Martinsumzüge: Was braucht der Martin? Ein Monheimer Darsteller erzählt.

Brauchtum : Monheims Sankt Martin und sein Pferd

Rund um den 11. November finden wieder zahlreiche Laternenumzüge statt. Ein erprobter Darsteller aus Monheim mit Schimmel aus Langenfeld erzählt.

Bei der Mantelteilung haben die Darsteller von St.Martin und Bettler ihren großen Auftritt. Sie spielen ihre Rollen oft jahrzehntelang, ihre Familien haben sie oft über mehrere Generationen inne. Der Monheimer Peter Lohmann verkörpert den heiligen Martin bereits seit 1980. Damals trat er als 16-Jähriger in die Fußstapfen seines Vaters Hermann sowie seiner Onkel Theo und Peter Bamberg. „Ich musste ziemlich kurzfristig einspringen. Mein Vater war wegen der Rübenernte verhindert“, erinnert sich der Mittfünfziger.

Lohmann ist eigentlich Polizeibeamter bei der Düsseldorfer Verkehrspolizei. „Ich war früher bei der Reiterstaffel“, sagt der Sohn eines Pferdezüchters. Warm- und später Vollblüter habe der Vater gezüchtet und die drei Kinder haben die jungen Pferde ausgebildet und waren alle im Turniersport erfolgreich. Lohmann war Vielseitigkeitsreiter. – Was braucht der Martin? – Natürlich ein Pferd.

Die Lohmannsche Pferdezucht ist seit dem Tod des Vaters vor fünf Jahren Geschichte, aber unter Reitern kennt man sich und leiht sich auch schon mal ein Pferd. Der Monheimer fährt dazu nach Langenfeld auf den Hof Schnitzler-Küttelwesch (Hitdorfer Straße 54) und leiht sich bei Andrea Schnitzler den Schimmel Nicko aus: „Nicko ist ein tiefenentspanntes Pferd“, sagt Lohmann. „Nicko ist schon älter. Er ist Kutschpferd, nimmt an Schützenumzügen teil und an Martinsumzügen. Es ist, als ob man einen Chip einwirft, dann weiß er, was anliegt und läuft im richtigen Schritttempo.“

Lohmann trägt als Martin zwei verschiedene Kostüme: „Zuerst bin ich als Legionär verkleidet. Die Stiefel sind schon geputzt, die weiße Reithose frisch gewaschen. Dazu gibt es ein Legionärskostüm, einen Helm und ein Schwert.“ Der Legionär ist es ja, der mit dem Bettler auf dem Kirchplatz seinen Mantel teilt.“ Diese Mantelteilung, verrät der Martinsdarsteller, wird 26 bis 27 Mal wiederholt, damit alle Kinder im Zug sie sehen können. „Ein schwarz gekleideter Jungschütze bringt mir im Schutz der Dunkelheit den Mantel immer wieder vom Bettler zurück.“

Martinszug 2016 in Monheim. Peter Lohmann und Martinspferd Nicko bei der Arbeit. Foto: Matzerath, Ralph (rm-)

Seine zweite Verkleidung besteht aus „Bischofsmantel, Mitra und Bart. Wenn der Zug der Kinder am Feuer hält, reite ich voraus, steige ab, jemand von der Familie hält das Pferd und ich ziehe mich um.“

Dann wartet er im neuen Outfit auf die Kinder, die alle auf dem Weg zum Schulhof oder zu ihren Kitas an ihm vorbeiziehen. „An der Turnhalle der Astrid-Lindgren Schule wartet bereits der Pferdetransporter auf Nicko. Meine Frau lädt ihn dann auf und fährt ihn zurück zu seinem Stall.“Der große Martinszug durch die Monheimer Altstadt und Stadtmitte, seit 1977 organisiert vom St. Martin-Komitee Monheim, stellt sich am Freitag, 8. November, um 17 Uhr auf der Franz-Böhm Straße und der Turmstraße auf.

Der Umzug in Richrath ist der größte in Langenfeld. Foto: Matzerath, Ralph (rm-)

Gegen 17.15 Uhr geht es los. Dann zieht er über die Kapellenstraße zur Mantelteilung unterhalb von St. Gereon. Gegenüber auf dem Schützenplatz leuchtet das Martinsfeuer. Über die Kapellenstraße geht es dann wieder zurück Richtung Schulzentrum Lottenstraße. Wegen der Baumaßnahmen auf dem Schulgelände Astrid-Lindgren und Lottenschule findet dieses Jahr die Tütenausgabe der Kindergärten auf dem Parkplatz hinter dem FC Monheim statt. Die Schüler gehen weiter zur Lottenschule über Grabenstraße und Kradepohl zur Kirchstraße, um dort die Bischofsszene zu sehen. Auf dem Schulhof des Schulzentrums Lottenstraße werden schließlich die Martinstüten an die Schüler ausgegeben.