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Monheim Als die Amerikaner nach Monheim kamen

75 Jahre Kriegsende 1945 : Als die Amerikaner nach Monheim kamen

Nach der Überquerung des Rheins nahmen die Alliierten am 16. April Monheim ein.

Nach einer nun schon fast 75 Jahre währenden Phase des Friedens ist es nahezu unmöglich, sich die Lebensumstände der Bewohner der Rheingemeinden vor Augen zu führen, als für sie am 16. April 1945 mit dem Einmarsch der Amerikaner der Zweite Weltkrieg endete.

Zwei Monate zuvor, am 21. Februar, hatte Monheim einen schweren Fliegerangriff erlebt, bei dem die St. Gereons-Kirche und auch das Krankenhaus einen Volltreffer erhielten. Die Bomber hatten natürlich vor allem die Öltanks und Anlagen der Erdölraffinerie im Fadenkreuz. Acht Tage sollen sie gebrannt haben und der infernalisch rote Feuerschein habe ein Bild der Verwüstung beleuchtet, wie die Pfarrchronik St. Gereon berichtet. Bei dem Angriff starben mindestens 49 Menschen, insgesamt 174 Wohn- und Geschäftshäuser wurden zerstört. Die Gemeinden waren von Strom und allen Fernmeldekanälen abgeschnitten. Schuttberge versperrten alle Zugangsstraßen, nur die Opladener Straße war passierbar. Von der anderen Rheinseite ertönte ständiger Geschützdonner und kündete von der näher rückenden Front. Immer häufiger setzten fliehende deutsche Truppen über den Rhein und zogen durch das Dorf gen Osten.

„Das Dorf wird in Verteidigungszustand versetzt. In der Lottenstraße fährt Artillerie auf, Panzersperren blockieren die Zufahrt,….. MG und Gewehrstände in den Rheindamm hineingebaut“, heißt es in der Chronik von St. Gereon. Dennoch flohen die Bürger nicht, die meisten richteten sich in den Kellern ein, sie wollten bleiben und widersetzten sich damit auch dem Räumungsbefehl, den Gauleiter Florian am 29. März verkündet hatte.

Am 6. April stießen die vorrückenden amerikanischen Truppen noch einmal auf erbitterten Widerstand, als sie in Hitdorf, das damals zum Amt Monheim gehörte, über den Rhein setzen. Dieser erste Vorstoß war nicht nur für die Amerikaner verlustreich, bei dessen Abwehr sollen 200 Soldaten und Angehörige des Volkssturms, darunter viele Jugendliche, gefallen sein. Noch am 12. April gab der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Wilhelm Keitel den Befehl, die deutschen Städte bis zum äußersten zu verteidigen. Allen zivilen Amtsinhabern, die sich diesem Befehl widersetzten, drohte er mit der Todesstrafe. Aber dieser Befehl zur Nibelungentreue scheiterte indes schon an den Nachschubproblemen: So meldet der Wehrmachtsbericht für den Ruhrkessel, an dessen südlichen Ausläufern sich die Rheingemeinden befanden, am 15. April, dass die Munition ausgehe und Waffen fehlten. Der Kessel zog sich zu.

Die Ankunft der Amerikaner verbreitete sich zunächst als Gerücht: Amerikanische Panzer stünden auf dem Laacher Feld, bei den Spritwerken und in der Bleer Siedlung. Gegen 14.15 Uhr wurden die ersten amerikanischen Soldaten in Blee gesichtet. Von den Rheinwiesen her fielen einige Schüsse, dann wurden die wenigen verbliebenen deutschen Soldaten in die Gefangenschaft abgeführt.

Nachdem sie einige Häuser nach verschanzten Soldaten durchsucht hatten, setzten die amerikanischen Truppen ihren Vormarsch auf Monheim fort. Hier war man noch mit dem Verteilen einer Kaffee-Sonderration beschäftigt. Da hing am Rathaus schon die weiße Fahne. Um 15.20 Uhr stand der Alte Markt voller Fahrzeuge, die Amerikaner feuerten nach Wild-West-Manier in die Luft. Daraufhin wurden auch hier die weißen Fahnen gehisst.

Die letzten sechs Wochen hatten die Monheimer in Deckung der Keller ausgeharrt. Nun standen die Menschen  alle dichtgedrängt draußen. Der NS-Bürgermeister Josef Grütering, hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon nach Olpe abgesetzt. Er soll in den Wochen zuvor ohnehin nur noch volltrunken anzutreffen gewesen sein. Er hatte elf Jahre lang mit unerbittlicher Härte im Sinne der NS-Regimes geherrscht.

Bereits Ende März hatte Dr. Reinfried von Baumbach, der Landrat des Rhein-Wupper-Kreises, Franz Bambeck zum kommissarischen Bürgermeister ernannt. Noch am Tage der Besetzung, am 16. April 1945, erließ er ein Ausgehverbot und forderte die Bevölkerung zur Abgabe aller Waffen auf. Tags darauf verpflichtete er alle Bürger zur „Notstandsarbeit“. Die Männer sollten die Wegesperren beseitigen und das dazu verwendete Holz zur Wiederverwertung sorgfältig auf dem Schulhof stapeln. Jeder Bürger sollte vor seinem Hause den Schutt von der Straße räumen und damit den nächsten Bombentrichter befüllen. Dabei sollten die Jungen und Gesunden solidarisch diese Aufgabe von den Alten und Kranken übernehmen. Insgesamt habe sich das Verhältnis der Besatzer zur deutschen Bevölkerung unproblematisch gestaltet, schreibt der Historiker Karl-Heinz Hennen: Man habe sich bemüht, sich durch ein respektvolles, nicht selten unterwürfiges Verhalten eine bessere Behandlung zu verdienen, sich den neuen Herren angepasst und ihnen das Leben so angenehm wie möglich gemacht.

Dennoch verlangte dies der Bevölkerung auch schmerzliche Opfer ab: Trotz der eklatanten Wohnungsnot wurden die Häuser und Wohnungen von 29 Bürgern als Soldaten-Unterkunft beschlagnahmt. Dies betraf vor allem die Anwohner der Turmstraße, der Freiheit, der Lotten- und der Krischerstraße sowie weitere Wohnungsinhaber in Baumberg und Hitdorf. Die Amerikaner waren schließlich nicht als Befreier, sondern als Besatzer eines „besiegten Feindstaates“ gekommen, hob eine Direktive des amerikanischen Stabschefs vom 26. April hervor.

Im Zuge einer vorgezogenen Entnazifizierung wurden Beamte und Angehörige der Verwaltung ihrer Ämter enthoben. Es wurde aber erwartet, dass sie unentgeltlich weiterarbeiteten, wie Landrat von Baumbach am 18. April verkündete. Schließlich müsste die Versorgung der Bevölkerung, vor allem aber der Besatzer sichergestellt werden. Ehemalige NSDAP-Mitglieder mussten sich sonntags zum Arbeitseinsatz melden. Wer sich drückte, dem drohte der Entzug der Lebensmittelkarte. Das hieß allerdings nicht, dass man ungestraft Nazi-Eigentum stehlen durfte. So wurden Bürger, die beschlagnahmte Möbel aus dem Parteiheim entwendet hatten, aufgefordert diese tunlichst zurückzugeben.