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Langenfelder DJ: „Clubs sind in der Corona-Krise ohne Lobby“

Alex Graf : Langenfelder DJ: „Clubs sind in der Corona-Krise ohne Lobby“

Der Langenfelder Alex Graf alias DJ Say Whaat spricht über die Existenzängste seiner Branche in der Corona-Krise und beklagt die fehlende Lobby für Kultur und Diskotheken in der Politik.

Da, wo vor noch nicht allzu langer Zeit das Leben pulsierte, herrschen heute Stille, Einsamkeit und Tristesse: Clubs und Diskotheken gehörten zu den ersten Einrichtungen, die im März ihre Türen schließen mussten – und sie werden wohl mit als letzte wieder öffnen. Zu den Leidtragenden gehören neben den Betreibern auch die Künstler, die vom DJ-Pult aus regelmäßig ihre Partygäste in Hochstimmung versetzten. Einer von ihnen ist Alex Graf. Der Langenfelder arbeitet seit 1999 hauptberuflich als DJ – und reist dabei normalerweise durch ganz Europa. Große Veranstaltungen wie das „Heroes Festival“ in Geiselwind oder das „Swag On Festival Lissabon“ waren zum Beispiel für diesen Sommer eingeplant.

Seine Liebe zu Urban Hip-Hop-Musik hatte den gebürtigen Düsseldorfer Graf auf den Weg geführt. „Mir hat es immer Spaß gemacht, die Musik, die ich gehört habe, zu teilen“, erzählt der 39-Jährige, der sich „DJ Say Whaat“ nennt und an seinem Wohnort Langenfeld einst unter anderem einen Skatershop betrieb. „Seit Freitag, dem 13. März, hat man mir den Boden unter den Füßen weggezogen, ich fühle mich wie im freien Fall“, sagt er.

Alex Graf blickte im Gespräch mit unserer Zeitung nachdenklich in die Zukunft. Foto: Alex Graf/privat

Nach dem totalen Abbruch aller öffentlichen Aktivitäten habe er sich erst einmal mit der Situation auseinandersetzen müssen, ungewollt von „100 Prozent auf wirklich null Prozent“ runterzufahren. Viele Kollegen hätten sich in der Zwischenzeit mit Livestreams auf diversen Online-Plattformen über Wasser gehalten, berichtet Graf. Andere hätte eine neue Sparte wie Online-Podcasts für sich entdeckt, auf denen sich die Künstler gegenseitig interviewen. Eine echte Alternative zu den ausgefallenen Veranstaltungen ist das aber natürlich nicht. „Ich habe erstmal viele private Sachen erledigt, die über Jahre auf der Strecke geblieben sind“, verrät Graf. Geichzeitig habe er immer auf die Beschlüsse der Regierung geschaut, sich mit anderen DJs ausgetauscht und musikalisch auf dem Laufenden gehalten. „Als Teil eines Musikprojekts namens Claymore Music produzieren wir modernen jamaikanischen Dancehall, aber auch Pop Musik bis hin zu Urban Hip-Hop“, erklärt er. Natürlich hoffe er, dass das Projekt auch Geld abwerfe. „Nur macht man nicht direkt deswegen Musik.“ Das klassische „am Ball bleiben“ sei für einen DJ ebenso wichtig für für andere Berufe, betont er – und spricht von einer „sehr schwierigen Zeit für die komplette Veranstaltungsbranche.“ Das spüre er auch in vielen Gesprächen mit Club-Betreibern. Momentan lebe er unter anderem von Rücklagen. Eine Familie müsse er noch nicht ernähren, erklärt Graf.

Von der Politik fühlt er sich bislang im Stich gelassen: „Leider hat die Kultur in Deutschland keine Lobby. Clubs, Bars, Discos, Events wurden bis jetzt total vergessen.“ Daran änderten auch die 9000 Euro der staatlichen Soforthilfe nichts. „Davon muss ich Steuern zahlen. Zudem muss der Rest bis auf die Grundsicherung zurückgezahlt werden.“ Für seine Kultursparte wünsche er sich viel mehr Beachtung, Konzepte für einen Wiedereintritt in das Nachtleben und einen finanziellen Rettungs-Aufbauschirm für soloselbstständige Künstler, sagt er – und blickt nachdenklich in die Zukunft: „Laut Bundesregierung sollen die Kontaktverbote für unsere Szene noch bis Ende August bestehen. Wie wird es danach aussehen? Können sich die Betreiber und die Menschen, die daran hängen,  bis dahin über Wasser halten?“