Mit Dackel Nils beim Hundephysio

Tiergesundheit: Mit Dackel Nils beim Hunde-Physio

Der Mensch hat oft Rückenprobleme, wenn er älter wird. Der Hund auch. Tierphysiotherapeutin Svenja Watz sagt, was zu tun ist.

Nils muss erst mal schnuppern. Auf dem Boden und auf dem Behandlungstisch. Wenn man eine Nase hat wie ein Dackel, riecht es überall nach Hund. Und manchmal auch nach Katze. So ist das in einer Hunde- und Katzenphysiotherapie-Praxis. Nils weiß nicht, was er hier soll. Im Zweifel erst mal das Leckerli essen, das Tierphysio Svenja Watz ihm hinhält.

Der Mensch hat oft Rücken, wenn er älter wird. Der Dackel auch. Noch ist Nils ein junger Hund. Er ist sieben Monate alt.

Svenja Watz fühlt an seiner Wirbelsäule entlang. „Keine Verspannungen“, sagt sie. „Alles gut. So muss das sein bei jungen Hunden.“

Wenn Nils älter wird, kann es sein, dass er Probleme bekommt. Das liegt daran, dass der Dackel eine Wurst ist: Seine Wirbelsäule ist lang, die Beine sind kurz. Die Wirbelsäule ist stark belastet – das geht auf die Bandscheiben.

Im schlimmsten Fall bekommt Nils irgendwann „Dackellähme“. So die umgangssprachliche Bezeichnung für eine Wirbelsäulenerkrankung, etwa vergleichbar mit einer Querschnittslähmung beim Menschen. Nils hätte dann schlimme Schmerzen und Lähmungen an den Vorder- und/ oder Hinterbeinen.

Anders als es der Name vermuten lässt, bekommen nicht nur Dackel Dackellähme. Auch andere kurzbeinige Rassen sind anfällig – etwa Pekinesen, Spaniel oder Bassets.

Wir wollen nicht, dass Nils irgendwann nicht mehr laufen kann. Deshalb lassen wir uns von Svenja Watz in ihrer Langenfelder „Praxis Gelenkstark“ beraten: präventiv.

In die Praxis kommen viele mit Problemen, sagt Svenja Watz, aber auch viele, die sich beraten lassen. Nicht selten leben Patienten in anderen Städten – etwa in Düsseldorf, Hilden, Krefeld, Wuppertal.

Die Tierphysiotherapeutin sagt, man könne präventiv einiges tun. Zum Beispiel auf die Ernährung achten und ausreichend mit dem Hund spazieren gehen.

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Die Risikofaktoren seien wie beim Menschen: Übergewicht und zu wenig Bewegung, das begünstige Bandscheiben-Probleme.

Wir gucken Nils an. Wie viel Bewegung ist für diese Mini-Beinchen weder zu viel noch zu wenig? Die Therapeutin sagt, das hänge vom Hund ab, sei individuell. Ohne einen Hund gesehen zu haben, äußert sie sich ungern. Für Nils empfiehlt sie: „etwa viermal am Tag etwa 25 Minuten raus“. Vor allem aber müsse man ihn beobachten.

Zu wenig laufen kann schädlich sein. Zu viel auch. „Man muss immer auf den Hund achten.“ Wenn er zurückfällt, merke man, dass er müde wird. Weitere Tipps der Physiotherapeutin:

Kaltstart verhindern: Menschen sprinten nicht los, ohne sich warm zu machen. „Hunde sollten das auch nicht.“ Bevor es beim Toben richtig zur Sache geht: „warm machen und erst mal ruhig spazieren gehen“, rät die Expertin. Vom Ballspielen beziehungsweise Werfen rät sie übrigens generell ab. „Die Belastung für die Gelenke ist beim Stop-and-Go sehr groß.“

Treppen vermeiden Ein paar Stufen am Tag seien in Ordnung, sagt Svenja Watz. Es komme aber auch auf den Hund und die Treppe an. „Die Treppe darf nicht zu steil sein.“ Dass der Dackel von alleine die Treppe im Reihenhaus hochgehe, hieße nichts. „Hunde wollen dem Besitzer gefallen, sie machen auch Dinge, die nicht gut für sie sind.“ Zum Beispiel hinterm Rudel her in die obere Etage dackeln. Besser für ihn sei es, ihn hoch und runter zu tragen.

Richtig tragen Wer einen kleinen Hund trägt, sollte darauf achten, dass sein Rücken dabei gerade ist. Dafür den Hund so tragen, dass sich die Arme des Besitzers unterm Bauch des Hundes kreuzen. Er ruht dann mit geradem Rücken auf den Armen.

Orthopädisches Hundebett Solche Betten passen sich der Körperkontur des Hundes an. Das entlastet und beugt Gelenkproblemen vor.

Warm anziehen Wenn Muskeln und Gelenke warm sind, gibt es auch weniger Probleme. Die Physiotherapeutin rät bei Hunden mit Gelenkproblemen deshalb zum Hundemantel, wenn es draußen kühl ist. Obwohl Nils noch keine Probleme hat, wird er vermutlich auch so ein Jäckchen bekommen: Er geht nicht vors Haus, wenn es ihm zu kalt ist - und die kalte Jahreszeit, seine erste, kommt ja erst.