Monheim - 400.000 Euro für die Qualifikation von acht Flüchtlingen

Monheim : 400.000 Euro für acht Kursteilnehmer

Eine von der Stadt Monheim finanzierte Berufsqualifizierung für Asylbewerber stößt auf wenig Interesse.

 Von D. Schmidt-Elmendorff

Das Projekt löste vor gut einem Jahr im Stadtrat viel Skepsis und Kritik aus: Für 400.000 Euro wollte die Stadt Monheim motivierte Flüchtlinge mit Hilfe einer 18-monatigen Qualifizierung einen Zugang zum Arbeitsmarkt eröffnen. Kooperationspartner ist die Artech Consulting GmbH aus Köln, deren 25 Mitarbeiter zum Teil selber einen Migrationshintergrund haben. Den Vertretern von SPD und CDU war das zu viel Geld für zu wenige Nutznießer bei dem auf zehn Teilnehmer angelegten Projekt.

Tatsächlich nehmen bislang nur acht Flüchtlinge, die über einen Aufenthaltsstatus verfügen, teil. „Wir hatten mit mehr Bewerbern gerechnet“, räumt Dietmar Marx ein, Leiter der Abteilung Soziales im Rathaus. Und anders als dies damals angekündigt wurde, bringen die Kandidaten keine beruflichen Qualifikationen mit. „Voraussetzung war, dass diejenigen arbeiten dürfen und nicht gerade in einer Qualifizierung stecken, die dafür abgebrochen werden müsste“, so Marx. Alle Teilnehmer hätten aber einen Sprach- und Integrationskursus absolviert.

Im Januar hatte die Stadt alle in Frage kommenden Flüchtlinge zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Von diesen 58 Personen kamen 37. Am Ende stellten sich neun Kandidaten dem Eignungstest, von denen einer durchfiel. Am 12. März startete die Qualifizierung mit acht Teilnehmern. Bei der Artech Consulting GmbH, die als CAD-/PDM-Dienstleistungsanbieter vor allem für die Automobilbranche tätig ist, erhalten sie zunächst Grundkenntnisse in allem MS-Office-Programmen und CAD/PLM-Programmen. Anschließend werden sie in fünf Monaten zu den jeweils in Frage kommenden Berufen wie CAD-Konstrukteur oder technischer Zeichner ausgebildet. Danach folgt ein Praxiseinsatz bei Kooperationspartnern wie Siemens oder Ford. So der Plan.

Marx möchte gar nicht verhehlen, dass die Teilnehmer anfangs mit großen Sprachproblemen zu kämpfen hatten: „Einige konnten Deutsch schon gut verstehen, aber nicht sprechen.“ Manche Erklärung musste daher zunächst in der jeweiligen Muttersprache erfolgen. „Wenn diese Sprache zufällig nicht in der Belegschaft des Unternehmens vertreten ist, ist das Beratungszentrum mit Übersetzern eingesprungen“, so Marx. Mittlerweile hätten sich die Sprachkenntnisse aber so verbessert, dass der Unterricht auf Deutsch abgehalten werden könne.

Alle Teilnehmer seien von Anfang an mit Begeisterung bei der Sache. Die Sorge, die täglichen Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln, könnte sich als Motivationshemmer erweisen, habe sich nicht bewahrheitet. „Einer der Teilnehmer, ein vierfacher Familienvater, hatte noch nie mit einem PC zu tun. Er ist jetzt Klassenbester“, sagt Marx. Insgesamt seien sich die Vertreter von Artech sicher, dass alle Teilnehmer das anvisierte Zertifikat erhalten und erfolgreich in den Arbeitsmarkt vermittelt werden können.

„Das Projekt hat sich nicht bewährt, weil es diejenigen nicht erreicht, die es ansprechen soll – die gut qualifizierten Flüchtlinge“, sagt Lina Schlupp (vormals Kregel) von der Liste CDU im Integrationsrat. Es gebe immer mehr Flüchtlinge, die jetzt ordentliche Abschlüsse machten. Es sei daher künftig kein Bedarf mehr für ein Quereinsteiger-Projekt. Außerdem bleibe die CDU bei ihrer Kritik, dass das Projekt nicht in Monheim stattfinde.

Heute wird in der öffemtlichen Sitzung des Monheimer Integrationsrat ein Zwischenbericht gegeben.

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