Langenfeld: Missbrauchsvorwurf: Eltern wollen Kita-Kraft zurück

Langenfeld : Missbrauchsvorwurf: Eltern wollen Kita-Kraft zurück

Vor sechs Monaten stellte die Stadt Langenfeld eine Erziehungsperson wegen "schwerwiegender" Missbrauchsvorwürfe frei. Zwei Monate nach Einstellung des Verfahrens ist die Kraft immer noch beurlaubt. Jetzt setzen sich Eltern mit Unterschriften für sie ein.

Der Handabdruck ist noch da. Im Kreativraum des städtischen Kindergartens hat die Erziehungskraft ihn auf einer weißen Fläche, nicht ganz so groß wie eine Schultafel, hinterlassen — so wie Kollegen und Kinder der Einrichtung. Farbige Handabdrücke, wenige große und viele kleine: ein buntes Bild aus Tagen, als die Kita noch nicht mit dem Verdacht leben musste, Tatort eines sexuellen Übergriffs gewesen zu sein. Das mutmaßliche Opfer: ein gerade vierjähriges Kindergarten-Kind. Der/die vermeintliche Täter(in): eine Erziehungsperson (im folgenden: NN).

Claudia Krulik (Name geändert) erinnert sich noch gut an jenen Donnerstag Anfang September. "Tags zuvor war NN noch da. Und dann lag da diese Benachrichtigung in den Zettelrollen für die Eltern: Eine Erziehungskraft sei abgezogen worden. Es bestünden schwerwiegende Vorwürfe gegen sie", erzählt die langjährige Kita-Mutter. Als klar wurde, um wen es sich handelte und um welchen Tatverdacht, sei sie aus allen Wolken gefallen. "NN und sexuelle Übergriffe? Niemals", sei ihr erster Gedanke gewesen.

Die Langenfelderin ist erleichtert, dass ihr Vertrauen seither auch juristisch nicht erschüttert wurde. Im Gegenteil: Das Ermittlungsverfahren gegen NN wegen des Verdachts des sexuellen Kindesmissbrauchs wurde Anfang Januar, vier Monate nach seiner Aufnahme, eingestellt. Außer der gerichtlich nicht verwertbaren Aussage des Kindes fanden sich laut Staatsanwaltschaft keine Indizien oder Beweise, die NN belastet hätten, weder durch Aussagen Dritter noch etwa auf der privaten Festplatte (die RP berichtete).

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In Claudia Kruliks Erleichterung mischt sich aber auch Sorge. Darüber, dass das Kind, das nun anderswo untergebracht ist, immer noch sexuellem Missbrauch ausgesetzt ist. "Es müssen ja Verletzungen vorgelegen haben, die den Tatverdacht begründeten. Das heißt für mich: Nicht NN, sondern jemand anderes hat sich an dem Kind vergangen", schlussfolgert die Langenfelderin.

Genauso sorgt sie sich aber auch um die beschuldigte Person: "Wie viele Monate, Jahre vielleicht werden vergehen, bis NN wieder als Erziehungskraft tätig sein kann? Wo wird NN unterkommen?"

Zugleich äußert sich die Kindergarten-Mutter wütend über das Vorgehen der Stadt: "Sie hat noch am Tag der Freistellung die Öffentlichkeit über den Verdacht informiert, statt ihn während der Beurlaubung zunächst einmal zu prüfen." Dadurch habe sie NN in die missliche Lage gebracht, nur schwer in den Kita-Beruf zurückehren zu können.

Tatsächlich ist NN bis zum heutigen Tag, zwei Monate nach Einstellung des Ermittlungsverfahrens, beurlaubt. Deshalb haben Krulik und weitere Kita-Mütter Unterschriften gesammelt und im Rathaus übergeben. Unter dem Motto "In dubio pro reo?" ("Im Zweifel für den Angeklagten?") haben den Initiatorinnen zufolge 88 aktuelle und ehemalige Kita-Eltern unterzeichnet: "Wir würden unsere Kinder NN jederzeit wieder anvertrauen", lautet laut Krulik die Kernaussage des Appells. Von den 88 Unterzeichnern hätten zirka 30 zurzeit ein Kind in der Einrichtung.

Dass noch mehr n i c h t unterschrieben haben, dürfe nicht als Misstrauensvotum verstanden werden: "Natürlich haben nur diejenigen unterzeichnet, die NN so gut kennen, dass sie glaubwürdig ihre Hand für NN ins Feuer legen würden. Wir kennen aber niemanden, der sich negativ über NN geäußert hätte", betont Krulik.

Wie also geht es mit NN weiter? Die Stadt lehnt eine Stellungnahme hierzu vorerst ab. Die elf Fragen, die die RP ihr gestern stellte, beziehen sich laut Stadtsprecher Andreas Voss auf ein "laufendes arbeitsrechtliches Verfahren, zu dem die Verwaltung keine Aussagen treffen kann".

Hier geht es zur Infostrecke: Wie entdeckt man, ob ein Kind missbraucht wird?

(RP/top)
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