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Monheim Ballschule hilft den Jüngsten auf die Sprünge

Bildung und Gesundheit : Ballschule hilft den Jüngsten auf die Sprünge

Die Sportler Christian Wunder und Alex Schürmann bieten in Monheim ein Bewegungsprogramm für Kitas und Grundschulen an.

Die vierjährige Mia balanciert über den niedrigen Balken und wirft gekonnt mit gestreckten Armen einen Ball in den Basketball-Korb vor ihrer Nase. Der dreijährige Tom schafft das Balancieren prima, trifft den Korb aber nicht. „Kein Problem, wäre ja bald drin gewesen. Probier‘ doch sofort noch mal“, motiviert Christian Wunder den kleinen Jungen. Und der stellt sich sofort wieder für einen neuen Wurf an. An diesem Tag werden die Drei- und Vierjährigen in der Kita an der Robert-Koch-Straße in Monheim 45 Minuten lang von zwei netten jungen Männern der „Ballschule Rheinland“ zu Bewegung ermuntert.

Sie sollen turnen, laufen, klettern, balancieren, Hockey mit der Schwimmnudel spielen und sich im Basketball üben. Das alles spielerisch und ohne Druck. „Hier wird aber nicht nur Ball gespielt“, sagt Alex Schürmann. Der 28-Jährige ist staatlich geprüfter Tennislehrer. Sein Kompagnon Christian Wunder (34) hat Sport, Gesundheit und Prävention studiert. Der Umgang mit einem guten Dutzend Kita-Kindern macht den Sportlern offensichtlich Spaß. Die Kleinen sind eifrig bei der Sache, werfen in einen fahrenden Wagen Tennisbälle, rollen und werfen sich Bälle zu und sind so aktiv, dass die Ersten schon ins Schwitzen kommen.

„Im Pullover wird es mir jetzt aber langsam zu warm“, sagt Mia. Ein gutes Zeichen. Genau das ist es, was die beiden jungen Sportler mit ihrem Konzept der Heidelberger Ballschule wollen: die Motorik, Kondition und Koordination der Kinder schulen. „Konnten 1975 noch 90 Prozent aller Kinder problemlos rückwärts laufen, waren es im Jahr 2000 unter 20 Prozent“, sagt Schürmann. „Die Kinder wollen das zwar alle, aber die meisten kippen dabei um.“ Das sei kein Wunder, denn die Kultur der Straßenspiele und des freien Bewegens in der Natur gebe es heute kaum noch. Kletterten frühere Generationen als Kinder noch auf Bäume und bauten draußen Buden, rannten, fielen hin und standen wieder auf, sitzt der Nachwuchs heute zu oft am Handy oder vorm Fernseher. „Und nicht alle Eltern haben Zeit, mit ihren Kindern in den Sportverein zu gehen“, sagt Alex Schürmann. Das Ergebnis sind gesundheitliche Probleme. „Rückenschmerzen und Fußfehlstellungen gibt es schon im Kindergarten-Alter“, sagt Schürmann.

Zwei Jahre haben die jungen Männer an einem Konzept nach Vorlage der Heidelberger Ballschule gearbeitet. Fünf Kitas aus Monheim haben ihr Interesse bekundet. Denn was die Erzieher nicht schaffen, sollen die beiden „sportverrückten“ jungen Männer mit ihrem Angebot erreichen. Gerne würde sie auch in Grundschulen gehen. Das Equipment bringen sie fürs Erste mit. Beide haben außer der Schulung bei der Heidelberger Ballschule Erfahrungen im Unterrichten von Kindern. Schürmann mit seiner Tennisschule beim TC Grün-Weiß in Langenfeld. Und Christian Wunder als Fußball-Jugendtrainer beim 1. FC Monheim. Außerdem sind beide selbst Papas.

Die Bewegungsspiele an diesem Morgen sind eingebettet in kleine Geschichten, bei denen man Fische sammeln und in schwankende Boote werfen muss. Mit einfachen Mitteln sollen die Mädchen und Jungen den Spaß an der Bewegung lernen. Mit Bechern Tennisbälle zu fangen und sich im Affenzahn durch Kriechtunnel zu winden erfordert schon einiges an Geschicklichkeit. „Die Sportlichkeit der Kinder nimmt leider immer weiter ab“, sagt Schürmann. „Wir wollen dagegenarbeiten. Das ist uns ein Anliegen.“ Die Ballschule der beiden beschränkt sich derzeit auf drei Altersgruppen: Baby-Ballschule für die Spanne anderthalb bis drei Jahre, Mini-Ballschule (drei bis sechs) und eventuell auch eine Ballschule für Grundschulkinder von sechs bis zehn.

Die kleine Rasselbande sitzt mittlerweile mit roten Bäckchen auf dem Boden und wirft sich Bälle zu. Die Kinder sind konzentriert bei der Sache, auch wenn sich schon erste Anzeichen von Müdigkeit einstellen. Es hat ihnen Spaß gemacht. Zwischen dem überwiegend weiblichen Kita-Personal machen sich Männer als Ansprechpartner für den Nachwuchs sicher auch mal ganz gut.