Langenfeld/Monheim: Lions sammeln Lebensmittel

Langenfeld/Monheim : Lions sammeln Lebensmittel

Kleiner Beitrag, große Wirkung: Weil viele Einkäufer am Samstag einen Artikel mehr kauften, hatte der Leo-Club binnen vier Stunden zwei Einkaufswagen voller schwer verderblicher Lebensmittel beisammen.

Zuerst müsse man den Fluchtimpuls der Passanten bremsen, die man auf dem Weg in den Supermarkt anspreche, ob sie nicht einfach einen Artikel mehr kaufen würden — für den wohltätigen Zweck. Michelle Frieling vom Leo-Club Rhein-Wupper, der Jugendorganisation des Lions-Clubs, erzählt, viele seien zunächst abgeschreckt und dächten, man wolle ihnen was andrehen. Entsprechend zäh sei die Aktion vorigen Samstag am Real-Markt an der Rheindorfer Straße, an der sich insgesamt fünf Jung-Löwen zwischen 18 und 23 Jahren beteiligten, angelaufen.

Kurz nach 14 Uhr bietet sich dann aber ein ganz anderes Bild: zwei Einkaufswagen voller Lebensmittel, vor allem unverderblicher Produkte wie Nudeln oder Mehl sowie Schulartikel und sonstiger Bedarfsgüter. "Sehr viel mehr als wir erwartet hätten", freut sich Frieling. Zum einen verdanke man dem guten Namen der Mutterorganisation eine gewisse Seriosität. Zum andern wäre vielen Langenfeldern "Die Tüte", also jenes SKF-Projekt, zu dessen Gunsten man sammle, ein Begriff. Schließlich hätten die Presseberichte geholfen, "viele hatten bereits davon gelesen", so Frieling. Eine Kundin sei gar noch mal nach Hause gefahren, "um zugunsten ,Der Tüte' ihren Konservenbestand zu dezimieren."

Ein gesellschaftliches Tabu

Armut ist aber nach wie vor ein gesellschaftliches Tabu. Und Hunger ihr Hauptmerkmal. Dort setzen "Tüte" und "Tafel" an, Angebote der katholischen Sozialdienste in Langenfeld und Monheim. "Ausgegrenzt wird nicht", sagt Initiator Manfred Poduschnik. Seit acht Jahren akquiriert er in Monheim Sponsoren für Lebensmittel. Heuer könne man die Unternehmen, die sich nicht beteiligten, an einer Hand abzählen. Vor ein paar Jahren hat er auch schon mal eine Aktion gemacht, "wo wir Leute gebeten haben: Kauft doch bitte eine Kleinigkeit." Auch Poduschnik war überrascht, wie viel dabei seinerzeit zusammenkam. Die Bereitschaft zu geben, sei eben groß, wenn richtig adressiert werde.

Vor allem versuche er immer auch zu vermitteln, dass es jeden treffen könne, "das geht doch heute so flott." Deutschlandweit gebe es 894 Tafeln, was über den Bedarf Bände spreche. Und natürlich ein starkes organisatorisches Rückgrat sei. "Das hat ,Die Tüte' in Langenfeld nicht." Dafür, wie "Fundraiserin" Frieling, ein Konzept, in dem viel Wert auf Würde und Selbstbestimmung gelegt werde. So würden nicht vorgepackte Tüten ausgeteilt, sondern Lebensmittel in Regalen angeboten. Zum Kauf, indes zu erheblich vergünstigten Preisen. Politisch, so wird an beiden Standorten beklagt, erfahre das Thema jedoch nicht die gebotene Aufmerksamkeit. Und die Lage spitze sich weiter zu. Schon jetzt sei der Bedarf zu groß, als dass er von den vorhandenen Einrichtungen noch gedeckt werden könne.

(maxl)