Monheim Auf Grundlage des Schulmonitorings hat die Stadt die Weichen für einen Umbau der Schullandschaft gestellt.

Monheim : Ohne die Hitdorfer geht es nicht

Kaum lagen die Ergebnisse des Schulmonitorings im Mai 2018 vor, wurden die Weichen für den Umbau der Monheimer Schullandschaft gelegt.

Bildung ist seit jeher das beliebteste Experimentierfeld der jeweiligen NRW-Landesregierungen. Die Korrekturen, die Schwarz-Gelb an der bisherigen rot-grünen Bildungspolitik vorgenommen hat, werden auch in Monheim die Schullandschaft einmal mehr spürbar verändern: das Scheitern des Experiments Sekundarschule und die Rückkehr zu G 9. Geleitet durch das strategische Ziel der Chancengleichheit greift auch der örtliche Schulträger, die Stadt Monheim, mit viel Gestaltungswillen in die Schulgemeinden ein. Dazu gehört nicht nur die Festlegung der Zügigkeit einer Schule sondern auch die bereits ab 2019/20 greifende Reduzierung der Klassengrößen. „Damit soll nicht nur die individuelle Förderung verbessert werden, es lässt auch mehr Raum für innovative Unterrichtsformen“, erklärt Simone Feldmann, Leiterin des Fachbereichs Jugend und Familie.

Aus den bildungspolitischen Entscheidungen vom September 2018 gingen zwei Schulen als Gewinner hervor: das Otto-Hahn-Gymnasium und die neue Gesamtschule am Berliner Ring. Die Gesamtschule entsteht auf den Trümmern der Sekundarschule, die nach dem Schülerdatenmonitoring von Dr. Garbe 2018 nur noch 35 Anmeldungen hatte. Die Mehrzahl ihrer Schüler rekrutierte sich aus abgewiesenen Schülern der Peter-Ustinov-Gesamtschule. Aus der daher sehr theoretischen Trendprognose von Dr. Garbe für diese Schule für eine weiterhin stabilen Vierzügigkeit wurde das Potenzial für eine Gesamtschule abgeleitet, die für ihre Eingangsklasen mindestens 108 Schüler (davon acht mit Förderbedarf) benötigt, damit 42 Schüler – die im Gesetz vorgesehene Mindestgröße – die gymnasiale Oberstufe erreichen können.

Eine weitere – angesichts der Sozialstruktur Monheims mehr als erstaunlich Größe – auf der die Gründung der zweiten Gesamtschule basiert: Der Anteil von Schülern, die das Fachabi oder die Allgemeine Hochschulreife erwerben, liegt mit über 50 Prozent höher als im Kreisdurchschnitt. Dazu tragen auch entscheidend auswärtige Schüler bei, deren Anteil am Otto-Hahn-Gymnasium mit ca 26 Prozent recht hoch ist. (für das aktuelle Schuljahr sind es 52 von 184). Bürgermeister Daniel Zimmermann hat in den Diskussionen um einen weiteren Schulstandort in Baumberg wiederholt betont, dass die Schüler aus Hitdorf unverzichtbar seien, um genügend Schüler für drei Oberstufen zu haben. Die Intelligenzija von außerhalb ist also eine unverzichtbare Größe.

Ein unerklärliches Versäumnis bleibt dennoch, dass man trotz der geballten Expertise in Gestalt von Heinz Gniostko, der einst für die Bezirksregierung den Aufbau der Sekundarschule begleitet hatte, nicht gewusst hat, dass man eine bereits ausgebaute Sekundarschule nicht in eine Gesamtschule umwandeln kann. Das Ergebnis: Wieder einmal drei Schulen nebeneinander an einem beengten Standort.

Eine Ungereimtheit, die die Trendprognose von Dr. Garbe enthält, wurde bereits von Ralf Sänger, dem Leiter der Peter-Ustinov-Gesamtschule, bemängelt. Obwohl die Schülerzahlen zumindest bis 2023 nur für sechs Züge reichen, wird das OHG künftig auf sieben Züge festgelegt, die PUG dagegen auf sechs, obwohl die Prognosen sieben zulassen. Dies wird mit den Umbauarbeiten am PUG begründet, obwohl auch am Berliner Ring gewaltige bauliche Umwälzungen stattfinden sollen. Nur 15 Prozent seiner Schüler hätten eine (eingeschränkte) Gymnasialempfehlung, also weit entfernt vom idealtypischen Drittel für die nötige Leistungsheterogenität, kritisiert Sänger.

Seine Befürchtung, mit der Rückkehr des OHG könnte er weitere leistungsstarke Schüler verlieren, hat sich vorerst nicht bewahrheitet: „Bisher haben sich keine großen Veränderungen gezeigt, das kann sich aber noch ändern“, sagt er. Er habe auch deutlich weniger Schüler als früher ablehnen müssen, lediglich drei statt 15 bis 30. „Es sind ab diesem Schuljahr aber eben auch insgesamt zwei Klassen mehr verfügbar“, erinnert er. Die Übergangsquote zur gymnasialen Oberstufe betrage in seiner Schule gut 60 Prozent. Ein hoher Prozentsatz an Schülern mit einstiger Hauptschulempfehlung macht also Abitur. Die Stadt fühlt sich in ihrer Planung durch den Elternwillen bestärkt: „Die angebotenen Schulplätze an beiden Gesamtschulen wurden in gleicher Höhe nachgefragt“, berichtet Simone Feldmann.

Die Siebenzügigkeit des OHG wird mit der Reduzierung der Klassengrößen auf 29 Schüler und dem Verlust von gut 20 Quereinsteigern der Sekundarschule ab dem Schuljahr 2023 begründet (wenn diese Schule ausgelaufen ist). „Das bedeutet einen Verlust von 2,5 Lehrerstellen“, hat Schulleiter Hagen Bastian errechnet. Er räumt allerdings ein, dass drei Viertel der Quereinsteiger in der Oberstufe aus Realschulen in Langenfeld, Düsseldorf-Süd oder Leverkusen kommen (siehe Infobox). Wenn allerdings in den Jahren 2024 und 2026 besonders geburtenstarke Jahrgänge in die weiterführenden Schulen drängen, stellt sich für Dr. Garbe die Frage, ob dann nicht auswärtige Schüler abgewiesen werden müssen.

Simone Feldmann ist Bereichsleiterin Kinder, Jugend und Familie. Foto: Staschik, Olaf (ola)/Staschik,Olaf (ola)

Die Begrenzung der Klassenstärken auch in den Grundschulen ab 2020/21 begrenze auch den Elternwillen und könne zu einer Klagewelle führen, mutmaßt Alexander Schumacher (SPD). Da die Zügigkeit der sehr beliebten Schule am Lerchenweg auf drei Züge begrenzt wird, müssten Schüler an die Hermann-Gmeiner-Schule verwiesen werden. „Die Eltern haben ein Interesse an möglichst kleinen Klassenstärken widerspricht Simone Feldmann. Für die Hermann-Gmeiner Schule sei perspektivisch ein Ausbau auf eine Vierzügigkeit geplant. Bezüglich der von Garbe prognostizierten Unterversorgung in Monheim, wo in den Jahren 2020 und 2022 zwei Klassenräume fehlen werden, befinde man sich verwaltungsintern in Abstimmungsprozessen, so Feldmann.

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