Monheim: Reiterverein bietet gefährdeten Schwalben ein Zuhause

Naturschutz: Reitverein gibt Schwalben ein Zuhause

Der Reitsportverein Monheim trägt jetzt die Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ des Naturschutzbunds (Nabu).

Wenn der Frühling kommt, wird es laut in den Ställen im Rheinbogen. „Dann setzt innerhalb weniger Tage das Gezwitscher ein“, erzählt Beate Hensel vom Reitsportverein Monheim. Der bietet nicht etwa nur Pferden ein Zuhause, sondern auch Platz zum Brüten für Rauchschwalben. Mehr als 30 Nester bauten die andernorts gefährdeten Vögel aus Lehm, Stroh und Pferdehaar unter den Holzbalken des Gebäudes. Dort werden sie je nach Wetterlage im April oder Mai einziehen, um zu brüten. Zweimal im Jahr legen die Weibchen vier bis fünf Eier. Um Verschmutzungen der Pferdeställe durch Vogelkot zu vermeiden, montierten die Mitarbeiter der Anlage Holzbretter unter das Gebälk.

„Quartiere wie diese hier sind sehr wichtig, weil Schwalben es ansonsten heute sehr schwer haben, Nistplätze zu bekommen“, sagt Frank Gennes, Stadtbeauftragter des Naturschutzbundes (Nabu) für Monheim. Der Einsatz des Reitsportvereines für den Erhalt der Nester ist den Umweltschützern eine Auszeichnung wert: Sie verliehen den Reitern jetzt die Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“. Darauf ist der Verein laut Hensel „sehr stolz“.

Drei Schwalbenarten sind Gennes zufolge in der Gänselieselstadt zuhause: die Uferschwalbe, die Lehmgruben besiedelt, sowie die Mehl- und die Rauchschwalbe als Kulturfolger. Letztere suchen öfter menschliche Bauwerke wie Ställe, Scheunen oder Mauern auf. Mit der Auszeichnung, um die sich der Reitsportverein ausdrücklich bewarb, will der Nabu auch in der breiten Öffentlichkeit ein Bewusstsein für den Schutz der Vogelarten zu erreichen. „Ziel ist es, die Akzeptanz für Schwalben in der Nähe des Menschen zu erhöhen, bestehende Quartiere zu erhalten und neue zu schaffen“, erklärt Gennes.

Mit einfachen Mitteln könne jeder private Hausbesitzer Nisthilfen bauen. Aber auch die Duldung der Vogelnester belohnen die Naturschützer mit der Plakette. In Langenfeld bekam 2017 der an der Hardt ansässige Pferdezüchter Wolfgang Hens solch eine Nabu-Plakette. Wenn er im Stall zur Decke schaut, überkommt Hens nach eigenen Worten „die helle Freude“. Rauchschwalben haben sich dort vor Jahrzehnten eingenistet und schwirren durch das offene Tor rein und raus. „Ich kann es kaum erwarten, bis sie aus dem Winterquartier in Afrika Anfang April zu uns zurückkommen. Wir haben hier 21 Schwalbennester.“

Bis September werden die Rauchschwalben in den Stallungen der Monheimer Reitsportler bleiben und ihren Nachwuchs mit Nahrung versorgen. Dabei sind sie sogar überaus nützlich für die Betreiber: „Sie fressen auch die Mücken zwischen den Pferdebeinen“, berichtet Chris Godor vom Reitsportverein. Dessen Tore sind nicht nur für Rauchschwalben geöffnet: Auch der Haussperling scheint sich auf dem Gelände wohl zu fühlen. „Das ist ein phantastischer Lebensraum“, resümiert Gennes.

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