Monheim Brücke in die Römerzeit

Baumberg : Monheims Brücke in die Römerzeit

Das Museum in Haus Bürgel bietet Einblicke ins antike Militärwesen und Alltagsleben. Die meisten Funde stammen aus dem Erdreich drumherum.

Das ehemalige Römerkastell Haus Bürgel könnte ab 2021 als Teil des römischen Grenzwalles Limes in den Rang eines Weltkulturerbes aufrücken. Bis dahin soll der historische Gutshof nach dem Willen der Stadt zu einem touristischen Glanzlicht ausgebaut werden. Das 2003 im Herrenhaus eröffnete Römische Museum gibt nicht nur Auskunft über das Bau- und Bodendenkmal Haus Bürgel, es beherbergt auch zahlreiche Funde aus der Zeit der römischen Militärbesatzung, die bei Grabungen in den 1990er Jahren zutage gefördert wurden.

Warum hingehen? Die Geschichte von Haus Bürgel reicht bis ins erste Jahrhundert nach Christus zurück, das belegen Funde aus 90 Brandgräbern der damaligen Siedlungsstätte: Krüge, Becher und andere Alltagsgegenstände, die den Toten auf ihre Reise in den Hades mitgegeben wurden. Erst im 4. Jahrhundert errichteten die Römer das Militärkastell am linken Rheinufer, das wegen einer Rheinverlagerung im 14. Jahrhundert – als einzige der Limesfestungen – nun rechtsrheinisch liegt. In den Räumen in der Südwest-Ecke des Hofes kann man die römische Bautechnik anhand des Originalmauerwerkes studieren: Der Raum zwischen den aus Tuffstein gemauerten Außenschalen wurde mit Mörtel und Bruchsteinen aufgefüllt, Ziegelbänder dienten als Klammern. Dort hat der Verein IG Urdenbacher Kämpe als Museumsbetreiber Nachbildungen eines Skorpios, einer Art Armbrust, einer Getreidemühle und eines Plattbodenschiffs ausgestellt. „Hier haben wir unsere Exponate zum Anfassen und Ausprobieren, das ist besonders für Kinder spannend“, sagt der Vereinsvorsitzende Manfred Klein.

Andere interessante archäologische Funde sind das Kastellbad mit Kalt- und Warmwasserbecken oder der Schatz aus 139 Münzen, den ein Soldat in einem Abwasserkanal versteckt und vergessen hat. Das Museum zeigt auch ein Stück gelungene Integration: Zunehmend dienten Germanen im römischen Heer, so dass sich die Römer mit ihrer Ausrüstung anpassten: Sie legten ein Kettenhemd an, schützten sich mit Hosen gegen die Kälte und trugen runde Schilde – die Schildkrötenformation mit den Rechtecken war im Wald ohnehin kaum hinzubekommen.

Das Museum ist zwar klein, bietet aber beispielhaft Einblicke in das römische Militärwesen und Alltagsleben. Ein passender Einstieg in die Geschichte. Gerade Kinder werden nicht überfordert. Zudem stammen die meisten Exponate aus der Heimaterde ringsum.

Wen trifft man dort? Das Museum zieht vor allem Besucher aus dem Raum Düsseldorf und dem Kreis Mettmann an, sagt Geschäftsführerin Heike Rieger. Gruppenführungen organisiert die IG Urdenbacher Kämpe. Vor allem an Grundschulen wendet sich der Verein mit einer Vielzahl von Veranstaltungen, die den Kindern die Schule in der Antike, römische Spiele, Mosaiklegen oder das Schmieden nahebringen. Auch in den Oster- und Herbstferien wartet das Museum mit Mitmachaktionen für Kinder auf, wie Münzgießen oder Archäologie. Dazu kommen Fachvorträge etwa über die Wirtschaft im Alten Rom, die Germanen der Spätantike oder Bestattungsriten, die neben einem gewissen Stammpublikum auch andere interessierte Bürger anziehen.

Was gibt es sonst noch da? Wer den Innenhof der Hofanlage betritt, fühlt sich in einen landwirtschaftlichen Betrieb der 60er Jahre versetzt: Auf dem Misthaufen scharren Hühner, dahinter wartet geduldig ein angebundenes Kaltblut. Pächter Herbert Reuter sorgt mit seiner Kaltblutzucht nicht nur für das idyllische ländliche Flair, er ergänzt die Veranstaltungen auf Haus Bürgel, wie den Tag des offenen Denkmals, mit Planwagenfahrten. Die Biologische Station bietet ein umfangreiches Programm mit vielen naturkundlichen Exkursionen, angeführt durch ausgebildete Auen-Begleiter, und der herbstlichen Apfelernte auf den Streuobstwiesen an.