LVR Klinik Langenfeld: Hier dürfen Kinder mit ins Büro

Familie und Freizeit : Hier dürfen Kinder mit ins Büro

Die Langenfelder LVR-Klinik und Bayer unterstützen Eltern mit Räumlichkeiten, in dem viel Platz für den Nachwuchs ist.

 Lehrer konferieren einen ganzen Tag lang über die Zeugnisnoten, Erzieher in der Kita streiken schon in der Früh – für berufstätige Eltern mit kleinen Kindern können solche Ereignisse schnell den gut organisierten Alltag durcheinanderwirbeln und  ein Riesenproblem verursachen. Wohin jetzt mit dem Nachwuchs, wenn doch ein Acht-Stunden-Arbeitstag ansteht?  Die Langenfelder LVR-Klinik an der Kölner Straße hat jetzt für solche Situationen ein Eltern-Kind-Büro eingerichtet. „Wir wollen damit ein Signal an die Mütter und Väter aussenden“, sagt Elke Zimmermann-Führer, Leiterin der Stabsstelle Personalentwicklung. Die Klinik setze auf Familienfreundlichkeit. Mitarbeiter, die Kleinkinder haben, könnten so flexibler reagieren.

Das Büro im Erdgeschoss des Wohnhauses 3 nahe der Krankenpflegeschule sieht auf den ersten Blick eher aus wie ein Kinderzimmer, weniger wie ein Arbeitsplatz. Neben dem Schreibtisch mit Telefon und Computer ist ausreichend Platz für eine gemütliche Kuschelecke, für einen kleinen Tisch mit Stühlen und einen bunt bedruckten Spielteppich. Darauf ist eine Holzeisenbahn mit Schienen aufgebaut, Bauklötze kullern aus einer Kiste. Es gibt Puzzles, Duplo-Steine und eine Menge Bilderbücher.

Bayer Vital in Leverkusen hat seit 2010 ein Büro, in das Beschäftigte ihren Nachwuchs bei einem Betreuungsengpass mitnehmen können. Foto: Bayer Konzern

Verwaltungsmitarbeiterin Ellen Dodu hat erst kürzlich hier gearbeitet, weil die Kindertagesstätte ihres Sohnes Jonas (5) wegen eines Konzeptionstags geschlossen blieb. „Das war zum Glück angekündigt, und so konnte ich mir das Büro für vier Stunden reservieren lassen“, sagt die 39-Jährige. „Das Eltern-Kind-Büro ist super.“ Zwar hatte die Mutter eine Tasche voller Spielsachen dabei, doch Jonas habe sich sofort auf die Eisenbahn und die Puzzles gestürzt. Er sei also erst mal beschäftigt gewesen. Ellen Dodu hat ihr Arbeitsmaterial geholt, ihr Telefon umgestellt und konnte sofort in Ruhe arbeiten.

Auch Elke Zimmermann-Führer lobt das Büro. „Für mich als Vorgesetzte ist es eine tolle Einrichtung, da ich weniger Ausfälle habe.“ Außerdem sei so nicht jeder Betreuungsausfall für Eltern mit Stress verbunden. Das sei für  Mütter und Väter einfach entspannter. Nutzen könnten es alle, die Büroarbeiten erledigen müssen, auch Ärzte, die Dokumentationen oder Briefe erstellten. Angeregt wurde das Eltern-Kind-Büro in ihrer Abteilung. „Ich habe zwei Mütter im Team.“ Die Mitarbeiterinnen machten außerdem Vorschläge, welche Spielsachen gekauft werden sollten, und brachten die hübsche Weltkarte mit vielen Tieren drauf als Wand-Dekoration an.

Mobile Lösung: die „Study & Kids-Box“ der Uni Düsseldorf. Foto: Oliver hartmann/Oliver Hartmann

Eltern könnten das Büro bei Kita-Schließungen vorab reservieren lassen oder in Notfällen den Schlüssel kurzfristig an der Pforte abholen. Klinik-Chef Holger Höhmann ist ebenfalls angetan: „Das Büro ist auch aus Arbeitgeberperspektive ein Zugewinn.“ Schließlich sei die Familienfreundlichkeit eines Arbeitgebers aus Sicht junger Eltern ein wichtiger Faktor.

Große Firmen in der Region stellen sich auf eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein. Auch der Bayer-Konzern hat an mehreren Standorten Eltern-Kind-Büros, damit berufstätige Eltern bei einem unerwarteten Ausfall der Regelbetreuung ihren Nachwuchs kurzfristig mit zur Arbeit nehmen können, sagt Pressesprecher Markus Siebenmorgen. So gibt es schon seit 2010 in Leverkusen bei der Pharma-Vertriebsgesellschaft Bayer Vital ein Eltern-Kind-Büro. Bei der Servicegesellschaft Bayer Business Services in Leverkusen existiere ebenfalls ein solcher Raum. Auf dem Betriebsgelände von Crop Science in Monheim gibt es allerdings noch kein Eltern-Kind-Büro. Deswegen plane die Bayer Betriebskita „Die Sprösslinge“ an der Alfred-Nobel-Straße die Einrichtung eines solchen Angebots. Die Büros seien immer nur für kurzfristige Übergangslösungen gedacht. „In unserer eigenen Kindertagestätte Löwenburg in Leverkusen halten wir permanent ein Kontingent von Plätzen für Notfälle bereit“, sagt Siebenmorgen. Bei unerwartet auftretenden Engpässen biete auch der Kooperationspartner „pme Familienservice“ Lösungen an. Inzwischen könnten aber fast alle Mitarbeiter mit Büroarbeitsplätzen nach Absprache mit dem Vorgesetzten im Homeoffice – also von zu Hause aus – arbeiten, sagt der Sprecher.

Ein Bollerwagen voller Utensilien – mobiles Eltern-Kind-Büro an der Universität Düsseldorf. Foto: OLiver Hartmann/Oliver Hartmann

Kleinere Firmen können ihren Angestellten selten ein solches Angebot unterbreiten. Kreative und ausgefallene Wege geht indes das Familienberatungsbüro der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität. Es stellt Mitarbeitern mit einem eigenen Büro seit vier Jahren das „Mobile Eltern-Kind-Büro“ (kurz MEKiBü) zur Verfügung. „Das hat sich sehr gut etabliert“, sagt Oliver Hartmann. In einem farbenfrohen Bollerwagen finden sich Puzzles, Bücher, Brettspiele, Bauklötze, eine Wickelauflage, ein Reisebettchen und ein Milchwärmer. Mit großen Rädern sei es flexibel auf dem ganzen Universitätsgelände einsetzbar. Bisher sei das Konzept einzigartig und an keiner anderen Hochschule in Deutschland etabliert. Für Studenten mit Kind, die von Hörsaal zu Hörsaal wanderten, gibt es seit einiger Zeit die „Study & Kids-Box“. „Das ist ein Trolley, gut gefüllt mit vielen Spielsachen“, sagt Oliver Hartmann vom Familienberatungsbüro. Ebenfalls ein Renner bei den Studierenden aus der ganzen Region.

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