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LVR-Klinik in Langenfeld gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus

LVR-Klinik in Langenfeld : Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Die LVR-Klinik Langenfeld erinnert am 27. Januar an die Opfer des Nationalsozialismus und damit auch an ein dunkles Kapitel ihrer eigenen Geschichte.

(RP) Die LVR-Klinik Langenfeld, heute eine moderne psychiatrische Fachklinik, hat auch eine dunkle Vergangenheit. In den 1940er Jahren nutzten die Nationalsozialisten die damalige Provinzial-, Heil- und Pflegeanstalt Galkhausen als eine sogenannte Zwischenanstalt. In ihr wurden Patientinnen und Patienten aus dem Rheinland gesammelt, um sie im Rahmen der NS-Euthanasie unter anderem in die frühere Tötungsanstalt Hadamar zu transportieren und dort zu ermorden. In jedem Jahr erinnert die Klinik sich selbst und andere, die Zeit niemals zu vergessen.

Allein in den Monaten von April bis August 1941 wurden 870 kranke Frauen und Männer in der Tötungsanstalt Hadamar ermordet. Weitere 1400 Patientinnen und Patienten aus rheinischen Anstalten waren zur „Verlegung“ nach Hadamar vorgesehen. Doch nachdem der Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen, die Euthanasie offen in seinen Predigten kritisierte, ordnete Hitler die Einstellung der sogenannten „T4-Aktion“ an. Damit war das Morden von psychisch Kranken und Behinderten jedoch nicht beendet. Es begann das, was später als „wilde Euthanasie“ bezeichnet wurde, wobei in dieser zweiten Phase der Vernichtung mehr kranke Menschen umgebracht wurden als in der ersten. Vor allem im Jahr 1943 erfolgten massenhaft Verlegungen in die Ostgebiete. Allein aus der Anstalt Galkhausen wurden annähernd 1500 Menschen nach Meseritz-Obrawalde, Tiegenhof und andere Anstalten im Osten verlegt, von denen nahezu niemand überlebt hat.

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Die Aufarbeitung ihrer Geschichte ist der Klinik bereits seit den 1980er Jahren ein großes Anliegen. Damals erschien das Buch „Verlegt nach Unbekannt“, herausgegeben durch den LVR selbst. Eine Fotoausstellung im Jahr 1985 belegte eindrucksvoll das menschenverachtende System der NS-Euthanasie und ihre Auswirkungen auf die Klinik. Seit 2011 begeht die Klinik jährlich am 27. Januar, dem bundesweiten und internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, diesen Tag in verschiedener Weise. Immer einbezogen sind die Schülerinnen und Schüler der hauseigenen Pflegeschule. Die Geschichte ist fester Bestandteil des Unterrichts im Rahmen der Ausbildung zur Pflegefachfrau/zum Pflegefachmann. Jeder Kurs besucht Hadamar – heute eine Gedenkstätte – im Rahmen einer Exkursion.

Pandemiebedingt erinnert die Klinik auch in diesem Jahr digital an alle ermordeten Patientinnen und Patienten. In einem kurzen Video festgehalten, werden am Gedenktag stellvertretend für alle Opfer 24 Namen verlesen, ein Kranz der Klinik sowie ein Kranz der Stadt Langenfeld niedergelegt und Kerzen am Gedenkstein entzündet. Das Video selbst wird danach auf dem Youtubekanal der Klinik zu sehen sein und von einer Fotoaktion in den sozialen Medien, bei der Mitarbeitende sich mit dem Hashtag #weremember fotografieren ließen, begleitet. Außerdem zeigt die katholische Seelsorge im Rahmen ihres Kinoprogramms für Patientinnen und Patienten anlässlich des Gedenkens am 26. Januar den Film „Persischstunden“.