Monheim: Männer mögen's deftig

Monheim : Männer mögen's deftig

Die RP betrachtete die Damen- und die Herrensitzung der Gromoka unter dem Blickwinkel der aktuellen Sexismus-Debatte.

Für Frank Fritze ist die Herrensitzung der Gromoka ein Pflichttermin. "Es ist Karneval und das versteht man eigentlich nur, wenn man mitmacht", sagt der Jeck. Er ist als die niederländische Werbefigur "Frau Antje" verkleidet und könnte mit seiner künstlichen Oberweite problemlos auch ein Dirndl füllen — um es mit den Worten des FDP-Politikers Rainer Brüderle zu sagen. Der Fraktionsvorsitzende der Liberalen hat mit seinen umstrittenen Äußerungen gegenüber einer Reporterin eine bundesweite Debatte über Sexismus losgetreten. Doch wie sieht das im Vergleich zwischen Damen- und Herrensitzung aus?

Kostüme Hier haben ganz klar die Frauen die Nase vorn. Bei der Damensitzung am Mittwoch waren beinahe alle der 1200 anwesenden Närrinnen verkleidet. Feen, Hexen, Gartenzwerge, schrille Modedesigner oder Schlümpfe standen dabei hoch im Kurs. Aber die Herren holen in diesem Bereich auf. "Inzwischen kommen immer mehr Männer kostümiert zur Sitzung", hat Gromoka-Vorsitzender Ralf Volgmann beobachtet. In der Tat tummeln sich viele Polizisten, Piraten, Sträflinge, Wikinger und Sultane an den Tischen. Doch es haben sich längst nicht alle der rund 600 Herren im Zelt verkleidet. Immerhin: Der Elferrat und Sitzungspräsident Wolfgang Schulte sind in dieser Hinsicht vorbildlich. Das närrische Gremium trägt preußische Uniformen — stilecht mit Pickelhaube.

Stimmung Die Atmosphäre lässt sich nur schwer miteinander vergleichen. Das liegt zum einen an den nackten Zahlen. Da ist die Damensitzung mit rekordverdächtigen 1200 Frauen in puncto Feierlaune freilich weit voraus. Das heißt im Gegenzug aber nicht, dass die Stimmung bei den Männern schlecht wäre. An den Tischen fließt reichlich Bier. Auf dem Speiseplan stehen deftige Leckereien. Es wird geklatscht, gesungen und gefeiert. Die Stimmung ist ähnlich ausgelassen, wie bei den Frauen — nur eben ein paar Nummer kleiner. Fest steht: Wenn sie unter sich sind, können es beide Geschlechter ganz schön krachen lassen.

Programm Zu ihrem 111-jährigen Bestehen hat die Gromoka für ihre Sitzungen ein hochkarätiges Programm zusammengestellt. Bei den Damen heizten unter anderem Bläck Föös, Räuber und Olaf Henning ein. Zudem gingen Klaus und Willi und Jürgen Beckers in die Bütt. Die Herren freuten sich vor allem über Kasalla, die "Funky Marys" und die "Cölln Girls". Die etwas bekannteren Künstler bekamen sicherlich die Frauen zu sehen, was wohl auch an der größeren Zahl der zahlenden Gäste liegt. "Die Gromoka hat alle Sitzungen sehr gut organisiert", lobt Peter Vogel von den Altstadtfunken, die in dieser Session unter anderem mit einem "Gangnam-Style"-Tanz auf der Bühne standen, den sie extra für die Damen einstudiert hatten.

Humor Hier scheiden sich die Geister. Der eine mag es möglichst derb, während andere nicht über jede Zote lachen können. Anzüglichkeiten, Doppeldeutigkeiten und Witze jenseits der Gürtellinie gibt es bei beiden Sitzungen zu hören. Bei den Herren darf es dabei ruhig etwas schlüpfrig werden. Aber auch die Damen können über Witze aus dem Intimbereich durchaus herzlich lachen.

Böswilliger Sexismus ist indes die Ausnahme. Mit obszönen Reimen auf "Witten" oder "Uschi" erntet das Duo "Schlabber und Latz" einige Lacher bei den Männern. Beim "Hausmann" alias Jürgen Beckers geht es bisweilen ähnlich zur Sache, wenn er aus dem ehelichen Schlafzimmer erzählt. Während es bei den Herren etwas zotiger und derber zugeht, sind die Damen manchmal direkter — und graben den jungen, gut aussehenden Kellner an.

Fazit Ein gewisses Maß an augenzwinkerndem Sexismus gehört dazu, wenn die Geschlechter unter sich sind. Dabei darf die "fünfte Jahreszeit" allerdings auch eher als Ausnahmezustand gewertet werden.

(dora)