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Langenfelds Bibliotheksleiterin Martina Seuser im Interview

Langenfelds Bücherei-Chefin Martina Seuser schwärmt : „Unsere Bibliothek ist ein Leuchtturm“

Die Langenfelder Bücherei ist technisch und fachlich auf dem neuesten Stand und gibt über die Ausleihe hinaus Anregungen und Tipps.

Am Montag findet die Regionale Bibliothekskonferenz in der Stadtbibliothek Langenfeld statt. Bibliotheksleiterin Martina Seuser erzählt, was es damit auf sich hat und wie sich Bibliotheken in der Gesellschaft positionieren.

 Die Regionale Bibliothekskonferenz findet in Langenfeld statt. Wieso hier? 

Seuser In diesem Jahr sind wir der Hauptevent, weil unsere Bibliothek auf dem neusten Stand ist. Ein Leuchtturm. Bei dieser Konferenz treffen sich die Bibliotheksleitungen mit der Fachstelle und holen sich Input über die Bedürfnisse der Kunden, über technische Innovationen, die kulturelle Entwicklung und die Entwicklung des Medienmarkts. Am Montag erwarten uns Vorträge über einen Online-Bibliotheksausweis, über Förderprogramme, aber auch über Qualitätsmanagement. Die Fachstelle für ganz NRW sitzt in Düsseldorf und organisiert für alle Regierungsbezirke Tagungen im Frühling und im Herbst. Außerdem klärt sie über Fördermittel auf. Diese Programme erlauben es uns, uns weiterzuentwickeln. Wir Bibliotheken sind Teil der Gesellschaft, wir spiegeln sie. Deshalb müssen wir am Ball bleiben.

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Frau Seuser, wie hat sich das Bibliothekswesen in den letzten Jahren verändert?

Seuser Es gab eine grundlegende Entwicklung. Die Bibliotheken sind deutlich mehr in den Bildungssektor gerückt. Wir gelten als außerschulisches Angebot. Das heißt, wir arbeiten eng mit Schulen und Kitas zusammen. Parallel dazu entwickelte sich die Bibliothek weg von der klassischen Ausleihe. Wir wurden als Arbeitsplatz entdeckt. Die Leute kommen nicht mehr nur, suchen sich etwas aus und gehen wieder. Sie bleiben. Wir in Langenfeld waren darauf nicht vorbereitet.

Wie wirkte sich das aus?

Seuser Wir haben es besonders in den Jahren gemerkt, als viele Flüchtlinge da waren. Sie haben die Bibliothek als Treffpunkt genutzt. Doch wir hatten nur ein paar Tische, die vor allem von den Dauerlesern und Schülern belegt waren. So begannen die einzelnen Gruppen, sich gegenseitig zu stören.

War das der Grund, warum die Bibliothek so aufwändig renoviert wurde?

Seuser Einer der Gründe. Aber es waren sowieso umfangreiche Renovierungen notwendig. So wurde die Bibliothek bis auf die Betonwände entkernt. Dieser Umbau hat sechs Monate gedauert. Danach hatten wir eine neue Bibliothek. Wir konnten alles, was wir vorher als Mangel erkannt hatten, umsetzen. Mehr Bildschirmplätze, Nischen zum Zurückziehen, gute WLAN-Abdeckung.

Welche Schwierigkeiten hatten Sie wegen Corona?

Seuser Wir hatten am 17. September 2020 neu eröffnet. Und da herrschten schon strikte Auflagen. Weniger Leute, kein Aufenthalt. Dann mussten wir im Dezember wieder komplett schließen. Das ging bis März. Wir dachten, nun können wir durchstarten, doch dann kamen wieder Auflagen wegen der steigenden Inzidenz-Zahlen. Erst seit August läuft alles wieder fast im Normalbetrieb. Die Corona-Zeit war sehr frustrierend.

Wie wird die neue Bibliothek denn angenommen?

Seuser Alles, was wir uns in der Planungsphase gedacht haben, funktioniert. Die Tische sind von Schülern belegt, in den Nischen sitzen Eltern und warten auf ihre Kinder, im Lesecafé sitzen Zeitungsleser.

Die Bibliothek ist also für viele das zweite Wohn- und Arbeitszimmer?

Seuser Ja, der sogenannte Dritte Ort. Wir bieten Raum zum Treffen, für Kommunikation, aber auch Inspiration. Von der szenischen Lesung über Kalligraphie-Workshops bis zu Robotik-Workshops bieten wir viel, was die Leute auf neue Ideen bringt.