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Monheim Genießen und plaudern auf Entfernung

Monheim rheinbogen : Genießen und plaudern auf Entfernung

An diesem Osterfest war alles anders. Ein Blick in den Rheinbogen, ein beliebtes Ausflugsziel. Spaziergänger zeigten sich sehr diszipliniert.

Ein Osterwochenende wie gemalt: makellos blauer Himmel. Die Natur im Monheimer Rheinbogen trägt frühlingshaftes Grün mit bunten Farbtupfern. Die Menschen müssen nicht arbeiten. Eltern haben Zeit für ihre Kinder. Einfach perfekt, wäre da nicht das Coronavirus (Covid-19) mit seinen Kontaktsperren.

Und so beherrschen abgesperrte Spielplätze und eine verwaiste Half-Pipe-Bahn das Bild in der sonst so beliebten Ausflugszone. Ein kleiner Junge quengelt an der Hand seiner Mutter. „Aber warum denn nicht, warum darf ich denn nicht auf den Spielplatz“, fragt er und kann es nicht begreifen. Eine andere Mutter sitzt lesend allein auf der Bank, als sie plötzlich entdeckt, dass ihre Tochter sich vergnügt allein auf dem Spielplatz amüsiert. „Um Gottes Willen“, ruft sie, „das darf man nicht. Komm da mal schnell runter.“ Und: „Das Ordnungsamt kontrolliert hier ständig“, sagt sie.

Auch vor dem Eiswagen von Natalie Seidel, der in diesen Tagen in die Nähe der Schießanlage gerückt ist, stehen nicht unbeschwert plappernde Schlangen, sondern vereinzelte Kunden, die in sicherer Entfernung geduldig an sechs Blumeninseln warten, bis sie ihr Eis mit Abdeckung in Empfang nehmen können. Ehemann Tim Seidel passt auf, dass die Kunden auch nur ja die 50 Meter Radius um den Eiswagen einhalten, ehe sie sich über die Leckerei hermachen. „Geht da hinten zu dem weißen Wagen. Bitte erst dort essen“, ruft er zwei Kundinnen zu.

Wer auf Nummer Sicher gehen will, kann mit dem Auto wie bei McDrive vorfahren und ohne großen Kontakt sein Eis in Empfang nehmen. Der Fahrweg ist gekennzeichnet. Zum Glück hat das Ehepaar sich mit seinem Geschäft nicht nur auf die hübsche Milchbar in der Altstadt beschränkt, sondern gleich auch einen Verkaufswagen eingerichtet. „Es ist alles so traurig“, sagt Tim Seidel, „wenn ich unsere leere Milchbar in der Altstadt sehe. Das Wetter wäre jetzt so toll, um draußen zu sitzen . . .“.

Doch die Altstadt ist leergefegt, die Lokale geschlossen. Das neue Restaurant Bloomgold, noch nicht lange eröffnet, muss schon auf unbestimmte Zeit wieder schließen. Die Besitzerinnen Miriam Winter und Simone Windges, die auch das Café mit Liebe betreiben, geben am Samstag von 13 bis 15 Uhr vorbestelltes Oster-Frühstück aus. Und am Freitag und Samstag per Fensterverkauf vorbestellten Kuchen. Natürlich auch nur mit Abstand. So hat man zumindest zeitweilig den Eindruck, die Altstadt sei wieder belebt.

Selbst im Rheinpark, wo sich normalerweise in sonnigen Tagen wie diesen ein buntes Völkchen, das picknickt, Ball spielt, sich sonnt und Spaß hat, knubbelt, halten die Menschen Abstand von einander. In Stoßzeiten – am Sonntagnachmittag beispielsweise – ist etwas mehr los. Besonders die Radler steigen schon einmal ab und wechseln auf die andere Straßenseite, um allzu nahe Begegnungen zu vermeiden. Man ist vorsichtig, vernünftig, ein bisschen traurig über die Situation. Der Aalschocker in Baumberg ist in diesen Wochen für die Ausflügler genauso tabu wie das Lokal Rheinblick auf dem Baumberger Campingplatz mit seiner beliebten Sonnenterrasse am Rhein. Zumindest gibt es auch dort einen Fensterverkauf mit vorbestelltem Essen für Zuhause.

Die Spätnachmittage am Rhein sind besonders entspannt. Ein paar Hundebesitzer, ein junges Paar mit Kleinkind, das allein ein bisschen Tischtennis spielt, während sein Baby in einem Wurfzelt friedlich im Schatten liegt. „Wir haben zu Hause nur einen kleinen Balkon“, sagt die Mutter fast schon entschuldigend, dass sie sich draußen aufhält. Eine türkische Großfamilie sitzt in sicherer Entfernung von einander in der Sonne. Zwei Freundinnen genießen im vorgeschriebenen Abstand die Abendsonne und reden über . . . Corona natürlich.

Allein eine Gruppe von sechs Jugendlichen macht sich an diesem Samstag ihre eigenen Regeln. „Aber wir sitzen doch alle zwei Meter auseinander“, sagt ein Mädchen. „Das muss doch erlaubt sein!“ Ist es aber nicht.