Monheim Hundeschule Dackel

Monheim : Mit Dackel Nils in der Hundeschule

Was lernt man dort, und wer geht da hin? Auf jeden Fall erlebt Frauchen mit ihrem kleinen Vierbeiner da so manche Überraschung.

Kinder bekommen eine Schultüte mit Süß- und Schulkram an ihrem ersten Tag. Hunde eine praktische, durchsichtige Plastikkiste mit Stoffknochen. Trotzdem haben beide was gemeinsam: Sie gehen in die Schule, um was zu lernen. Damit sie im Leben mal gut klar kommen.

Mein Sohn kommt nach den Ferien schon in die zweite Klasse einer Monheimer Grundschule. Bei Dackel Nils geht es jetzt gerade erst los: Er kommt in die Hundegrundschule in Düsseldorf-Hellerhof. Vor der ersten Stunde streicheln wir Nils noch mal über den Rücken. Ob der wohl auch so gut in der Schule sein wird, wie der Sohn? Noch wissen wir es nicht. Aber sagen wir mal so: Er wird es vielleicht nicht leicht haben. Denn Nils ist in seiner Klasse auf jeden Fall der Kleinste.

Nils ist ein Kaninchendackel, der kleinste aller Dackel, ein Hund, der ursprünglich mal gezüchtet wurde, um Kaninchen zu jagen. Zurzeit liegt er aber vor allem im Körbchen und schläft. Manchmal knabbert er ein paar Schuhe oder Pflanzen an. Danach macht er den Dackelblick. Den muss er offensichtlich nicht erst in der Hundeschule lernen.

Nils wird mit Emma und Dias eingeschult. Emma ist ein Chihuahua-Bolonka-Mischling und wie Nils fast fünf Monate alt, recht klein und bellt dauernd. Dias ist ein Australian Sheppard, jünger als Emma und Nils – aber schon jetzt größer. Golden-Retriever-Kind Lotta gehört nicht zur Klasse, ist eigentlich schon in der zweiten Klasse und als Gast dabei. Lehrer gibt es zwei in der Hundegrundschule: Trainerin Sylvia Spelsberg und ihr Hund Ruby, ein Bearded Collie, der schon eine Oma ist.

Wie Menschen das so machen, spricht und erklärt Sylvia Spelsberg. Ruby bellt – und zwar immer dann, wenn sich ein Schüler daneben benimmt. Ruby sagt damit: „Schluss jetzt, du Hundekind.“ Das macht sie, wenn die Kleinen nerven.

Die maximale Klassengröße in der Hundeschule liegt bei sechs. Eine so kleine Klasse, das wünscht man sich auch fürs Kind. Denn das ist mit fast 30 Kindern in einer Klasse. Der Hund hat es da besser. Das Kind findet, der Hund hat es vor allem deshalb besser, weil er dauernd Leckerli bekommt, wenn er etwas gut gemacht hat. Nach jeder Matheaufgabe ein Stück Schokolade – „Mama, stell dir das mal vor!“

Die Hundetrainerin erklärt derweil, worum es in der Hundeschule geht. „In den nächsten acht Wochen“, sagt sie, „sollen die Hunde sich intensiv kennenlernen. Jeder Hund ist anders, jeder hat einen anderen Charakter. Die Hunde sollen lernen, sich aufeinander einzustellen.“ Ich gucke Nils, Emma und Dias an und frage mich: Gibt es in der Hundeschule wohl auch einen, der immer auffällt, einen Lümmel aus der letzten Reihe? Sylvia Spelsberg sagt: „Absolut. Es ist bei Hunden nicht anders als bei Menschen. Der eine ist eher zurückhaltend und vorsichtig, der andere eher ein Draufgänger.“ Und kann man aus jedem Hund einen guten Schüler machen? Sylvia Spelsberg lacht und sagt: „Man kann aus jedem Menschen einen guten Schüler machen.“ Da wird uns noch mal bewusst, was Freunde schon vorher im Spaß gesagt hatten: Nicht Nils geht in die Hundeschule, sondern wir. Der Hund kann nur so gut wie sein Mensch.

„Der Mensch hat viel Einfluss“, sagt Sylvia Spelsberg. Der Hund lernt von seinem Menschen, wie er sich verhalten muss. Dafür müsse der Mensch aber erst mal hündisch lernen, wie Sylvia Spelsberg es nennt. Dann klappe es auch mit einem guten Sozialverhalten des Hundes und einer guten Beziehung zwischen Mensch und Hund.

Was gibt es da zu beachten? Spelsberg sagt, wir Menschen müssten zum Beispiel erst mal lernen, nicht so viel zu quatschen. Menschen sollen sagen „Platz!“ oder noch besser ein Handzeichen geben. „Jetzt komm doch mal bitte her und mach mal Platz“ funktioniere in der Hundesprache nicht. Mein Sohn und ich gucken uns an. Auch wir reden viel mit dem Dackel. Vielleicht ist sein Dackelblick da auch ein Zeichen der Ratlosigkeit? Es gibt noch viel zu lernen – und bis dahin wohl auch noch einige Leckerli aus der durchsichtigen Plastikkiste, die wir zu Hause jetzt erst mal ordentlich füllen werden. Die Schultüte des Sohnes zu Beginn des neuen Schuljahres natürlich auch.