Monheim Hier gibt es kistenweise Heimatgeschichte

Hingehen : Hier gibt es kistenweise Heimatgeschichte

Im Monheimer Deusser-Haus treffen Besucher auf eine Vielzahl von Fotos und Gegenständen zur Stadt- und Regionalhistorie. Eine Führung des Heimatbundes macht sie lebendig.

Das Deusser-Haus, benannt nach dem Maler August Deusser, der es vor rund 110 Jahren bewohnte, beherbergt das Heimatmuseum der Stadt Monheim. In den nächsten zwei Jahren soll es umfassend renoviert und die Ausstellung neu gestaltet, modernisiert  und damit  inhaltlich gerafft werden. Das Konzept hat das Hildener Büro „Stein und Bein“ entwickelt.

Warum hingegen? Das Deusser-Haus gleicht einer großen, etwas unaufgeräumten Schatztruhe mit historischen Preziosen. Man greift einen beliebigen Gegenstand heraus und vor einem öffnet sich der Vorhang zu einem kleinen Stück Heimatgeschichte – gegebenenfalls souffliert von einem der Heimatbund-Führer. Da ist beispielsweise die vom Juni 1902 datierende Zeichnung  für eine Badeanstalt am Rheinufer.  Kurz, bevor diese zu Pfingsten 1912 eröffnet werden sollte, verlor ein Rheinfrachter Ladung, der  die Pontons zu beschädigen drohte.  Bei dem Versuch, die sperrigen Stücke loszumachen, ertrank der Großonkel von Bodo Esser, einem der Heimatbund-Vorstandsmitglieder. „Die Badeanstalt wurde nicht mehr eingeweiht, sondern erst zur Piwipp und dann in den Düsseldorfer Hafen geschleppt“, erzählt er.

Eine Schaffneruniform, Geldwechsler und Fahrkarten erinnern an die kurze Geschichte der gleislosen Straßenbahn (1904-1908), die zwischen Langenfeld und Monheim pendelte und per Pferdezugkraft gewendet wurde.

Kinderwagen, Arbeitsgerätschaften, Fotos – im Deusser-Haus wird Alltag von anno dazumal sicht- und greifbar. Foto: Matzerath, Ralph (rm-)

Eines der ersten historischen Zeugnisse der jecken Hochburg ist das Ankündigungsplakat für den ersten Rosenmontagszug in Monheim im Jahre 1903. Auf dem Stück Papier ist die „Vorwärtsbewegung der Menschen, Wagen und Pferdemassen“ für „1 Uhr 61“ terminiert. Es zieht etwa die Gesellschaft Hätzblättche mit dem Thema „pensionierte Bauernindustrie“ mit, die Gesellschaft „Immergrün“ befasst sich mit dem Thema „Der verkrachte Wirteverein“. Insgesamt sind 41 Zugnummern aufgeführt. Die Ausstellung bildet das Monheimer Leben von der Jahrhundertwende bis in die 70er Jahre anhand vieler Alltagsgegenstände und Fotos ab, die Monheimer Bürger dem Heimatbund als Trägerverein zur Verfügung gestellt haben.  Im Mittelpunkt stehen Werkzeuge aus Landwirtschaft und Handwerk, wie ein gut 100 Jahre alter Holzpflug (Hungkploch), eine Schürreskarre, Werkbänke für Schuster und Sattler. Anhand von Schiffsmodellen lassen sich unterschiedliche Arten der Rheinfischerei nachvollziehen.

Im Obergeschoss des Hauses nimmt die Darstellung  der verschiedenen Gewerbezweige breiten Raum ein, die sich in Monheim angesiedelt hatten und von denen einige längst der Vergangenheit angehören: die Ziegelei am Knipprather Wald, die Brauerei Peters, die Schnapsbrennerei Hosemanns, die Öl-Raffinerie Rhenania und die Krautfabrik. Relikte der vergangenen Zeit sind etwa ein Schaukasten mit der Produktionspalette von Ketten und Ösen von Pötz & Sand, das Bürofenster von Hosemans (Doppelkorn), eine Buchungsmaschine oder ein Dictaphon von 1907. Auch alte Haushaltsgeräte finden sich in der Sammlung, wie eine mechanische Waschmaschine von Miele, ein Bohnenschneider oder ein Kirschentkerner.

Wen trifft man dort?  Natürlich ist das Museum für Kindergärten und Schulen eine willkommene Anlaufstelle, um dem Nachwuchs ein Stück Heimat zu vermitteln. Der Garten des unter Denkmalschutz stehenden Hauses wurde auch schon für Hochzeits- und Betriebsfeiern genutzt. Gerade an den überregionalen Museumstagen kommen auch viele Leute von außerhalb zu Besuch.

Was man noch wissen sollte: Das Deusser-Haus hat regulär sonntags von 11 bis 13 Uhr geöffnet. Führungen können – unabhängig davon - montags, von 9 bis 12 Uhr, unter Telefon 02173  51454 oder heimatbund-monheim@t-online.de vereinbart werden. Der Heimatbund nimmt regelmäßig am Tag des offenen Denkmals und an der Museumsnacht teil. Am jeweils letzten Sonntag vor den Sommerferien findet ein Mundart-Abend statt, an dem Geschichten und Gedichte auf Monnemer Platt vorgetragen werden.

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