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Monheim Quarantänehilfe Monheim

Monheim Quaratänehilfe : Monheimer helfen Menschen in Quarantäne

Über ein Facebookforum werden Hilfsangebote für Angehörige der Risikogruppen koordiniert.

Abstand halten! brüllen einem Schilder allerorten entgegen, gelb-schwarze Klebestreifen auf dem Boden legen die Distanzen fest. Dennoch rücken vielerorts die Menschen zusammen – verbünden sich, um andern zu helfen. Nachdem der Monheimer Patrick Reschke seine lungenkranke Mutter angesichts des grassierenden Gefahr fürsorglich unter „Stubenarrest“ gestellt hatte, ergab sich für ihn zwangsläufig ein Versorgungsproblem: „Wie kommt ein Mensch in Quarantäne an Lebensmittel und Medikamente?“ Da er mit dieser Sorge nicht allein war, gründete der Familienvater am 15. März mit anderen die Facebook-Gruppe „Quarantänehilfe Monheim“. Ihr ging ein entsprechender Aufruf bei der Facebook-Gruppe „Monheimer Urgesteine“ voraus. Dem Team gehören Anna Wicht, Hannah Zentgraf und Marc Böhr an. „Wir haben uns noch nie getroffen und kannten uns vorher auch nicht“, sagt Reschke, der sich als Nerd bezeichnet. Die gesamte Koordination erfolge digital per Videokonferenz und Chat.

Die Idee: Junge, gesunde Menschen gehen für ältere Menschen, die aufgrund ihrer Erkrankungen zu den Risikogruppen gehören, einkaufen, besorgen Medikamente aus der Apotheke oder führen den Hund aus. Dazu hat Böhr einen Vordruck erstellt, den die Gruppe-Mitglieder potenziell hilfsbedürftigen Menschen in den Briefkasten werfen können. „Die älteren Leute sind ja nicht unbedingt auf Facebook unterwegs“, sagt Reschke, Digitalisierungsexperte und Geschäftsführer der in Monheim ansässigen Firma „Northdocks“. Sein vierköpfige Gründungsteam hat Kontakt zu mehreren Wohlfahrtverbänden aufgenommen, um darüber gezielter Hilfsbedürftige erreichen zu können. So ist auch der Verein SkFM Monheim Mitglied des Facebookforums. Er hilft dabei, Unterstützungsanfragen und Bedarf zu koordinieren. Dazu stellt die Ehrenamtskoordinatorin Madeleine Wilfert telefonische Sprechzeiten und Unterstützung bei Einkäufen in Absprache zur Verfügung, erklärt Geschäftsführer Caspar Offermann.

Ansonsten stellen die Mitglieder Angebote und Gesuche ins Forum. So wie Michelle, die in der Pflege arbeitet, und ältere oder einsame Menschen telefonisch betreuen möchte. Oder Henriette, die Krimis aussortiert hat und sie bei Interesse vor der jeweiligen Haustüre ablegen würde. Maren näht Mundschutze und Hannah Zentgraf würde gerne ältere Menschen mit selbst Gemaltem und Gebasteltem beglücken. Andere bieten Bettenschutzeinlagen oder Klopapier zum Einkaufspreis.

Sehr viele spontane Angebote zog ein Hilfegesuch von Heike Jaspers-Djeukam vom sozialen Dienst des Marienheims an. Sie suche Freiwillige, die für Bewohner, die über keine familiären Kontakte mehr verfügen, Dinge des persönlichen Bedarfs einkaufen. „Dann könnten wir Mitarbeiter unsere Zeit und Energie für die körperliche und auch seelische Versorgung unserer Bewohner nutzen“, so Jaspers-Djeukam „Neben den bestellten Waren, wie dem persönlichen Duft, der besonderen Seife oder dem Buch waren auch kleine Überraschungen dabei, ein Osterhase, eine selbst gebastelte Blume, ein gemaltes Bild oder ein kleiner Brief“, berichtet Cerstin Tschirner, Sprecherin der kplus-Gruppe, gerührt. Daran erkenne man, wie gut die dörflichen Strukturen des um einander Kümmerns in Monheim noch funktionierten. Reschke glaubt, dass das Helfen in dieser belastenden Zeit, wo viele Menschen existenzielle Sorgen plagen, zum Verarbeitungsprozess gehört. Am 30. März hatte die Gruppe schon 730 Mitglieder.