Monheim: Leerer Bauch studiert nicht gern

Monheim: Leerer Bauch studiert nicht gern

Je 1300 Schüler besuchen die Gymnasien in Langenfeld und Monheim. Die jetzigen Fünft- bis Siebtklässler werden ihr Abitur als „Zwölfer“ machen. Folge: mehr Nachmittagsunterricht – und die Notwendigkeit eines Mittagessens.

langenfeld Gestern Vormittag auf dem Hof des Konrad-Adenauer-Gymnasiums, die zweite große Pause: Während etliche KAG-Schüler ihr meist von der Mutter geschmiertes Butterbrot auspacken oder einen Apfel knabbern, schart sich eine Traube von Kindern und vor allem Jugendlichen um einen weißen Kleintransporter.

Der hält zwei Mal täglich für 15 bis 20 Minuten auf dem Hof, um die Schüler mit den notwendigen Kalorien für die nächsten Stunden zu versorgen. „Schnitzelbrötchen und Frikadellen laufen besonders gut“, berichtet Verkäuferin Kerstin Maibaum. Derweil beißt Dean (14) lieber in ein Käsebrötchen: „Kostet Einsfuffzig“, mampft der Achtklässler, der an diesem Tag noch bis 13.20 Uhr Schule hat. Wie auch die Fünftklässlerinnen Lisa und Jule. Sie kommen mit einem Schokoriegel über die Runden – schließlich wartet zu Hause das Mittagessen.

„Keine Pause – früher nach Hause“

Doch das wird ab Sommer nicht mehr unbedingt am heimischen Herd serviert. Am Mittwochabend hatte sich die Elternpflegschaft zwar noch mehrheitlich dafür ausgesprochen, die Kinder ohne längere Pausen lieber sieben Stunden am Stück zu unterrichten, um sie dann zu Hause zu bekochen. Dagegen plädiert NRW-Schulministerin Barbara Sommer für eine mindestens 60-minütige Mittagspause für alle – auch, um mit zunehmendem Nachmittagsunterricht die Diskussion ums Turbo-Abi zu entschärfen.

Für KAG-Leiter Hans-Joachim Claas eine Mogelpackung: „Die Ministerin befürwortet den Nachmittagsunterricht, vermeidet aber den juristischen Begriff ,Ganztagsschule’, weil dies ja mit einem Stellenzuschlag von bis zu 20 Prozent verbunden wäre.“ Dass die meisten Kinder unter der komprimierten Stoff-Vermittlung leiden, steht für ihn fest: „Die Siebtklässler stoßen beim Unterricht bis 15 Uhr an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit.“

Die Elternpflegschaftsvorsitzende Cornelia Paas sieht ein weiteres Problem des „Turbo-Abis“: „Wenn mein Sohn, der jetzt in der Acht ist, die Schule verlässt, macht zugleich der jetzige Siebener-Jahrgang Abi. Das wird eng auf dem Ausbildungsmarkt.“ Vorerst wird sich die Schulkonferenz am 20. Februar mit der Realisierung der seit zwei Jahren geplanten Caféteria befassen müssen. Die Zeit drängt. NEBENBEI . . .

(RP)
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