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Monheim: Tanzschüler wollen Stillstand beenden

Monheim : Tanzschüler wollen Stillstand beenden

Im Rheinbogen zeigten die Schüler von Tanz-Raum Monheim ohne Musik individuelle Tanzfiguren. Ein Weg, um zur Normalität zurückzukehren. Es gab viel Applaus, von Schaulustigen ebenso wie von Aktiven.

Für Ines Hoven, künstlerische Leiterin im Tanz-Raum Monheim, hatte die Corona-Pandemie bereits viel zu viel Stillstand mit sich gebracht. Jetzt, nach wenigen Wochen mit Zoom-Unterricht, wollte sie mit Schülerinnen und Schülern auch wieder in die Öffentlichkeit. Und das geschah jetzt im Rheinbogen unter freiem Himmel.

Ursprünglich hatte der Tanz-Raum Monheim eine große Tanzvorstellung geplant, die in Kooperation mit der Sportmühle Hilden in der Aula der Gesamtschule am Berliner Ring hätte stattfinden sollen Für diesen Höhepunkt des Tanzjahres war Anfang des Jahres bereits geprobt worden, zahlreiche Mütter hatten schon Kostüme geschneidert. Das Konfuzius-Zitat „Stillstand ist Rückschritt“ inspirierte Hoven zu der tänzerischen Demonstration, an der sich knapp 50 Tanzschülerinnen und -schüler von drei bis 70 Jahren, selbstverständlich mit Maske oder Visier, beteiligten. „Denn wenn man nichts tut, dann ist alles vorbei“, sagt Hoven, die dankbar ist, dass so viele zur Open Air-Tanzpräsentation gekommen sind. Sie selbst ist gespannt, was sich tänzerisch auf der Wiese ereignen wird.

  • Die Marienkapelle Monheim.
⇥RP-ARchivfoto: RALPH MATZERATH
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Es war eine Demonstration in doppeltem Sinn. Einerseits wurde der Beweis erbracht, dass ganz individuelle Tanzfiguren dennoch ein homogenes gemeinsames Ganzes ergeben können. Andererseits wurde gegenüber dem Spielplatz-Trubel, wo jegliche Abstandsregel förmlich von Wasserfontänen weggespült wurde, etwas gezeigt, dass räumliche Distanz und Gemeinsamkeit sich sehr wohl vereinbaren lassen.

Die neunjährige Bella, die bereits seit fünfeinhalb Jahren in der Tanzschule unterschiedliche Tanzstile lernt, und ihr elfjähriger Bruder Ruben, dessen Schwerpunkt klassisches Ballett ist, knabbern entspannt an Obst und Rohkost zur Stärkung. „Es ist nicht das erste Mal, dass wir an einer großen Aufführung teilnehmen, doch diesmal wissen wir kaum, was passieren wird, wir müssen also improvisieren“, sagen die Geschwister im roten Dress, die einzige Vorgabe, die sie erhalten haben.

Assistiert von ihrer zehnjährigen Tochter Romi hält Ines Hoven Pappschilder mit den Schlagworten Stillstand und Rückschritt hoch und demonstriert einige Tanzbewegungen aus dem klassischen Ballett, wobei jedoch die Schüler die Freiheit haben, eigene Figuren zu tanzen. Bis zwei helle Glöckchen erklingen und eine neue Tanzsequenz mit neuen Bewegungsmustern einläuten. „Beim schnellen Wechsel kann es sein, dass die Kleinen sogar im Vorteil sind, denn das ähnelt sehr dem Stopptanz, den wir häufig üben“, sagt Hoven. Der Tanz ohne Musik ähnelt ein wenig Tai Chi, nur dass die Bewegungen nicht ganz so zeitlupenhaft sind. Bei den Figuren des Modern Dance, die teilweise Tierbewegungen ähnelt, ist eigenen Assoziation viel Freiraum gegeben.

Zum „Seit langer Zeit ist es heute das erste Mal, dass ich wieder tanzen konnte, insgesamt eine sehr gute Idee, hinter der ich vorbehaltlos stehen kann“, sagt Lore App. Die tanzbegeisterte Seniorin war zuvor sechs Jahre bei der Sportgemeinschaft Langenfeld aktiv und ist froh, dass sie im Tanz-Raum Monheim eine neue Heimat für ihr offenbar vitalisierendes Hobby gefunden hat.