Luftsportgruppe Erbslöh in Langenfeld: Segelfugzeug für Gehbehinderte

Langenfeld : Segelflieger lassen Rollifahrer ran

Die Langenfelder Luftsportgruppe Erbslöh baute ein Segelflugzeug für Gehbehinderte um. Mathias Henckels nutzt es.

Fliegen ist ein erhebendes Gefühl. Für Mathias Henckels (21) ist das Steuern eines Segelflugzeugs mehr als ein Hobby. „Es ist meine Leidenschaft. Ich bin sehr mit der Natur verbunden und empfinde in der Luft eine ungeheure Freiheit“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Dieses Gefühl schätzt er um so mehr, seit er nach einem schweren Unfall mit dem Mountainbike im Mai 2016 auf den Rollstuhl angewiesen ist. Die Langenfelder Luftsportgruppe (LSG) Erbslöh hat es ermöglicht, dass der junge Burscheider nicht nur mitfliegen, sondern selber als Pilot einen Segelflieger steuern kann. Dazu hatte der Verein in seiner Werkstatt an der Haus Gravener Straße einen Doppelsitzer für Querschnittsgelähmte umgerüstet.

Seit diesem Frühjahr können von dem in Langenfeld-Wiescheid gelegenen Gelände aus somit auch Piloten mit Handicap fliegen, sagt Vereinssprecher Jürgen Fischer. „Und Interessierte können sich dann ausbilden lassen und die Segelfluglizenz erwerben.“ So wie es jetzt Mathias Henckels geschafft hat.

In Zusammenarbeit mit Hersteller Alexander Schleicher hatte der Langenfelder Verein Anfang des Jahres in einen Doppelsitzer des Typs ASK21 eine zusätzliche Handsteuerung eingebaut, erklärt Fischer. „Mit ihr können Piloten, die aufgrund eines Handicaps keine Fußpedale bedienen können, das Seitenruder des Flugzeugs mit der Hand betätigen.“ Die Aktion Mensch förderte nach Fischers Angaben den Umbau des Doppelsitzers mit einem Zuschuss von 4687 Euro, auch die Interessengemeinschaft der Rolliflieger sowie der Landesverband des Deutschen Aero-Clubs unterstützten das Projekt.

 Schon als 15-Jähriger hatte Henckels mit dem Flugunterricht begonnen, durfte bald schon allein segeln und stand 2016 kurz davor, den Flugschein zu machen. Dann durchkreuzte der schlimme Mountainbike-Unfall seine Pläne – aber eben nur vorübergehend. Cheffluglehrer Jochen König, der viele Kontakte auch zu anderen Segelflugvereinen hat, hatte im Taunus ein für Rollstuhlfahrer umgebautes Segelflugzeug ausfindig gemacht. „Dort hat Mathias die Gelegenheit bekommen, darin zu fliegen“, erzählt er. Als klar war, dass Mathias mit einem Spezialflugzeug wieder lernen könnte, selbständig zu fliegen, ergriff der LSG Erbslöh-Vorstand sofort die Initiative. „Ich habe mich gleich um Fördergelder bemüht“, erzählt Vorsitzender Jürgen Blome, „die Resonanz war sehr gut.“ Neben dem genannten Segelflieger für Henckels und andere gehbehinderte Menschen tut die mit rund 270 Mitgliedern zu den größten Segelflugvereinen Deutschlands zählende LSG Erbslöh noch mehr für die Inklusion.

Laut Fischer werden die Sanitäranlagen für etwa 30.000 Euro bis Ende des Jahres barrierefrei umgebaut. „Die Behinderten-Toilette ist bereits fertig.“ Die Stadt-Sparkasse bezuschusse den Umbau, „aber einen wesentlichen Anteil erbringen die Vereinsmitglieder in Eigenleistung“.