Monheim In diesem Laden steckt die Würze

Einkaufen : In diesem Laden steckt die Würze

Im Baumberger Einkaufszentrum am Holzweg lässt sich ein Gewürzhändler nieder, der 25 Jahre als Koch gearbeitet hat.

Die Atmosphäre in dem völlig in Weiß gehaltenen Ladenlokal ist eher klinisch steril, kein Farbklecks lenkt das Auge ab. Dafür empfängt die Nase ein Sammelsurium bekannter und fremder Düfte, eine intensive Currynote vermischt sich hier mit Pfefferminze, da mit Lavendel. Die in papiernen Tüten abgepackten Gewürze und Mischungen, die wie Ausstellungstücke  in den Regalen stehen, vermitteln den Eindruck: „Wir sind keine Massenware.“ Längs der Wand sind 42 Grundgewürze aufgereiht, visuell zugänglich gemacht in Einmachgläsern. Hier, im Gewürzlabor, sollen die Kunden gezielt die Nase in die Gläser stecken können, um etwa mit dem exotischen Namen Cardamom endlich auch einen Geruch verbinden zu können.

Die Monheimer Gewürzmanufaktur wird ab Mitte November die Einkaufs-Passage am Holzweg bereichern. Geschäftsführer Marcus Schlosser, der 25 Jahre lang als Koch gearbeitet hat und dabei nach eigenem Bekunden alles kennengelernt hat, „von der Pommes-Bude bis zum Sterne-Restaurant“, hatte keine Lust mehr, sich im fortgesetzten Alter der Hektik am Herd auszusetzen. „Ich wollte mehr Zeit für die Familie und weniger Stress haben,“ sagt der 40-Jährige. Und da das Würzen nun einmal ein wesentliches Element der Kochkunst ausmacht, hat er sich jetzt auf die Herstellung von Gewürzen und Gewürzmischungen spezialisiert. „Gewürze, das kann ich einfach“, sagt er.

Mit unterschiedlichen Würzmischungen könne man demselben Grundgericht jeweils eine völlig andere Geschmacksrichtung geben. Um andere an seinem Wissen teilhaben zu lassen, will er auch Seminare über das Würzen und Gewürze geben. Und nach dem Motto „Neu Gewürz macht alte Speisen frisch“ werde er künftig auch der Hausfrau helfen, deren Gulasch der Herr Gatte vielleicht gerade als etwas fade abgekanzelt hat. „Das können wir dann mit einer Mischung jeweils schärfer, fruchtiger oder kräuteriger gestalten“, verspricht Schlosser. Für einige vielgekochte Gerichte will er auch Fertigmischungen herstellen. „Da sind dann aber keine Zusatzstoffe oder künstliche Aromen drinnen“, versichert seine Geschäftspartnerin Nicole Voscht. Schon jetzt kann man in dem Laden „Chimichurri“, eine argentinische Mischung für Fleisch, oder „Café de Paris“ für Kräuterbutter oder Gewürze für die Festtagsgans beziehen.

Säckchenweise Gewürze. Foto: RP/Metro

Die Mehrheit der von ihm verkauften Gewürze seien Bio, sagt Schlosser. Er werbe aber nicht damit, weil er letztlich nicht für die 100prozentige Chemiefreiheit bürgen könne. Bei der letzten Anuga, der Fachmesse in Köln,  habe er Kontakt zu Gewürzherstellern aus aller Welt aufgenommen, die ihn dann an ihre Importeure vermittelt haben. So komme er auch an Salz vom Fuße des Himalaya, an Langpfeffer aus Indonesien oder Vanille aus Papua-Neuguinea.

Der gebürtige Augsburger, der seit einigen Jahren in Baumberg wohnt, hat den Holzweg als Standort gewählt, weil er eine Pole Position innehaben will, wenn die Passage von der Stadt als Eigentümerin im nächsten Jahr optisch aufgewertet wird und die neue Siedlung auf dem ehemaligen Schulgelände entsteht. Noch seien die Mieten für einen Existenzgründer passabel, die Steuern sowieso gering, und die Wirtschaftsförderung leiste wertvolle Starthilfe. „Hier habe ich auch die Chance zu wachsen“, sagt Schlosser. Denn er will seine Produktion irgendwann ausweiten können. Alle Mischungen, die er konzipiere, probiere er zu Hause aus, versichert Schlosser.