1. NRW
  2. Städte
  3. Langenfeld

Monheim: Im Bürgerhaus spielten sieben Hardcorebands vor einem fast leeren Saal.

Monheim : Metalfest: große Party im kleinen Kreis

Im Bürgerhaus spielten sieben Hardcorebands vor einem fast leeren Saal. Nächstes Jahr starten die Veranstalter einen neuen Versuch.

Sieben Hardcorebands auf einer Bühne an einem Abend – was im vergangenen Jahr ein großer Erfolg war, wollte diesmal nicht so richtig funktionieren: Nur rund 30 Metalfans fanden den Weg zum zweiten „Carefest“ im Baumberger Bürgerhaus. Dennoch – diejenigen, die da waren, hatten ganz offensichtlich ziemlich viel Spaß. Für Außenstehende mag das, was da vor der Bühne beim Auftritt der Hannoveraner Metalcoreband „Artemis Rising“ abgeht, wohl ein wenig befremdlich wirken: zu trashigen Gitarrenhooks, Kreisch-Gesang und donnerndem Schlagzeug rempeln sich die schwarz gekleideten Anhänger springend an, hopsen wie Flummis, schütteln die Köpfe wild nach vorne und hinten. Grüne und weiße Laserstrahlen peitschen rhythmisch durch den Saal.

Es sind vielleicht dreißig, vierzig Menschen vor der Bühne, viele von ihnen selbst Musiker bei einer der sieben Bands, die heute hier ihre Livegigs spielen. „Ich bin echt absolut enttäuscht von den geringen Besucherzahlen“, sagt Organisator Mark Zehndt, während er ein Wasser trinkt, „wenn man das hier so sieht, die paar Menschen. Letztes Jahr war es richtig gut besucht und jetzt so ‚was.“ Im vergangenen Jahr hatte Mark gemeinsam mit den anderen fünf Mitgliedern der Langenfelder Hardcoreband „For all I Care“ die Idee zu diesem kleinen Festival entwickelt. „Wir wollten einfach ‚was tun für diese Szene und so entstand die Idee, überregionale und regionale Band gemeinsam live auftreten zu lassen. Diesmal ist sogar ’ne Band aus Belgien dabei. Wir nennen das Carefest in Anspielung an unseren Bandnamen.“

Die Jungs von Artemis Rising sind wahre Profis: die wenigen Zuhörer, die vor der Bühne stehen, reichen ihnen offensichtlich, um eine erstklassige Show abzuliefern. Den Musikern rinnt der Schweiß, Sänger Wim shoutet sich düster die Seele aus dem Leib, wilde Kerle mit weichen Herzen. „Wir danken Mark und den anderen Organisatoren für den tollen Ablauf und den Veranstaltungstechnikern von SC-Media-Rent für ihre großartige Leistung“, ruft Leadgitarrist Kevin lachend in die überschaubare Menge, die ältere Dame an der Kasse kann nur schwärmen. „Das sind alles so liebe Menschen und so ‚was von nett“, schwärmt sie, als läge es ihr wirklich am Herzen, mit den Vorurteile gegen diese Subkultur aufzuräumen. „Wir sind eine große Familie“, erklärt auch Schlagzeuger Lukas, der am Merchandisestand sitzt und hofft, noch einige Shirts seiner Band „Back to Atlantis“ an neu gewonnene Fans verkaufen zu können, „wir kennen uns irgendwie alle untereinander. Der Abend hier macht total Spaß, auch wenn nur wenige gekommen sind. Unser Gig vorhin war klasse.“

Mark Zhend will trotz zahlenmäßigen Misserfolg nicht aufgeben: Im kommenden Jahr wird es wieder ein Carefest geben. „Wir stemmen das Ganze aus eigener Tasche, wir kriegen absolut keine Unterstützung von städtischer Seite, Sponsoren gibt’s bislang auch nicht, rund 4000 Euro haben wir draufgezahlt. Anscheinend werden wir kulturell nicht anerkannt und ernst genommen. Das ist sehr traurig, aber wir lassen uns auf keinen Fall entmutigen.“