Monheim hat jetzt ein Aalfischerei-Museum

Hingehen : Monheim hat jetzt ein Aalfischerei-Museum

Das Ausstellungsschiff am Baumberger Rheinufer wurde am Sonntag feierlich eröffnet.

Dass die Aalfischerei noch Anfang des vorigen Jahrhunderts einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des Dorfes Baumberg war, kann sich heute kaum jemand mehr vorstellen. Wie Aale gefangen und verarbeitet wurden und wie die Fischer und ihre Familien gelebten haben, kann man nun im Aalfischerei-Museum an der Klappertorstraße bewundern. Monheims Bürgermeister Daniel Zimmermann eröffnete am Sonntag das Museumsschiff, gemeinsam mit der Bundestagabgeordneten Michaela Noll sowie Wilhelm Wirtz, dem Vorbesitzer der für die Ausstellungszwecke restaurierten „Fiat Voluntas“.

In den 1920er Jahren gründeten sich in Monheim und Baumberg verschiedenen Aalräuchereien, die den mit den sogenannten Aalschokkern wie der Fiat Voluntas gefangenen Fisch verarbeiteten und haltbar machten. Die niederländischen Fischereisegelschiffe sind mit dem sogenannten Schokkerbaum auf einen Fischfang mit Schleppnetzen spezialisiert. Wilhelm Wirtz könnte nach eigenen Angaben 1000 Geschichten aus seiner Zeit als Rheinfischer erzählen.  Und wenn er damit beginnt, wird schnell deutlich, dass der Job kein Zuckerschlecken war, sondern harte körperliche Arbeit.

Der Vater von Wilhelm Wirtz hat die Rheinfischerei neben seinem eigentlichen Beruf betrieben und fischte in der Fangsaison nachts nach den Aalen. Noch bis ins Jahr 2001 fuhr Wirtz mit der Fiat Voluntas auf dem Rhein. Im Anschluss lag das Schiff im Neusser Hafen, bis es die Stadt Monheim für 2000 Euro kaufte.

Mit der Verschmutzung des Rheins gingen die Fischbestände Ende der 1960er Jahre massiv zurück, und mit ihnen starb auch die Aalfischerei. Mittlerweile erholt sich der Fluss, und ein Teil der Artenvielfalt kehrt, dank der Schutzmaßnahmen, zurück. Dennoch ist der Europäische Aal weiterhin vom Aussterben bedroht. Denn die durch den Menschen veränderten Wasserwege, wie zum Beispiel Wehre oder Wasserkraftwerke, behindern den Aal  auf seiner Wanderung.

Wie die Schautafeln an der Plattformwand, dem Zugang zum Aalschokker, anschaulich berichten, wandern die in der Sargassosee in der Nähe der Bahamas geschlüpften Aallarven zu den Europäischen Küsten. In dieser Zeit verändern sie ihre Gestalt und werden fortan Glas-Aale genannt. Von Europas Küsten wandern sie als sogenannte Steig-Aale in Binnengewässer wie den Rhein ein und verbringen dort ihr Leben bis zur Geschlechtsreife. Mit beginnender Geschlechtsreife schwimmen die Aale wieder in den Ozean, um sich dort fortzupflanzen.

Nach der Eröffnung ist der Andrang in das Museumsschiff so groß, dass sich zunächst eine Schlange an der Eingangstür bildet. Denn trotz der Länge des Schiffes von 16 Metern ist das Innere des Aalschokkers mit dem vorderen Salon und der anschließenden Kabine mit Schlafkoje doch recht klein für die heutigen Wohnverhältnisse. Im Aalschokker wird der Besucher mit Hör-Geschichten aus der Fischereizeit unter anderem aus dem Kochtopf im Salon unterhalten. Ein Film zeigt das Fischereihandwerk der Familie Wirtz.

Natürlich darf auch das Cover des 1984 veröffentlichten Toten-Hosen-Albums „Unter falscher Flagge“ nicht fehlen. Ziert doch die Fiat Voluntas mit den als Piraten verkleideten Düsseldorfer Punkrockern diese Plattenhülle.

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