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Monheim Heimatbund konnte sich mit Stadt nicht über das Konzept zur Modernisierung einigen.

Monheim : Heimatbund modernisiert Ausstellung allein

Die Stadt wollte sich mit 150.000 Euro an der Modernisierung der Ausstellung im Deusser Haus beteiligen. Dem Verein waren aber die Auflagen zu hoch. Jetzt machen die Männer alles selber.

Am Sonntag wird das Heimatmuseum Deusser Haus zum ersten Mal nach zweieinhalb Monaten wieder öffnen. Inzwischen zeigt sich das Museum in großen Teilen schon im frischen luftigen Gewand. Die Herrenriege des Heimatbundes hat es tatsächlich vermocht, die Ausstellung über die Monheimer Stadtgeschichte stark auszudünnen, den Textanteil auf ein absolutes Minimum zurückzufahren, auch die Anzahl der historischen Fotos zu reduzieren und viele Ausstellungsstücke einfach im Fundus zu verstauen. Vom ursprünglichen Konzept des Hildener Büros „Stein und Bein“ ist indes nur das blaue Band geblieben, das sich stellvertretend für den Rhein durch alle Räume zieht. Man hat sich im vergangenen Jahr einvernehmlich getrennt, „als wir erkannt haben, dass das Geld höchstens für drei Räume reichen würde, wenn wir alle Ideen der Designer umsetzen würden“, wie Dieter Sturm berichtet. Allein die individuelle Gestaltung der Tafeln mit einem Kiesbett am unteren Rand, in das zum Thema passende Gegenstände eingebettet würden, wäre zu kostspielig gewesen.

Daher haben sich die Heimatbund-Mitglieder auf ihre altbewährten handwerklichen Fähigkeiten, eigene und fremde Ideen und einfach ihre Liebe zu ihrer großen Schatztruhe verlassen. Die neue Konzeption der Zeittafel im großen Ausstellungsraum im Erdgeschoss hat Dieter Sturm dem Museum der Insel Reichenau abgeguckt. „Unser historischer Rückblick fing rechts an und führte dann im Zickzack nach links“, berichtet er. Jetzt liegen die Grafen von Berg, lokale Ereignisse, wie die erste urkundliche Erwähnung Monheims, regionale und überregionale Ereignisse, die prägend für die Zeit waren, in vier Zeitsträngen übersichtlich übereinander. Die „gute Stube“, die einst einen ganzen Raum prägte, nimmt jetzt die Nische rechts des Eingangs ein. „Jetzt kann man den tiefen Gong der Standuhr auch überall im Haus hören“, freut sich Vorsitzender Bernd Gehrmann. Die Fotos, die Menschen aus Landwirtschaft, Handwerk und Vereinsleben zeigen, sind nicht mehr mit Namen versehen. „Man muss ja auch an die nachwachsende Generation und die auswärtigen Besucher denken, denen die Namen ohnehin nichts sagen“, so Sturm.

     Dieter Sturm – hier in der „guten Stube“ – hat in die neue Ausstellung viele eigene Ideen eingebracht.
Dieter Sturm – hier in der „guten Stube“ – hat in die neue Ausstellung viele eigene Ideen eingebracht. Foto: Matzerath, Ralph (rm)/Matzerath, Ralph (rm-)
     Das Modell ist für die Stadtspitze ein Stein des Anstoßes, weil es historisch inkorrekt eine Stadtmauer zeigt, die Moheim nie hatte. Bernd Gehrmann hat es dennoch wieder in die Ausstellung aufgenommen.
Das Modell ist für die Stadtspitze ein Stein des Anstoßes, weil es historisch inkorrekt eine Stadtmauer zeigt, die Moheim nie hatte. Bernd Gehrmann hat es dennoch wieder in die Ausstellung aufgenommen. Foto: Matzerath, Ralph (rm)/Matzerath, Ralph (rm-)

Dort, wo ursprünglich das bewegliche Manuskript für die Mon-Chronik installiert werden soll, steht als Platzhalter eine Vitrine, die ein Modell des Aufzugs mit Zugang zum Balkon zeigt. An dieser Stelle manifestiert sich das zerrüttete Verhältnis des Heimatbundes zur Stadt. Denn der Vertrag über die vom Rat beschlossenen städtischen Fördermittel von 150.000 Euro kam bisher nicht zustande. „Die Auflagen waren nicht akzeptabel“, so Gehrmann. Die Stadt habe verlangt, dass die Stadtgeschichte, die jetzt mit der wieder gewonnenen Selbstständigkeit endet, bis heute fortgesetzt werde. Die Öffnungszeiten sollten erheblich ausgeweitet werden. „Wir hätten alles, was das Büro plant, zur Abstimmung vorlegen müssen“, so Sturm. Es sei „derzeit leider nicht im Ansatz erkennbar, dass der Heimatbund die dem Ratsbeschluss zugrundeliegenden Bedingungen erfüllt“, erklärt Saskia Braun von der Abteilung Tourismus. Die Stadt beklagt, dass der Verein „entgegen der ursprünglichen Intention…nie einen Auftrag an die Agentur erteilt“ habe. Insofern könne das städtische Geld nicht ausgezahlt werden. „Dem Heimatbund steht die Förderung weiter offen, sofern er bereit ist, einen gewissen fachlichen Mindeststandard zu erfüllen“, so Braun. Auch der zugesagte Aufzug wurde noch nicht installiert. „Die Verzögerung ist dem aufwändigen Prozess der Variantenentscheidung und der Abstimmung mit der Denkmalbehörde geschuldet“, erklärt Gebäudemanager Michael Lobe. Nach einem Formfehler musste der Auftrag für den Bau gerade neu vergeben werden.