Serie Sammler Aus Leidenschaft: Langenfelder hat mehr Hobel als Späne

Serie Sammler Aus Leidenschaft : Langenfelder hat mehr Hobel als Späne

"Jeder Hobel hat seine eigene Geschichte", sagt Gerhard Schmitz über seine mehr als 1500 Exemplare dieses Werkzeugs.

Bei Gerhard Schmitz aus Langenfeld lief es mal umgekehrt: Er machte seinen Beruf (auch) zum Hobby. Der gelernte Zimmermann, der eine eigene Gerüstbaufirma besaß, sammelt Hobel und hat inzwischen mehr als 1500 Stück beisammen.

Die Leidenschaft für dieses alte Holzbearbeitungswerkzeug fing im Jahre 1969 an, als er in der Werkstatt seines Großvaters, der selbst handwerklich tätig war, 130 Hobel fand. Obwohl in Schmitz bereits vier Generationen Zimmermann steckten, nahm er den Fund nicht routiniert zur Kenntnis, sondern ließ sich für das seit mehr als 3000 Jahren bekannte Werkzeug begeistern. Auch nach einem Brand, der sein Erbe zerstörte, blieb der heute 74-Jährige dem Hobel treu und kaufte sich im Laufe der Jahre seine Sammlung auf Auktionen, Trödelmärkten und in Antiquitätenläden nach und nach zusammen.

"Jeder Hobel ist besonders und hat seine individuelle Geschichte", sagt Schmitz. Eines seiner ausgefallensten Modelle ist ein 2,30 Meter langes Exemplar, wozu der Sammler auch gleich eine kleine Anekdote parat hat: Er habe das riesige Stück im Internet ersteigert und es mit dem Minivan eines Freundes trotz starken Schneefalls abgeholt. Da der Mammuthobel jedoch die gesamte Länge des Wagens einnahm, musste Schmitz selbst hinter seinem Freud Platz nehmen, und so fuhren sie den Koloss leicht beengt nach Hause. Dort, an der Hansastraße in Langenfeld, führt der frühere Unternehmer ein privates Hobelmuseum und bietet Führungen durch seine Sammlung an. Die Hobel türmen sich in langen Regalen bis unter die Decke. Es gibt die verschiedensten Arten, die sich in Form und Größe je nach Verwendungszweck unterscheiden. "Sogar einen Hobel zur Kutschenherstellung habe ich", erzählt Schmitz stolz. Natürlich interessiert er sich auch für die Holzprodukte, die mithilfe des Werkzeugs entstehen, und so sind auch mehr als 1500 Spazierstöcke, 1200 Äxte und Beile, über 2000 Skulpturen und Masken und vieles mehr in den Räumen zu sehen. "Die Besucher, zum Teil selbst Handwerker, werden zur Diskussion angeregt", sagt Schmitz. Seine einzigartige Sammlung müsse "für die Nachwelt erhalten bleiben". Doch wie es mit ihr weitergehen wird - im besten Fall in Form einer Stiftung -, sei noch unklar. Auf die Frage nach dem geschätzten Gesamtpreis der Sammlung sagt ihr Eigentümer bloß, sie sei im "oberen Bereich versichert". Zum Verkauf steht ohnehin keines seiner Objekte. Der Ruheständler schaut sich auch weiter fleißig um und hat neuerdings sein Interesse für Senklote entdeckt. Doch dies ist nur ein kleiner Seitensprung, denn seine eigentliche Leidenschaft ist und bleibt das Holz: "Das Sammeln war für mich immer der Ausgleich zur stressigen Arbeit." Und so wird die Sammlung von Gerhard Schmitz, die eigentlich schon "aus allen Nähten platzt", wie er einräumt, wohl auch in Zukunft noch weiter wachsen (Kontakt: Gerhard Schmitz, Hansastraße 11, Tel. 02173 13018).

(RP)
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