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Monheim Eine Musiktherapeutin begleitet Demenzkranke in Haus Monheim.

Monheim : Demenzkranke öffnen sich dank Musik

In Haus Monheim begleitet eine Musiktherapeutin regelmäßig Bewohner. Mit Klangschalen bewirkt sie, dass sich Verkrampfungen lösen.

Die Körperhaltung von Herrn C. drückt gleichzeitig An- und Entspannung aus. Die Hände des bettlägerigen Seniors über dem Bauch sind fest zu Fäusten geschlossen, das rechte Bein wiederum ist locker über das linke geschlagen. Er stößt immer wieder geräuschvoll Luft aus, was aber nur sein Wohlbefinden ausdrückt.  Gitta Alandt lässt die Klangschale über seinen Händen kreisen, schlägt sie sanft an. Dann steckt sie ihm wie bei einem Säugling, dessen Greifreflex man überprüft, einen Finger in die Faust und stellt mit aufmunternder Stimme fest: „Ihre Faust wird ja schon weicher“. Ein Lachen gleitet über das Gesicht des greisen Mannes. Schließlich kann sie drei Finger seiner rechten Hand soweit lösen, dass sie ihm ein Percussioninstrument dazwischen stecken kann, damit er es gegebenenfalls benutzt. Dann positioniert sie die Schalen in Höhe der Füße und schlägt sie wiederum an. „Spüren Sie den Klang an den Füßen?“ fragt sie. Wie zur Bestätigung wackelt Herr C. mit den bestrumpften Zehen. Als sie ihn lobt, lacht er mit seinem zahnlosem Mund, dass  sich seine Wangen kräuseln. Immer wieder fragt sie ihn, ob sie aufhören soll? „Nee“, sagt er kaum hörbar. Herr C ist ein Genießer, er räkelt sich, als die Musiktherapeutin mit der klingenden Schale seinen Körper entlangfährt.

„Musik ist einfach der Königsweg, um Menschen mit Demenz zu erreichen“, sagt die 61-Jährige, die jeden Montag in das Haus Monheim der Diakonie an der Kirchstraße kommt. Wenn sie die Schalen über dem Körper eines bettlägerigen Bewohners anschlägt, überträgt sich der Schall des erzeugten Tons auf den Körper. Er wird als Vibration wahrgenommen. „Das wirkt wie eine sanfte Massage und hilft, Verspannungen zu lösen“, erklärt Alandt.

Das liege daran,  dass der menschliche Körper überwiegend aus Wasser bestehe, das durch die Klangwellen in Bewegung versetzt werde. „Diese Menschen können so wieder ihre Körpergrenzen spüren.“ Ihr sei wichtig, dem Demenzkranken dabei nicht ihren Willen überzustülpen, sie versuche daher immer zu ergründen, ob der Betreffende gerade empfänglich für eine Behandlung ist, ob diese gefällt oder nicht. Das gebiete der Respekt. Zur Not erkenne sie an der Mimik oder der unregelmäßigen Atmung, dass sich eben keine Ruhe einstellt, sondern eher Anspannung.

Auf ihrem Musikwagen, den sie wie eine Stewardess durch die Gänge schiebt, hat die Musiktherapeutin verschiedene Instrumente, wie die Schlitztrommel, die Sansula, eine Variante der Kalimba, und ein pentatonisch gestimmtes Glockenspiel, mit denen sich mobilere Bewohner auch aktiv auseinandersetzen können. „Darauf kann man  keinen falschen Ton anschlagen, es klingt immer harmonisch“, sagt sie. Schließlich soll die Musik Freude, Wohlbefinden und schöne Erinnerungen vermitteln. Daher werde alles  ausgeklammert, was einen belehrenden Charakter haben könnte. „Es geht nicht ums Lernen, weil man dabei möglicherweise scheitern kann, etwa wenn man den falschen Ton trifft, sondern ums Erleben“, sagt die Musiktherapeutin. Eine bewährte Methode, um an noch vorhandene Ressourcen anzuknüpfen, ist das Singen alter Volks- oder Kirchenlieder. „Selbst diejenigen, die nicht mehr sprechen können, kennen oft noch alle Strophen eines Liedes  - und sind im Erleben plötzlich wieder in ihrer Jugend“, erklärt Alandt. Sie stellen dann oft verwundert fest, dass sie ja noch etwas können.

Gehört werden, die eigene Wirkung spüren – darauf zielen auch die anderen musikalischen Angebote in Haus Monheim:  Der im Zwei-Wochen-Rhythmus stattfindende „Trommelwirbel“ biete Bewohnern die Gelegenheit, untereinander zu kommunizieren, als Gruppe einen Rhythmus zu finden und zu spüren, sagt Doris Frers, Leiterin des Sozialen Dienstes. „Der gemeinsame Takt gibt Halt und Stabilität, Augenblicke der Ordnung in einer als chaotisch empfundenen Welt“, sagt sie. Und der Drum-Circle mache den Bewohnern offenkundig sehr viel Spaß. „Da geht die Post ab.“ Musik bietet hierbei eben auch eine Gelegenheit, sich neu zu entdecken und auszuprobieren. „Anfangs war ich selber überrascht, wie bereitwillig sich die Menschen noch auf etwas Neues einlassen und froh sind, dass man ihnen etwas zutraut“, sagt Doris Frers.

Schließlich gilt hier das Motto:  Leben bis zum Schluss.