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Interview mit Frank Nickel: Meinen Freund, den Baum, umarmen

Interview mit Frank Nickel : Meinen Freund, den Baum, umarmen

Der Landschaftspfleger Frank Nickel bietet am Mittwoch, 8. Oktober, ab 10 Uhr eine sinnliche und kreative Wanderung um Haus Bürgel an. Wir haben vorab mit ihm gesprochen.

Herr Nickel, beim Spazierengehen in der Natur entspanne ich doch quasi automatisch. Warum brauche ich dafür Ihre Unterstützung?

Nickel Die Frage ist zunächst: Wie oft geht man überhaupt raus? Das passiert meistens viel zu selten. Erwachsene und Kinder haben viel zu viel Zeit mit Aktivitäten verplant, die drinnen stattfinden. Im Winter begeben sich Familien dann noch weniger ins Freie. Wann spielen Kinder eigentlich noch im Matsch? Erwachsene unterhalten sich beim Spaziergang oft über Probleme im Job und haben den Blick für die Schönheiten der Natur verloren. Sie gucken nicht nach rechts und links oder in den Himmel, sondern auf den Weg oder geradeaus. Dabei nehmen sie vieles gar nicht wahr. Zum Beispiel Wolken, die am Himmel ziehen oder fliegende Kraniche.

Sich spielerisch auf die Umgebung einlassen - Kindern gelingt es wohl doch immer noch leichter. Wenn man erwachsen ist, kostet das vielleicht große Überwindung . . .

Nickel Ja, genau. Erwachsene sind oftmals im Ganzen versteift. Auch ich muss mich manchmal auf das Spiel einlassen - obwohl ich in der Umweltbildung der Biologischen Station auf Haus Bürgel viel mit Kindern arbeitete. Durch das Spiel erfahre ich aber etwas über mich. Wichtig ist zunächst ein Wechsel der Perspektive, um die Natur anders zu erfahren. Es ist schön, all unsere Sinne dabei wach zu haben.

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Können Sie ein Beispiel geben?

Nickel Ja. Eine interessante Erfahrung kann die ,Baumbegegnung' sein. Das ist ein Paarspiel. Einem der beiden Teilnehmer werden die Augen verbunden. Der andere führt. Derjenige, der nichts sehen kann, soll einen Baum ertasten, die Rinde fühlen. Später soll er vom Ausgangspunkt den Baum mit offenen Augen wiederfinden, den er zuvor ertastet hatte. Jeder Baum hat eine andere Rindenstruktur mit Furchen und Rillen. Und jede Rinde ist unterschiedlich dick. Um das wahrzunehmen, benötigt man ganz viele Sinne. Unter anderem auch Gefühle. Das ist ein komplett neues Erleben und anders, als wenn ich einen Baum im Vorbeigehen nur ansehe.

Was kann mir die Natur vermitteln?

Nickel Die dreistündige Wanderung am 8. Oktober ist keine therapeutische Veranstaltung. Die Erfahrungen in der Natur können mir aber vielfältige Dinge geben, wenn ich mir nur die Zeit dafür nehme. Ich selber habe erst kürzlich beim Joggen die Herbst-Nebel über den Feldern als wunderschönen Anblick genießen können. Obwohl ich beim Vögelzählen oder für die Obstbaumpflege viel draußen bin, erlebe ich selber, wie verplant die Zeit im Alltag doch ist. Man sollte sich auf diese Freiräume ohne Handy und Uhr einlassen und sie pflegen. Dabei kann man die Landschaft im Detail wahrnehmen. Zum Beispiel sich auf die Suche nach seinem Lieblingsplatz machen. So etwas werden wir während des Seminars im Gelände um Haus Bürgel machen.

Wohin führt die Wanderung?

Nickel Das habe ich noch nicht festgelegt. Ich mache es vom Wetter an dem Tag und von den Teilnehmern abhängig.

Die Natur zeigt uns wie Pflanzen wachsen, aufblühen und verwelken. Das ist der Lebenskreislauf. Komme ich Gott draußen näher?

Nickel Mein Seminar hat keinen spirituellen Schwerpunkt. Aber im Großen und Ganzen hängt die menschliche Entwicklung untrennbar mit dem Naturkreislauf zusammen. Der Autor und Ethno-Botaniker Wolf-Dieter Storl hat Bücher unter anderem zum Thema ,Ich bin ein Teil des Waldes'geschrieben. Darin zeigt er die Verbundenheit der Menschen mit den Pflanzen auf. Wir gehören nun einmal zur Natur. Wir sind aus Fleisch, Blut und Wasser. Betrachtet man die komplexen Zusammenhänge auf der Erde, stellt sich für viele die Frage, wer hat sich diese Vielfalt ausgedacht?

An wen richtet sich das Seminar?

Nickel Es ist für Erwachsene gedacht. Familien mit Kindern können natürlich auch mitmachen. Die Teilnahme kostet 6,50 Euro pro Person. Teilnehmer melden sich bei der Volkshochschule Monheim, Telefon 2173 951743 oder www.volkshochschule.de an.

PETRA CZYPEREK STELLTE DIE FRAGEN.

(RP)