Monheim Baumberg Schunkelndes Bürgerhaus

Monnem helau : Hausgemacht schmeckt Karneval am besten

Das „Schunkelnde Bürgerhaus“ ist ein Glanzlicht der Session. Statt auf Importe von auswärts setzt der Arbeitskreis Baumberger Karneval auf eigene Herstellung.

Im Karneval, da darf man den Mund ruhig mal etwas voll nehmen. „Der Name Baumberg bleibt, bis dass die Welt vergeht“, klingt ein Lied durch den Saal. Im „schunkelnden Bürgerhaus“ feiert das einstige Hippe- und Fischerdorf am Rhein den Fasteleer. Und Karnevalsmuffel dürfen ihre Vorurteile gern daheim lassen. Nix Liedtextfetzen aus betrunkener Kehle, nix alte Herren in gestriegelten Militäruniformen preußischer Art, nix frivol beäugte Häschen. Sondern hausgemachter Karneval mit dankbarem Publikum.

Da ist zum Beispiel Doris Reichert, eine äußerst sympathisch und eloquent daherkommende Dame aus Benrath, die – halb aufgeregt, halb in sich gekehrt – mit bayrischer Tracht behütet im Bürgerhaus sitzt und auf den Auftritt ihrer Schwester wartet. Diese tanze nämlich schon seit vielen Jahren Line Dance in der lokalen Dorfgarde, erzählt Doris Reichert mit leicht stolzem Unterton, zieht den Vergleich zu ihrem Benrather Schützenverein und fügt hinzu: „Ich finde es gut, wenn sich die unterschiedlichen Brauchtümer unterstützen.“

Da sind aber auch die drei jungen „Kirchgängerinnen“ von St. Dionysius der Katholischen Frauen Deutschland. Vanessa, Olivia und Elisabeth gehen hinter der Bühne in ihren authentischen Abba-Kostümen selbstbewusst und so gar nicht schüchtern konzentriert letzte Choreographieübungen durchgehen. Sie seien, sagt Olivia, vom veranstaltenden Arbeitskreis Baumberger Karneval (ABK) gebeten worden, eine flotte Nummer aufs Parkett zu schwingen. Einige Minuten später heizen die drei Messdienerinnen von St. Dionysius den Baumberger Flamingos, Matrosen und Hippies zu den Rhythmen von „Waterloo“, „Take a chance on me“ und „Dancing Queen“ so richtig ein. Der Saal tobt. Und da sind noch ein Hitdorfer Prinz und eine Monheimer Prinzessin. Er, der Kölner Jung und hauptberufliche Hauptmann, trinkt lässig eine Tasse Kaffee im grellen Neonlicht des Backstageraumes und steht Rede und Antwort. Auf die Frage hin, wie er denn die Entwicklung des rheinischen Straßenkarnevals der letzten Jahre wahrgenommen habe, gibt er sich nachdenklich, kritisch und optimistisch zugleich: „Oft verstehen Außenstehende den Sinn des Karnevals falsch und inszenieren ein Saufgelage.“ Er sei sich jedoch sicher, dass Brauchtum und Tradition auch in Zukunft von Generation zu Generation im Sinne des ursprünglichen Karnevalgedankens weitergegeben werden. Auftritte wie die im Bürgerhaus nähren diese Gewissheit: Ob die Tanzeinlagen von Baumberger Dorfgarde, Hippegarde, Kin Wiever oder Monheimer Altstadtfunken, ob Comedy der 109er Action Crew, der Boomberger Jungs oder der Truppe Non plus Ultra vom BTSC oder ob Gesang von „Dolleck und Bolleck“ – jeder Programmpunkt hat sein „Dree mol Boomberg helau!“ verdient.

Die Türen öffnen sich, frische Luft tut gut, das denkt sich wohl auch Heike Klenner, und so steht die diesjährige Monheimer Karnevalsprinzessin etwas verloren im Baumberger Abend und zieht eine gewaltig positive Bilanz: „Die Session ist noch viel besser, als mein Mann und ich es uns je erträumt haben.“ All die glücklichen Augen der Kinder in den Nachmittagsbetreuungen und das Lachen der manchmal vergessenen Alten in den Seniorenheimen, das seien für sie die schönsten und sinnstiftendsten Momente des Karnevals.

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