Langenfeld: Lukaskirche startet mit Nolls Rede Politik-Reihe

Langenfeld : Lukaskirche startet mit Nolls Rede Politik-Reihe

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Michaela Noll eröffnete eine vom evangelischen Pfarrer Dr. Stefan Heinemann initiierte Vortragsreihe. Kerstin Griese (SPD) und Frank Schneider (CDU) folgen in Kürze.

Am Rednerpult des Bundestages hat sie eine in zwölf Parlamentsjahren gewachsene Erfahrung. Auf der Kanzel der evangelischen Lukaskirche in Richrath stand Michaela Noll während eines Gottesdienstes gestern zum ersten Mal. Entsprechend nervös war die CDU-Politikerin, wie sie offen zugab: "Vielleicht hätte ich nicht erst zusagen und dann nachdenken sollen." Mit der Frage "Braucht Politik Gott?" eröffnete die evangelische Kirche gestern eine dreiteilige Reihe von Kanzelreden. 25 Minuten lang schlug die Katholikin Michaela Noll einen Bogen von der Politik in Berlin zum Glauben. Zusammengefasst in einem Satz lautet ihre Antwort: "Ja, die Politik braucht Gott, denn im Bundestag wird über viele ethische Fragen entschieden."

Wäre Kirche ein Unterhaltungsmedium, bekäme Pfarrer Dr. Stefan Heinemann heute Lob von allen Seiten für seine Idee, Politiker während eines Gottesdienstes sprechen zu lassen. Denn damit hat er die Zuschauerquote glatt verdoppelt: Statt den an einem normalen Sonntag üblichen 60 bis 80 Kirchgängern fanden gestern rund 140 Besucher den Weg zur Lukaskirche. "Zum einen folgen wir damit dem Jahresmotto der Lutherdekade, in dem es 2014 um Reformation und Politik geht", sagte Heinemann der RP. "Zum anderen wollen wir bewusst dem Dreiklang aus Glaube, Macht und Politik nachspüren." Die SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese und Bürgermeister Frank Schneider haben als weitere Kanzelredner bereits zugesagt.

An ihrem Beitrag hat Noll lange gefeilt, wie sie hinterher verriet. "Zunächst wollte ich den Vortrag von den Seligsprechungen der Bergpredigt her entwickeln." Doch davon ließ die 54-Jährige nach kurzer Zeit ab. "Ich habe versucht deutlich zu machen, wie der christliche Glaube uns Politikern eine Richtschnur sein kann - gerade auch bei schwierigen Entscheidungen." Der Balanceakte zwischen einem Einblick in das Berliner Parlament und nachvollziehbaren Anknüpfungspunkten im Glauben gelang Noll.

Als Mitglied des Verteidigungsausschusses musste Noll aktuell entscheiden über Waffenlieferungen an die Kurden für den Kampf gegen die islamistischen Terroristen der ISIS. "Lade ich durch meine Entscheidung für die Waffenlieferungen Schuld auf mich, denn sie könnte ja falsch sein? Und wie viel Schuld würde es bedeuten, nicht zu tun?" Noll berief sich auf der protestantischen Kanzel auf ein Leitmotto von Papst Franziskus: Die Kirche dürfe sich nicht aus irdischen Konflikten heraushalten. Zugleich gab es auch ein mahnendes Wort: Sie sei noch nicht fertig mit der Frage, warum so viele in Deutschland aufgewachsene junge Männer zum Islam überträten und in den Krieg zögen: "Hat hier die Gesellschaft versagt - die Kirche, Vereine, das Elternhaus?"

Der eigene Glaube an Gott sei ihr von einer streng katholischen Großmutter weitergegeben worden, sagte Noll. Ganz bewusst habe sie sich deshalb für eine Partei mit christlichen Werte entschieden. Eng damit verbunden sind für Noll klare Haltungen wie ihre Ablehnung einer Diagnostik vor Einpflanzen eines Embryos in die Gebärmutter (PID-Präimplantationsdiagnostik) oder ein Nein zur aktiven Sterbehilfe, über die der Bundestag demnächst zu entscheiden hat: "Ein Sterben in Würde bedeutet für mich, nicht durch die Hand eines anderen zu sterben, sondern an der Hand - also begleitet - in den Tod zu gehen."

(dne)
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