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Monheim „Als Neuling ist man zurückhaltend“

Neu im Rat : „Als Neuling ist man zurückhaltend“

Melissa Dilara Ergen ist eine der neuen Frauen im Rat, die eine besondere Funktion übernommen haben. Sie gehört der Peto an und ist Vorsitzende des Integrationsrates. Wir stellen sie vor.

Sie ist mit ihren 22 Jahren wohl eine der jüngsten Mitglieder im Monheimer Stadtrat. Und sie sitzt im ersten Anlauf dem Integrationsrat vor. Melissa Dilara Ergen ist vor zwei Jahren Mitglied der Peto geworden und gleich zur Kommunalwahl angetreten. Ihren Wahlbezirk im Berliner-/Musikantenviertel hat sie gewonnen.

„Mein Bruder hat mich und zwei Freundinnen mit zu einem Peto-Treffen genommen“, beschreibt sie ihren Weg in die politische Welt. „Ich war vorher schon Fan der Peto“, berichtet sie. Und weil der Einstieg so unkompliziert und freundlich war, ist sie gleich geblieben. „Wir wurden sofort einbezogen, zu Parteitagen und Fraktionssitzungen eingeladen“, umreißt die Anglistik-Studentin, die derzeit in England studiert, ihre Eindrücke. Und dann kam die Frage, ob sie sich nicht zur Kommunalwahl aufstellen lassen wolle. Sie wollte.

Ergen ist mit den Themen Integration und Klimaschutz angetreten. Viele Flyer hat sie verteilt, vor der Haustür und dabei viele Menschen aus ihrem Viertel kennengelernt und festgestellt: „Der Fokus liegt dabei auf einem selbst“, berichtet sie. „Da musste ich dann noch einmal über meinen Schatten springen.“ Auch habe sie sich selbst noch nie so häufig gesehen wie auf den vielen Wahlplakaten.

13 Mitglieder hat der Integrationsrat, dem sie nun vorsitzt. „Da ist viel Vorbereitung nötig“, sagt sie. In der ersten Sitzungsperiode nach der Wahl sei es Schlag auf Schlag gegangen. „So weit hatte ich gar nicht gedacht – nur bis zum Wahltermin am 13. September. Danach bin ich erst einmal für eine Woche nach England geflogen.“ Anfang November ist sie zurückgekehrt und hat viel Zeit in die Vorbereitung investiert, viele alte Sitzungen im Rats TV angeschaut, ist die Tagesordnung durchgegangen. Andere Parteimitglieder standen ihr zur Seite. „Wir haben einen Probelauf gemacht, es gab Tipps.“

Glücklicherweise habe es in der ersten Sitzung erst mal nur viele Regularien gegeben. Schwierig wurde es für sie erst, als die CDU sich nicht einig wurde und schlussendlich eine Sitzungsunterbrechung wollte. Danach sei alles glatt gelaufen.

Für Ergen ist Integration keine Einbahnstraße, kommt sie auf ihr Thema zurück. Sie vertritt die Ansicht, dass Menschen voneinander lernen, tolerant und offen miteinander umzugehen. Dazu möchte sie mehr Möglichkeiten schaffen. Ein konkretes Projekt, außer der Woche der Vielfalt im März, habe sie noch nicht. Aber man könnte etwa an den Moscheen zeigen, was gerade dort passiert. Sie folgt damit dem Peto-Ansatz, Moscheen aus den Hinterhöfen herauszuholen. Darüber hinaus ist sie der Ansicht, dass jede muslimische Gemeinde ein Recht auf eine eigene Moschee hat, so wie Christen evangelische und katholische Gemeinden bilden. Die oft geäußerte Kritik, verbunden mit dem Vorwurf, die Stadt habe den Gemeinden die Grundstücke geschenkt, kann sie deshalb nicht nachvollziehen.

Die Diskussionen zu vielen Themen in den Sitzungen findet sie oft ritualisiert. „Aber jeder steht für die Anliegen seiner Partei“, weiß sie und als Neuling sei man selbst ja eher zurückhaltend. Die Generalabrechnungen bei den Haushaltsreden haben sie allerdings punktuell schockiert. „Der Ton ist manchmal schwierig“, findet sie. „Doch das gehört offenbar dazu. Dann geht man raus aus der Sitzung – und kommt wieder runter.“