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Monheim: OHG-Schüler musiziert auf Schreibmaschine

„The Typewriter“ : Monheimer musiziert auf Schreibmaschine

Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums haben in der Partnerstadt Istanbul-Atasehir konzertiert.

Neun Schüler des Monheimer Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG) haben kürzlich eine Woche in der Partnerstadt Istanbul-Atasehir verbracht. Dort gaben sie zusammen mit 30 türkischen Schülern zwei Konzerte. Zuvor waren 30 Jugendliche vom städtischen Jugend-Sinfonieorchester aus Istanbul zu Gast in Monheimer Familien, um zusammen mit dem Schulorchester des OHG ein Konzert in der Aula am Berliner Ring zu geben. Gespielt wurden Werke von Beethoven, Mozart, Offenbach, Borodin und anderen unter der Leitung von Baran Aytac aus Istanbul und Oliver Drechsel, Pianist und Musiklehrer des OHG. Das Projekt diente der Völkerverständigung. Die RP sprach anschließend mit dem Pädagogen.

Der Austausch soll der deutsch-türkischen Freundschaft dienen. Wie erlebten die deutschen Schüler die türkische Kultur in Istanbul?

Drechsel Die deutschen Schülerinnen und Schüler waren sehr angetan von der intensiven Gastfreundschaft, insbesondere in den Familien, in denen sie nicht als „Gäste“, sondern als neue Familienmitglieder gesehen wurden. Durch tägliche Ausflüge – Hagia Sophia, Bazaar, Bosporus – kamen sie mit unterschiedlichsten kulturellen Einflüssen in der Metropole Istanbul in Berührung und sind mit vielen positiven Eindrücken bereichert zurückgekehrt.

Wie haben die 30 Jugendlichen aus Istanbul ihre Zeit in den deutschen Gastfamilien und in Monheim wahrgenommen?

Drechsel Für die türkischen Schülerinnen und Schüler stellt die Reise nach Deutschland einen Höhepunkt in ihrer Schullaufbahn dar, daher wollen immer sehr viele Mitglieder des Orchesters aus Atasehir nach Monheim kommen. Einige waren zum zweiten Mal bei der gleichen Gastfamilie, was dafür spricht, dass sie sich dort beim ersten Mal bereits sehr wohl gefühlt haben.

Wie kam es zu dieser Partnerschaft?

Drechsel Den Kontakt zum Jugendorchester aus Atasehir stellte Engin Altinova her, der ja vor einigen Jahren die Deutsch-Türkisch-Tanz-AG am OHG mit jährlichen Auftritten in Istanbul initiiert hat und dadurch mit den offiziell in Atasehir für Kultur zuständigen Personen in Kontakt war. Zudem war er auch maßgeblich daran beteiligt, dass Atasehir offizielle Partnerstadt von Monheim geworden ist, insofern ist mittlerweile von beiden städtischen Seiten aus ein großes Interesse an und viel Unterstützung von gemeinsamen Austauschprojekten gegeben.

Inwieweit sehen Sie Musik als Verbindung zwischen Kulturen und anderen Nationen?

Drechsel Musik ist – vielleicht neben Tanz und Sport – eine der wenigen Möglichkeiten, sich trotz Sprachbarrieren unmittelbar miteinander zu verständigen und gemeinsam sofort aktiv zu werden. Das verbindet und trägt sehr dazu bei, schneller zueinander zu finden.

Wie konnten Sie sich während der Proben und der Aufenthalte verständigen?

Drechsel Da die meisten türkischen Schülerinnen und Schüler recht gut Englisch verstehen, lief die Verständigung überwiegend auf englisch ab. Eine unserer Schülerinnen hat darüber hinaus Türkisch als Muttersprache und war in der Lage, bei Problemen zu dolmetschen.

Das Konzert wurde auch im türkischen Fernsehen gezeigt. Ihr elfjähriger Sohn spielte auf einer Schreibmaschine. Wie kam es dazu?

Drechsel Das Stück „The Typewriter“ von Leroy Anderson, in dem ja eine Schreibmaschine das Soloinstrument ist, wollte ich immer schon einmal auf die Bühne bringen. Da mein Sohn Schlagzeug spielt, war dazu nun Gelegenheit. Für mehrere türkische Fernsehsender war das ein besonderes Highlight und Anlass, unseren Auftritt im Kaisersaal des deutschen Generalkonsulats in Istanbul mitzuschneiden, Interviews zu führen und Ausschnitte in einem Bericht zu senden.

Welches Fazit ziehen Sie aus diesem Erlebnis für Ihre Schule und für sich selbst?

Drechsel Im Sinne von Kontinuität sollte die für beide Seiten und insbesondere für die beteiligten Schüler sehr erfahrungsintensive internationale Zusammenarbeit unbedingt fortgeführt werden.

Der Bau der Moschee in Monheim hat für Diskussionen gesorgt. Inwiefern sehen Sie solche Projekte als Basis für ein besseres Verständnis füreinander?

Drechsel Ein internationaler Austausch fördert naturgemäß das Verständnis zwischen den Beteiligten und führt danach fast zwangsläufig zumeist zu einem besseren Verständnis des jeweils anderen. Von daher wäre es begrüßenswert, wenn möglichst viele Schülerinnen und Schüler an verschiedenen Austauschen (Türkei, Israel, Frankreich, England, Italien) teilnehmen. Mittlerweile bieten wir und andere sogar auch Elternfahrten an, um auch dort Brücken zu bauen und eventuelle Vorurteile im direkten Kontakt abzubauen.

Was sind die zukünftigen Pläne des Otto-Hahn-Gymnasiums mit der Partnerstadt?

Drechsel In Entstehung ist gerade eine Partnerschaft der Robotik-AG am OHG mit einer Mittelschule in Atasehir, die sich ebenfalls mit Programmierung von Robotern beschäftigt. Hier könnte ein Ziel die gemeinsame Teilnahme an internationalen Robotik-Wettbewerben sein.