Monheim: Managerin jettet von Monheim um die Welt

Monheim : Managerin jettet von Monheim um die Welt

Antje Witte steht bei UCB der Investor-Relations-Abteilung vor und ist Projektleiterin des Creative Campus.

New York, Paris, London, Brüssel — Antje Witte leitet bei UCB, einem belgischen Pharma- und Biotechnologieunternehmen, die Investor-Relations-Abteilung und ist fast immer unterwegs, seitdem das Unternehmen den Hauptsitz nach Brüssel verlegt hat. "Ich besuche die Aktionäre, erkläre die Strategie und Finanzlage unseres Konzerns." Nur montags und freitags sitzt sie in ihrem Monheimer Büro, hoch oben im Creative Campus an der Alfred-Nobel-Straße. Von dort sieht sie nicht nur auf den Rhein, sondern hört bei geöffnetem Fenster auch das Tuckern der Lastkähne. "Ein tolles, beruhigendes Geräusch."

UCB ist Eigentümerin des Campus und Antje Witte seit 2009 die Projektleiterin. "Das ist quasi mein zweiter Beruf." Sie hat die Büroräume und Labors erfolgreich an Unternehmen vermarktet, die im weitesten Sinne "mit Gesundheitswirtschaft zu tun haben". Bis auf eine kleine Einheit sei alles belegt, zieht sie Bilanz. "Die vermarkte ich aber nicht aktiv, denn die zwölf ansässigen Firmen wollen noch wachsen." Die Senkung des Gewerbesteuersatzes in Monheim auf 285 Punkt — und damit auf den niedrigsten Satz in Nordrhein-Westfalen — habe mit geholfen, den Campus zu füllen, sagt sie. Evocatal aus Düsseldorf war im September vergangenen Jahres der bisher letzte Einzug. Die Firma produziert Enzyme für die chemische und kosmetische Industrie und nutzt nun im Creative Campus eine komplette Laboretage.

Der Campus sei ihr "Kind", merkt Witte an. Die Vermietungsidee sei während der Finanzkrise entstanden. Um Medikamente zu entwickeln, brauche es viele Helfer. Der Campus biete das wissenschaftliche Umfeld und sei besonders für junge Unternehmen interessant. So haben sich beispielsweise Cube Biotech, Bayer, ConVet (Tierarznei) und Aesica auf dem Campus niedergelassen.

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Mit einer angenehmen Arbeitsatmosphäre will Witte dazu beitragen, dass sich die Kollegen wohlfühlen. Das kann die Bank in der Sonne, eine Wäscherei, die Kindertagsstätte oder der Geldautomat sein. "Ich frage die Kollegen, was sie brauchen." Soeben wird der Haupteingang barrierefrei gestaltet, damit auch Mütter mit dem Kinderwagen demnächst problemlos hinein können. Und im April eröffnet eine Hunde-Kita auf dem Gelände.

Antje Witte stammt aus Norddeutschland und studierte in Göttingen und Köln Betriebswirtschaft. In Hannover absolvierte sie eine Banklehre und arbeitete zunächst in Düsseldorf als Aktienanalystin. Später wechselte sie zum Monheimer Unternehmen Schwarz Pharma. "Jetzt bin ich hier!"

Wer sich so vielfältig engagiert, braucht einen langen Atem und kleine Auszeiten. Auch wenn Antje Witte von sich selber sagt: "Ich bin ein Adrenalin-Junkie", gönnt sie sich bewusst Ruhepausen in ihrem Haus in Leichlingen. "Bei meinen vielen Reisen weiß ich manchmal morgens beim Aufwachen zuerst gar nicht, wo ich bin." Erdung erfährt sie bei der Gartenarbeit. Schnippeln und Beete harken seien ihr Bewegungs- und Relaxprogramm. Bei den Waldspaziergängen mit Mischlingshündin Lea trifft Antje Witte viele Hundebesitzer und hat so schon jede Menge Kontakte geknüpft. "Mein Mann und ich gehen oft zusammen mit Lea raus und reden dann viel miteinander."

Zu Hause gibt es eine klare Aufgabenteilung: Sie macht die Wäsche und bringt den Müll nach draußen. Ihr Mann wischt die Böden und kocht. "Das macht er sehr gerne und verwöhnt mich am Wochenende mit tollen Gerichten", freut sich die Projektleiterin schon auf das Abendessen.

(RP)
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