Monheim Der Soziale Dienst berät Bürger auch zu Hause über den behindertengerechten Umbau der Wohnung.

Monheim : So kann die Rückkehr nach Hause klappen

Der Soziale Dienst macht auch Hausbesuche, um Menschen vor Ort über behindertengerechte Umbaumöglichkeiten zu informieren.

„Endlich nach Hause“. Das sei die Erwartung, die aus dem Gesicht seines Vaters spreche, wenn er ihn im Pflegeheim besuche. Denn mit Worten kann sich der 94-Jährige nach einem Schlaganfall im Februar nicht mehr äußern. Aber – wie durch ein Wunder – sei er nicht halbseitig gelähmt, also leidlich mobil. Grundsätzlich spreche daher nichts dagegen, sofern eine 24-Stunden-Betreuung sichergestellt sei, hätten die Ärzte gesagt, berichtet Albert Noll, sein Sohn. Heute hat er den Sozialen Dienst der Stadt Monheim zu Besuch, um sich über die nötigen Rahmenbedingungen dafür zu informieren. Denn er selbst wohnt im 70 Kilometer entfernten Dinslaken. Wenn er den Vater schon nicht selber pflegen könne, möchte er doch „seinem Wunsch, nach Hause zurückzukehren, möglichst nachkommen.“

Die Heimat von Bernhard Noll ist seit 70 Jahren ein Haus an der Griesstraße in Baumberg. „Am Küchenfenster sitzend kann er die Schiffe auf dem Rhein zählen“, berichtet Frau L., die „gute Seele“ aus der Nachbarschaft, die sich um den älteren Herrn kümmert. „Und der Garten – das ist sein Leben, dort hat er zuletzt noch Kartoffeln gesetzt.“ Auf dem schönen Rheingrundstück hatte der Spross einer Bauernfamilie aus dem Westerwald eine Landwirtschaft im Kleinformat betrieben – mit Hühnern, Kaninchen und Bienen. Aber das Genossenschafts-Haus aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts birgt für einen in der Mobilität eingeschränkten Menschen zahlreiche Hürden: Der Hindernisparcours beginnt mit dem Treppenaufgang vor der Haustüre, der engen, gewendeten Treppe und setzt sich bis in die kleine, ziemlich vollgestellte Wohnung fort.

„Einige Möbel in der Küche müssten raus, sonst kommt er mit dem Rollator nicht durch“, sagt Alfred Pintscher vom Pflegestützpunkt Monheim. Er fragt den Pflegegrad des Vaters und bisher beanspruchten Pflegeleistungen ab. „Ihm standen im Pflegegrad 3 knapp 1300 Euro pro Monat zu“, antwortet Noll. Bisher kam ein ambulanter Pflegedienst, der zwei Mal pro Tag Stützstrümpfe angelegt hat. Einem Erinnerungszettel am Kühlschrank nach nahm der Vater seine Tabletten bisher selbstständig ein. „Ein Pflegebett ist auch schon da“, bemerkt Pintscher. Sowohl das Bett als auch die Handgriffe im Bad und in der separaten Toilette stammen von der pflegebedürftigen, inzwischen verstorbenen Mutter. Nach der kurzen Wohnungsinspektion stellt sich heraus, dass für den behindertengerechten Umbau nicht viel zu tun ist: Im Bad sollte eine ebenerdige Dusche eingebaut werden, ein Duschstuhl mit Rücken- und Armlehne müsste angeschafft werden. „Die Türöffnungen sind breit genug für den Rollator“, urteilt Pintscher. Auch eine erhöhte Toilette ist vorhanden. Später müsse eventuell noch ein Treppenlift eingebaut werden. „Viele ältere Leute scheuen einen Umbau und kommen dann aus ihrer Etagenwohnung nicht mehr heraus“, sagt er. Dann reduzierten sich die sozialen Kontakte auf den Pflegedienst und den fahrbaren Mittagstisch. „Wie im Gefängnis.“

Pintscher informiert Noll über die drei Wege zu einer 24-Stunden-Betreuung. Von der eigenen über die Arbeitsagentur Bonn vermittelten Angestellten, was natürlich viel Papierkram mit sich bringt, über die von Agenturen entsandten Kräfte, die sich die administrativen Leistungen aber teuer bezahlten lassen. Kosten: 2500 bis 4000 Euro pro Monat. Und dann sind dann noch die Agenturen, die Helfer aus Osteuropa im drei-Monats-Rhythmus vermitteln. „Ohne Frau L im Hintergrund, die er gut kennt, würde mir das schwerfallen“, sagt Noll. Wichtige Voraussetzung: „Die Pflegekraft braucht eine abgeschlossenen Raum für sich“, so Pintscher. Sie könnte im Erdgeschoss, in die ehemalige Wohnung der Schwiegereltern, einziehen, so der Sohn.

Um die Pflegekraft etwas zu entlasten, könnte Noll von der Pflegekasse auch für 125 Euro im Monat haushaltsnahe Leistungen in Anspruch nehmen, eröffnet ihm Matthias Kolk vom Sozialen Dienst der Stadt Monheim: Jemand, der putzt, wäscht, bügelt, einkauft oder den zu Pflegenden betreut – allerdings deckt der Betrag gerade mal drei, vier Stunden pro Monat ab. Man könne die Leistungen aber über mehrere Monate lang ansparen. Möglicherweise käme dem 94-Jährigen jetzt zugute, dass er jegliche Hilfe bisher ablehnte.

Kolk führt auch die Möglichkeit eines Hausnotrufes an. „Den Auslöser gibt es in verschiedenen Varianten: als Halskette oder Armband.“ Der Notruf läuft dann entweder bei einer vorher benannten Person oder beim Anbieter des Hausnotrufsystems auf. Das hätte Noll indes bei seinem Schlaganfall nicht geholfen. Als sein Sohn ihn zum samstäglichen Fischessen abholen wollte, fand er den Vater in der Küche liegend. Über ihm, auf dem Herd, kochten die Kartoffeln. „Der Schlag kann nur 10 Minuten her gewesen sein.“ Also Glück im Unglück.

Jetzt ist Noll, selber schon pensioniert, erleichtert. „Ich fand das Gespräch ausgesprochen produktiv. Ich wusste nicht genau, was es alles an Hilfestellungen gibt.“

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