größte Igelfreundin weit und breit, die 25 Jahre lang in Monheim ihr Igel-Hotel hatte und bis zu 40 Tierchen über die kalte Jahreszeit brachte. Von überall wurden ihr unterernährte oder kranke Igel gebracht. „Der Weiteste kam aus Wien“, sagt sie. Heute ist das  Igel-Hotel geschlossen, aber Gerti Scholten gibt weiterhin Ratschläge.

Wer jetzt in der Hecke oder im Laub des heimischen Gartens ein Igelchen beobachtet, kann ihm eine Unterkunft in einer Holzkiste mit Laub oder Holzspänen zur Verfügung stellen. Zurzeit findet der Igel noch genug Futter. Schnecken, Regenwürmer, Spinnen und Maden stehen unter anderem auf seinem Speiseplan. Sehr gerne nimmt er aber auch Hunde- und Katzenfutter. „Auf gar keinen Fall sollte er Milch trinken“, sagt Scholten. „Das bekommt ihm nicht. Eine Schüssel Wasser hinstellen. Das reicht. Und immer abends füttern, denn Igel sind nachtaktiv.“

Wenn es richtig ungemütlich wird und zu frieren beginnt, wird die Futtersuche für Igel schwierig. Besonders Tiere unter 600 Gramm haben kaum Chancen, über den Winter zu kommen. Es führt wohl kein Weg daran vorbei, den süßen Stachelfratz mit den dunklen Knopfaugen mal auf die Küchenwaage zu setzen. Doch Achtung: Der Stachelpelz ist in der Regel voller Ungeziefer. „Gehen Sie ruhig mit dem Igel zum Tierarzt und lassen ihn entflohen. Das Behandeln von Wildtieren ist kostenlos“, rät Gerti Scholten. Denn Flöhe und Zecken setzen ihnen zu, besonders, wenn sie kleine Verletzungen haben, sagt Scholten. Wer sein Wildtier solchermaßen pflegt, hilft ihm, mit genügend Winterspeck in den überlebenswichtigen Schlaf zu fallen.

„Der Igel ist lieb, eigenwillig und unglaublich hübsch“, schwärmt Scholten, hält aber auch mit seinen Nachteilen nicht hinterm Berg: „Er stinkt, ist ein richtiges Fressschwein, sitzt mitunter mitten in seinem Futter, schmatzt laut und hat keine Probleme, seinen Fressplatz mit der Toilette zu verwechseln.“ Ein kleiner Wilder eben. Dennoch ist er so zauberhaft, dass wir ihm das alles verzeihen und ihm sogar Bilderbücher und Figuren wie Mecki gewidmet haben.

Für Scholten begann die Igel-Liebe mit einem „Mitbringsel“, das ihr ihr Labrador vor mehr als 25 Jahren vor die Füße legte. „Ich hatte keine Ahnung, was ich mit dem Winzling machen sollte, legte ihn mit Wärmeflasche und Decke in einen Karton und brachte ihn nach Langenfeld zum Tierarzt. Dort wurde er entfloht. Ich päppelte ihn mit aufgelöstem Milchpulver in einer Spritze auf und sah zu, wie er jede Woche 50 Gramm zulegte. Als die Tierärztin sah, wieviel Spaß mir das machte, bat sie mich, einen zweiten kleinen Igel zu übernehmen“, erzählt Gerti Scholten. Danach konnte sie von den süßen Stachelgesellen nicht mehr lassen. Heute hat sie sich aus gesundheitlichen Gründen von der Igelpflege verabschiedet. Die Liebe zu „Mecki“ bleibt aber.

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