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Monheim „Ich habe mit dem Cello meine Stimme gefunden“

Monheim : „Ich habe mit dem Cello meine Stimme gefunden“

Bach-Interpret Alban Gerhardt gibt am Sonntag ein Cello-Konzert in Monheim. Die Zuhörer lauschen im Auto via UKW-Frequenz. „Ich bin gespannt, wie es sich anfühlt, vor Menschen zu spielen, die im Auto sitzen“, sagt der Musiker, der mit seiner Familie in Madrid lebt.

Alban Gerhardt (51) stammt aus einer Musikerfamilie und hat mit acht Jahren begonnen, Cello zu spielen. Am Sonntag, 14. Juni, gibt er ein Konzert im Hof der Monheimer Kulturraffinerie K 714. Beginn ist um 11 Uhr. Die Zuhörer sitzen im Auto und empfangen „Bachs Cello Suiten“ via UKW-Frequenz.

Wie ist das Leben, wenn man in einer Musikerfamilie aufwächst?

Gerhardt Sehr erfüllend. Das größte Glück der Welt, Liebe, Leidenschaft zum Beruf zu machen. Ich sehe gerade an meinem 21-jährigen Sohn, dass es auch schwierig sein kann, das richtige Ziel zu finden.

Warum Cello?

Gerhardt Meine Mutter hat es mir vorgeschlagen. Als Kind wollte ich Sänger werden. So wie meine Mutter. Doch ich hatte keine so schöne Stimme, kein Vibrato. Da drückte sie mir ein Cello in die Hand, und ich spielte los, suchte das Vibrato und bin, als es geklappt hat, erst einmal durch das ganze Haus gelaufen und habe ‚Ich kann Vibrato’ gerufen. Ich habe mit dem Cello meine Stimme gefunden.

Sie leben inzwischen nicht mehr in Berlin, sondern in Madrid, weil Ihre Frau dort Konzertmeisterin ist. Wie kommt man von dort nach Monheim?

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Gerhardt Oh. Das hat meine Agentur ausgesucht. Ich bin eher kontaktscheu und ein schlechter Vermarkter, habe aber schon einmal im Internet die Location betrachtet. Interessant. Ich bin gespannt, wie es sich anfühlt, vor Menschen zu spielen, die im Auto sitzen. Gerade habe ich ein Konzert in Darmstadt geben. Dort, wo sonst tausend Menschen sitzen, waren viele Plätze frei geblieben. Wegen Corona. Das fühlt sich anders an. Die Stimmung wird nicht so dicht. Mal sehen, wie es im Autokonzert wird.

Sie setzen sich dafür ein, dass junge Menschen an Klassik herangeführt werden.

Gerhardt Ja. Ich finde es wichtig. Anfangs, in den 90er Jahren, bin ich in New Yorker Schulen gegangen. Ich bin dort mit ein bisschen Arroganz und Snobismus herangegangen. Auch die Schüler waren zunächst skeptisch. Doch das Cello hat sie aufgetaut. Sie bewegten sich zur Musik und waren hinter sehr interessiert an dem Instrument. Dass ein solcher Holzkasten so schöne Töne hervorbringen kann, hat sie fasziniert. Später habe ich dann auf Bahnhöfen die Bach-Suiten gespielt. 200 Leute, jung und alt, haben zugehört. Das war spannend.

Ihr Konzert in der Kulturraffinerie wird aufgezeichnet und als Stream in das New Yorker Kulturzentrum 92nd übertragen. Gehört das auch zu Ihrem Ansatz.

Gerhardt Eigentlich nicht. Ich habe noch nie ein Konzert gestreamt. Auch jetzt nicht, in der Corona-Zeit. Ich bin sehr gespannt, wie es funktioniert. Es wird auch nicht zeitgleich übertragen. Ich will es mir erst einmal ansehen, ob die Qualität gut ist. Anschließend werde ich in Monheim noch mit einem Saxofon-Quintett proben und die Proben aufnehmen.

Klingt nach einem spannenden Musiktag in Monheim.

Gerhardt Ja. Stimmt. Ich selbst erlebe dabei viele neue Dinge.