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Monheim Stadtsparkasse erhebt Negativzinsen von Privatkunden

Bank in Düsseldorf : Stadtsparkasse erhebt Negativzinsen

Das Kreditinstitut kündigt ein sogenanntes Verwahrentgelt an, wenn Guthaben auf Giro- oder Tagesgeldkonten die Summe von 100.000 Euro übersteigen. In Monheim sind 67 Kunden betroffen.

Kunden der Stadtsparkasse müssen künftig dafür zahlen, wenn bei ihnen höhere Guthaben zu Buche stehen. 1900 Kunden sind in diesen Tagen per Post in Düsseldorf und 67 in Monheim informiert worden, dass für Einlagen ab 100.000 Euro auf Giro- oder S-Cash-Konten (Tagesgeld) ein so genanntes Verwahrentgelt von 0,5 Prozent erhoben wird. Das heißt, dass die Stadtsparkasse zum ersten Mal Privatvermögen mit Negativzinsen belegt. Laut Gerd Meyer, Sprecher des Kreditinstituts, soll das bereits ab 1. August der Fall sein. Er erklärt, dass ein kleiner Teil der Kunden mit relativ hohen Vermögen die Stadtsparkasse „richtig Geld kostet“. Hintergrund: Banken müssen überschüssiges Geld bei der Europäischen Zentralbank zu einem Zinssatz von minus 0,5 Prozent parken. „Wir müssen wirtschaftlich denken“, sagt Meyer.

In ihrem mit der Überschrift „Rendite statt Negativzinsen“ versehenen Schreiben nutzt die Stadtsparkasse gleichzeitig die Gelegenheit, ihren Kunden Gespräche über eine „renditestarke Lösung für Ihr Kapital“ anzubieten. Weiter heißt es: „Handeln Sie jetzt und legen Sie Ihr Geld zinsbringend an!“ Sprecher Meyer sieht je nach Kunde Möglichkeiten bei Versicherungen, Fonds oder auch Aktien.

Für Ärger sorgt das Schreiben hingegen bei einer Kundin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Im Rentenalter käme für sie eine Anlage in Aktien nicht mehr infrage, da sie nur langfristig eine Option wären. Vor allem aber sei sie verärgert, da sie seit mehr als 50 Jahren Kundin bei der Stadtsparkasse sei und so plötzlich vor vollendete Tatsachen gestellt werde. „Das finde ich unmöglich.“ Sie überlege nun, die Bank zu wechseln. Das sei allerdings gar nicht so leicht, da viele Banken Kunden mit hohen Vermögen gar nicht aufnehmen würden. Das beobachtet auch Gerd Meyer. Die Stadtsparkasse dürfe neue Kunden hingegen nicht ablehnen.

Dennoch empfiehlt Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale, dass sich Kunden über Alternativen informieren. Im Vergleich mehrerer Portale im Internet oder von Ergebnissen der Stiftung Warentest lasse sich ein gutes Bild davon machen, welche Bank den eigenen Ansprüchen am nächsten komme. Und selbst wenn immer mehr Banken ihren Kunden Negativzinsen aufbrummen, es sind längst nicht alle. Biallo.de kommt etwa aktuell in einer Untersuchung von 1300 Banken und Sparkassen zum Ergebnis, dass nur 250 von ihnen Negativzinsen erheben und sogar nur 150 bei Privatkunden.

Dazu zählt nun auch die Düsseldorfer Stadtsparkasse, die eine Filiale in Monheim (Krischerstraße) und in  Baumberg (Hauptstraße) unterhält. All diesen Kunden stehen spürbare Verluste bevor. Beispiel: Bei einem Guthaben von 100.000 sind pro Jahr 500 Euro Zinsen fällig. Und ein kräftiger Aufschlag ist das im Verhältnis zu den bisherigen Gebühren für das Girokonto, die freilich bereits in den vergangenen Jahren immer weiter stiegen. „Zunächst haben die Banken und Sparkassen auf diesem Umweg versucht, ihre Kosten auf die Kunden umzulegen“, sagt Scherfling von der Verbraucherzentrale. Bei der Stadtsparkasse stieg die Gebühr für das „Vorteilskonto Plus“ mit Banking-Option in der Filiale zuletzt im Jahr 2017 von 6,50 auf aktuell immer noch gültige 7,90 Euro. Doch aufs Jahr hochgerechnet kommt dieser Betrag bei weitem nicht an die fälligen Negativzinsen heran.

Zudem könnte hier juristischer Ärger drohen. Denn das Landgericht Tübingen war bereits zum Ergebnis gekommen, dass eine solche doppelte Bepreisung von Kontoführungsgebühr plus Negativzins nicht zulässig ist. Die Stadtsparkasse hält hier jedoch dagegen, dass Zinsen und Servicegebühr zwei unterschiedliche Dinge seien.

Allerdings stellen die Verbraucherzentrale sowie die Stadtsparkasse klar, dass von Negativzinsen nur wenige Kunden betroffen sind. Die Zahl der Girokonten beim Düsseldorfer Institut liegt insgesamt bei 260.000,  in Monheim sind es 14.235 Kontoinhaber, die von der neuen Regelung betroffen sein werden.