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Langenfelder Unternehmen „Molibso“: „Unser Motto ist: Menschen besser bewegen“

Langenfelder Unternehmen : „Unser Motto ist: Menschen besser bewegen“

Das von zwei Brüdern gegründete Langenfelder Unternehmen „Molibso“ hat die Technik für moderne Bewegungsanalysen entwickelt – und dazu die technische Ausrüstung entwickelt. Geschäftsführer Dr. Jens Hollenbacher erklärt das Geschäftsmodell.

Molibso hat mit der eigenen Analysetechnik in der TV-Gründersendung „Die Höhle der Löwen“ die Sohlen der Firma Flexmed präsentiert. Offensichtlich mit Erfolg: Schließlich hat sich Juror Ralf Dümmel des Projekts als Förderer angenommen...

Hollenbacher Das stimmt. Nachdem Flexmed auf uns zugekommen war, trafen wir spontan die Entscheidung, mitzumachen. Weil bei der Aufzeichnung alles gut klappte, haben wir im Nachgang in einer Studie 120 Leute mit den Sohlen laufen lassen und deren Wirksamkeit nachgewiesen. So kamen die Sohlen später auch im Rahmen einer Live-Sendung auf dem Sender QVC in den Verkauf.

Inwieweit hat Molibso selbst davon profitiert?

Hollenbacher Wir haben als Dienstleister die Thematik für Flexmed und Ralf Dümmel bearbeitet. So war es zum einen ein ganz normaler Service, wie wir ihn für viele Hersteller anbieten. Zum anderen versprechen wir uns auch eine Signalwirkung aus der QVC-Sendung. Durch die Präsenz im Fernsehen konnten wir zeigen, wie wirksam unsere Technologie ist.

Wo finden Ihre Analyse-Geräte Anwendung?

Hollenbacher Wir haben im Moment mehr als 40 Systeme am Markt. Größte Installationsdichte bei einer Kette ist in Südafrika. Dort haben wir acht Systeme im Einsatz. Wir sind Hersteller, Produzent und Software-Entwickler. Alles ist „made in Germany“ und sogar „made in Langenfeld“.

Was meinen Sie mit „System“?

Hollenbacher Ein System besteht aus Hardware – das ist in diesem Falle eine Druckmessplatte – einem Terminal, also dem Bedienpult, und aus Software, die wiederum unterschiedliche Konfigurationen hat. Wir haben das Laufen im Fokus. Vom Laufschuh über Wanderschuh bis Sicherheitsschuh und High Heels können wir alles abdecken. Im Skibereich befassen wir uns mit Alpin- und Langlaufsport. Und dann gibt es eben den Bereich Orthopädie und Medizin, also das Beheben von Gangstörungen und die Suche nach geeigneten Sohlen.

Wer sind Ihre Kunden und wie viele Menschen erreichen Sie?

Hollenbacher Das kann sowohl ein einzelnes Sanitätshaus sein, ein einzelner Laufsportladen, es kann aber auch eine Kette sein. Wir haben in allen Systemen zusammen im letzten Jahr geschätzte 50.000 Analysen durchgeführt. Das waren allerdings nur Barfuß-Analysen ohne Schuhe. Dazu kommt noch ein ähnlich Anteil von Schuhvermessungen. Unsere Conversion Rate liegt klar über dem Branchendurchschnitt, wenn man das mit einfacher Laufbandanalyse vergleicht. Wir liegen häufig zwischen 40 bis 50 Prozent, in kleineren Läden sogar nahe 100, das heißt, jeder Kunde, der eine Analyse bekommt, kauft auch einen Schuh.

Nun gibt es ja im Einzelhandel bereits Laufbandanalysen, wenn ich neue Sportschuhe kaufen will. Was kann Ihr System, was andere nicht können?

Hollenbacher Die Besonderheit besteht darin, dass es ein besonders leichter und unkomplizierter Prozess für die Bediener ist. Der Kunde sieht Dinge, die er sonst nicht sieht. Bei einer Laufbandanalyse kommt einfach eine Kamera zum Einsatz. Bei unserem System sehe ich aufgrund der Druckverteilungsmessung, der Heat Map, wie die Biomechanik des Fußes ist und wo Probleme liegen. Was es aber wirklich einzigartig macht, ist, dass wir das noch mit dem Schuh machen und somit die Funktion einer Sohle nachweisen können. Das wird von unseren Kunden auch immer genutzt. So lassen sich auch Schuhe vergleichen, so dass der Kunde auch unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten das bessere Paket hat.

Und das wirkt sich auch in medizinischen Faktoren aus?

Hollenbacher Absolut. Unser Motto ist „Menschen besser bewegen“. Wir unterhalten eine Kooperation mit der Sportgemeinschaft Langenfeld und haben darin mit Therapeuten ein Konzept entwickelt, in dem es darum geht, durch Fußtrainingsübungen den Fuß zu stabilisieren – zunächst ohne Einlagen und ohne Schuh. Zwei Drittel unseres Geschäfts machen Sport und Einzelhandel aus, ein Drittel Gesundheit. Letzteres wollen wir noch ausbauen. Gerade sind wir vom Bundesforschungsministerium mit einem großen Projekt über drei Jahre gefördert worden.

Wie hat sich die Corona-Krise ausgewirkt?

Hollenbacher Es gibt ein großes Projekt in Bochum, das erst einmal nach hinten gerückt ist. Geplant ist dort ein großes Sanitätshaus, bei dem wir als Erstausrüster beteiligt sind. Im Einzelhandel liegen zunächst viele Dinge auf Eis. Dafür haben wir aktuell ein Corona-Labor entwickelt. Durch unser Projekt Schuhanalyse.de erhält der Kunde vor Ort eine Analyse, ohne mit anderen physisch in Kontakt zu treten. Über Videokonferenztool können wir auch Experten wie Orthopädietechniker zuschalten. Unter www.schuhanalyse.de kann man einen Termin mit uns vereinbaren.

Was hatte Sie zur Gründung des Unternehmens motiviert?

Hollenbacher Wir hatten festgestellt, dass die vorhandenen Lösungen am Markt nicht ausreichen. Wir bringen jetzt anspruchsvolle Medizintechnik in den Sportbereich und sind damit erfolgreich. Außerdem wollten mein Bruder und ich schon immer gemeinsam eine Firma aufmachen.