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Monheim Die Dehoga Kreis Mettmann rechnet mit großer Pleitewelle in 2021.

Monheim Hotelbranche : „Uns bricht die Geschäftsgrundlage weg“

Die Novemberhilfe lässt auf sich warten, Mitarbeiter in Kurzarbeit, die Chefs besetzen den Empfang jetzt selbst. Viele Hotels werden nicht bis zum Frühjahr durchhalten, sagt Frank Lohmann, Vorsitzender der Dehoga Kreis Mettmann.

Frank Lohmann wählt dramatische Worte: „Das Gastgewerbe hängt am seidenen Faden. Uns ist die Geschäftsgrundlage weggebrochen.“ Schätzungen zufolge werden 70 Prozent der Hotelbetriebe im Frühjahr Insolvenz anmelden müssen, sagt der Dehoga-Vorsitzende für den Kreis Mettmann. Vor allem die Hotels, die ihre Gebäude gepachtet haben, seien akut bedroht, weil sie ihre Fixkosten nicht reduzieren können. Anders sehe das bei Familienunternehmen wie dem der Lohmanns aus, das bereits in der 9. Generation besteht und wo man über einen längeren Zeitraum Immobilieneigentum aufbauen konnte. Dennoch müsse man auch in solchen Betrieben hilflos zusehen, wie in der derzeitigen Krise die Rücklagen aufgezehrt werden. „Viele Unternehmen haben seit März praktisch nichts verdient“, so Lohmann. Einige Kollegen ließen sich jetzt ihre Lebensversicherung auszahlen und steckten ihre Altersversorgung in den Erhalt des Unternehmens. Da helfe auch keine Betriebsschließungsversicherung, denn behördlich verfügte Schließungen aufgrund einer Pandemie seien nicht davon gedeckt: „Hier sind viele Verfahren anhängig“, weiß Lohmann. Die großen Versicherer hätten sich lediglich zu einer Abschlagszahlung von 15  Prozent der versicherten Leistung ohne rechtliche Verpflichtung bereit gefunden. Er rechnet damit, dass allen Hotels 2021 diese Verträge gekündigt werden. 

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Immerhin habe die Politik die Beherbergung von Geschäftsreisenden zugelassen. So seien seine 85 Zimmer mit zehn bis 15 Übernachtungen pro Woche belegt. Die Auslastung betrage momentan zwei Prozent. Normalerweise machten Geschäftsleute 60 bis 70 Prozent des Umsatzes aus. „In den letzten Jahren sind wegen des Überangebots an Betten in den Messe-Metropolen die Industriebetriebe im Bergischen Land in unseren Fokus gerückt“.

Im Hotel am Berliner Platz sieht die Lage seit dem jüngsten Lockdown Anfang November auch „nicht sehr berauschend“ aus, so Geschäftsführer Kristijan Beslic. Die Auslastung für den Monat lag bei zwölf Prozent, im November 2019 betrug sie 59,64 Prozent. Die Buchungen für die Geschäftsleute würden meist von den Firmen direkt getätigt, daher bedürfe es keiner weiteren Prüfung, ob die Reise geschäftlich ist. „Ansonsten erhalten wir bei der Registrierung des Gastes die Firmen-Daten, auf die die Rechnung ausgestellt wird.“ Allerdings seien die Firmen derzeit sehr zurückhaltend, für nicht zwingend notwendige Reisen würden die Mitarbeiter nicht mehr geschickt. Das habe er von Stammgästen erfahren, die früher jede Woche etwa aus Berlin, Stuttgart, Frankfurt zu Tagungen und Meetings nach Langenfeld kamen. Inzwischen arbeiteten viele im Home Office, das trotz seiner positiven Darstellung in den Medien der Hotel-Branche sehr schade.

Von der angekündigten Novemberhilfe hätten viele Kollegen bisher nur eine Abschlagszahlung von 10.000 Euro gesehen, berichtet Lohmann. Im November seien die versprochenen 75 Prozent des Vorjahrsumsatzes nicht ausgezahlt worden, weil die erforderliche Software nicht fertig war. Bei einem Betrieb wie seinem mit 50 Mitarbeitern reiche diese Vorauszahlung gerade mal, um einen Teil der Sozialabgaben (Krankenkassen) zu leisten.

Beslic, der als Einzel-Unternehmer das Falken-Brauhaus sowie das Hotel am Berliner Platz betreibt, musste sich entscheiden, weil er nur Anspruch auf Hilfsgelder für einen einzigen Betrieb hat.  Die Wahl fiel auf das Restaurant, weil er dort die meisten Mitarbeiter hat. Die erste Abschlagszahlung wird er im Dezember erhalten, der Rest wird  2021 ausgezahlt. „Ich kann mir gut vorstellen, dass diese sehr verspätete Auszahlung viele Betriebe in Liquiditätsengpässe bringt.“

„Aber das Kurzarbeitergeld ist eine tolle Sache“, lobt Lohmann. Er hat 97 Prozent seiner Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, den auf Sparflamme laufenden Hotelbetrieb schmeißt die Familie mit drei Azubis. Beslic hat schon Personal entlassen müssen, im Hotel sei er jetzt ganz alleine für die Rezeption zuständig, darüber hinaus befinde sich seine fest angestellte Zimmer- Dame in Kurzarbeit.

Auch für 2021 seien die Aussichten ungewiss. „Die Gäste zögern mit Langzeitbuchungen, denn in der Politik kann sich alle zwei, drei Wochen wieder alles ändern“, so Beslic. Immerhin profitiert Lohmann von den 2020 aufgeschobenen Hochzeiten, sein Hochzeitsaal sei zwischen Mai und September ausgebucht. „Aber das, was 2020 nicht stattfand, lässt sich ja nicht wieder reinholen, die Lücke bleibt“, sagt Lohmann.