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Langengfeld/Monheim - Der Fall Woelki: Langenfelder distanzieren sich

Katholische Kirche : Der Fall Woelki: Langenfelder distanzieren sich

Der Aktionskreis wirft dem Kardinal in einem offenen Brief vor, systematisch zu vertuschen und die Täter zu schützen. 104 Gemeindemitglieder haben unterschieben.

Die immer wieder hinausgeschobene Veröffentlichung des Gutachtens zu sexuellem Missbrauch im Erzbistum Köln ruft in der Gemeinde Langenfeld/Monheim (Sendungsraum) teils heftige Kritik hervor. Vier Ehrenamtliche der Gemeinde St. Josef und Martin in Langenfeld haben ihren Unmut in einem offenen Brief an Kardinal Woelki Luft gemacht. 104 Gemeindemitglieder haben unterschieben. „Für uns stimmen die Relationen zwischen den Worten in der Predigt (...) einerseits und dem Agieren rund um die Missbrauchsstudie andererseits überhaupt nicht mehr“, schreibt Christoph Meiser vom Aktionsteam. Deshalb wolle man sich vom Verhalten der Bistumsleitung distanzieren und nicht damit in Verbindung gebracht werden. „Ihr Agieren“, so heißt es in dem Brief an Woelki, „in den letzten Monaten und die begleitende Presse ruinieren das schon angeschlagene Bild der Kirche in der Öffentlichkeit und beschädigen unsere engagierte Arbeit vor Ort in unserer Pfarrgemeinde immens.“ Sie werfen Woelki „systematisches Vertuschen vor“.

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Auch der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Thomas Antkowiak hat unterschrieben. „Ich finde die Intitiative wichtig“, sagt er, „weil sie nicht von einem kirchlichen Gremium ausgegangen ist.“ Das zeige die Breite der Kritik. Er kann die Enttäuschung der Gemeindemitglieder verstehen, zumal auch bei Themen wie Homosexualität, die Rolle der Frauen in der Kirche, die im Rahmen des „Synodalen Wegs“ überdacht werden sollen, kaum Fortschritte zu erkennen seien. „Jetzt wäre es aus meiner Sicht wichtig, dass Klarheit hergestellt wird und das Bistum auf die Missbrauchsopfer zugeht, sich der Verantwortung stellt.“ Seit 2010 würde darüber geredet. Das sei für normale Christen eine enorme Belastung. Das bedeute Enttäuschung und Vertrauensverlust, so Antkowiak. Das derzeitige Handeln im Erzbistum Köln findet er „nicht besonders geschickt“. Er hat für die Zeit nach Corona bereits ein Gesprächsforum angekündigt. „Man muss sprechen.“

Bernd Wehner, stellvertretender Kirchenvorstand von St. Geron und St. Dionysius Monheim, sieht das anders. „Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell man dabei ist, die Katholische Kirche und im konkreten Fall Kardinal Rainer Maria Woelki zu verurteilen“, gibt er seine persönliche Sicht wieder. Er hält es für legitim, eine neue Studie in Auftrag zu geben, da die vorliegende „methodische Mängel“ aufweise. Eine „Kampagne“ gegen Kardinal Woelki, wie sie derzeit in kirchlichen Gremien wie dem Diözesanrat oder im offenen Brief des Aktionsteams aus St. Josef und Martin erfolge, rechtfertige das nicht.