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Monheim Citymanagerin: Einkaufen muss ein Erlebnis sein

Monheim Citymanagement : Citymanagerin: Einkaufen muss Erlebnis sein

Carolin Wulke, die zuletzt die niedersächsische Nordsee touristisch vermarktet hat, ist neue Teamleiterin des Citymanagements.

Soll Monheim sich eher dörflich-idyllisch oder urban-fortschrittlich ausrichten? Wie viel Einzelhandelsfläche kann die Kaufkraft der hier lebenden Menschen abdecken? Soll der Handel nur Güter des täglichen (Nahrungs- und Genussmittel, Putzmittel), und mittelfristigen Bedarfes (Kleidung, Schuhe) bieten oder auch Dinge, die man nur selten anschafft oder eine größere Investition bedeuten? Welche Ziele also soll das Citymanagement verfolgen? Eine strategische Konzeption soll die neue Teamleiterin des Citymanagements, Carolin Wulke, auf den Weg bringen. „Dabei sollen die örtlichen Händler natürlich mit einbezogen werden“, sagt sie. Neue Erkenntnisse in Hinblick auf Einkaufszufriedenheit und ungestillte Konsum-Bedürfnisse erhofft sie sich von der Händler- und Passanten-Befragung, die die IHK am 1. April in Monheim vornimmt.

„Die Punschpunkte-Aktion im Advent hat auf jeden Fall gezeigt, dass die Monheimer sich stark mit ihrer Stadt identifizieren“, sagt die aus dem Ruhrgebiet stammende Geographin. Diese Treue sei unentbehrlich, wenn man die örtliche Kaufkraft binden wolle. Hierzu habe auch die Plattform „Monheimer Lokalhelden“ beigetragen, mit der sich der Monheimer Konsument einen Überblick über das örtliche Angebot verschaffen könne. „Zwar bieten die Händler inzwischen auch einen Online-Verkauf an, unser Ziel ist jedoch, die Monheimer an die Innenstadt zu locken,“ sagt Wulke. Das funktioniere vor allem dann, wenn der Besuch auch ein besonderes Einkaufserlebnis verspreche. Diesem Ziel abträglich ist natürlich, dass das Rathauscenter derzeit großflächig entmietet wird, um es ab Ende 2020 umzubauen zu können. Nur die Ankermieter Aldi und Rossmann bleiben während der zweijährigen Umbauphase vor Ort.

Unterdessen helfen aber die vom Citymanagement mit organisierten Feste, die Innenstadt zu beleben. Das Frühlingsfest am 26. April wird unter dem Ländermotto Spanien stehen – also Musik und Küche mit mediterranem Lebensgefühl durchdringen. Als durchgängige Themen blieben dem Fest Mode, Sport und Mobilität erhalten. „Wir beziehen auch hier Vereine und Gruppen mit ein, um die Identifikation zu stärken. Anderswo wird die Organisation komplett an externe Dienstleister vergeben“, so Wulke, die zuletzt Tourismusmarkting für die niedersächsische Nordsee verantwortet hat. Insgesamt blickt sie auf 22 Jahre Destinationsentwicklung zurück. Künftig soll auch die Tourismusförderung in Monheim stärker mit dem Citymanagement verknüpft werden. „Das Marketing soll stärker das Gesamtbild bewerben, weil beide gleichermaßen zum Image der Stadt beitragen“, erklärt Wirtschaftsförderer Thomas Zitzmann.

Wulke, die im Sommer von der Waterkant in ihre Wahlheimat Köln zurückziehen wird, freut die Experimentier- und Risikofreudigkeit der Verwaltungsspitze: „Projekte, wie der autonome Bus oder der Gratis-ÖPNV, erregen viel Aufmerksamkeit.“ Davon könne auch der örtliche Einzelhandel profitieren, der sich gegen die Konkurrenz in umliegenden Städten behaupten muss. „Das kann man akzeptieren oder mit einem eigenen attraktiven Angebot versuchen, mitzuhalten“, sagt die 48-Jährige. Wo die Monheimer kaufen, wenn sie ihr Geld auswärts ausgeben, soll auch Bestandteil der Passanten-Befragung sein.

Wie sehr die örtlichen Händler nach Informationen und Austausch dürsten, zeigte das Neujahrsfrühstück mit dem Handelsverband NRW in Monheim, an dem 80 bis 100 Akteure teilnahmen. Der Verband hat vier Digitalcoaches eingestellt, um die Händler darin unterstützen, ihren Weg in die digitale Welt zu finden. Dass die Lokalhelden-Plattform auch für Dienstleister und Gastronomie geöffnet wurde, begrüßt Björn Musiol, Regionalleiter Kreis Mettmann, ausdrücklich. Überhaupt sei die Stadt in punkto Netzwerkbildung vorbildlich.