Langenfeld : Wo der Gin aus dem Ländle kommt

Die Langenfelderin Christiane Klauke-Diel lädt zu Verkostungen ein.

Es muss nicht immer Alkohol sein. Ein Null-Prozent-Tasting bei Christiane Klauke-Diel könnte auf den Geschmack bringen. Was sie da am Eichentisch in ihrer Privatwohnung am Tannenweg kredenzt, riecht nach Birne, Heu, Apfel, nach frischen Tannenspitzen oder Brombeere. „PriSecco“ heißt das alkoholfreie Getränk der Manufaktur Jörg Geiger aus dem Ländle. Womit wir bei der Leidenschaft der Geschäftsfrau wären, die in Langenfeld Delikatessen aus Baden Württemberg an Mann und Frau bringt. Schuld an der ungewöhnlichen Geschäftsidee der Wahllangenfelderin ist ihr Mann, der aus Sindelfingen stammt. Über ihn hat sie sich in die Region verliebt und in die gute Küche des Landes. „Kein Wunder, dass in Baden Württemberg die meisten Sterneköche sind“, sagt Klauke-Diel. „Hier wird nur mit grundehrlichen Produkten gearbeitet. Das schmeckt einfach immer.“

Genau diese Philosophie will sie ins Rheinland, besonders nach Langenfeld und in die Umgebung tragen. Seit 2008 ist Christiane Klauke-Diel mit ihrem Vertrieb selbstständig. Der Schwerpunkt liegt auf Getränken. Jenem PriSecco, der aus alten Obstsorten von Streuobstwiesen auf der Schwäbischen Alb hergestellt und mit den Kräutern und Gewürzen der Natur vor Ort bereichert wird. Ohne Geschmackverstärker, Zuckerzusatz  und Zitronensäure, dafür aber mit natürlichen Gerbstoffen, soll Geigers Prickelwasser gut gegen Bluthochdruck helfen und Diabetes verhindern. Um die neun Euro kostet eine Liter-Flasche. Absolut köstlich dazu vom Hersteller ausgewähltes Konfekt. Zu Winterbirne empfiehlt sich Zartbitter.

Doch auch das klare hochprozentige Destillat hat es der Langenfelderin angetan: der Gin. Wie ein Kunstsammler die Beziehungen zu den jeweiligen Künstlern pflegt, sucht Klauke-Diel den Kontakt zu ihren Produzenten. „Ich muss einfach die Firmenphilosophie und ihre Urheber kennen“, sagt sie. „Erst dann entscheide ich mich für ein Produkt.“ Elf Sorten Gin aus Baden Württemberg stehen zum Verkosten bereit. Sieben sucht Klauke-Diel in der Regel aus, „denn mehr kann niemand verkraften“, sagt sie – weniger auf die Alkoholmenge bezogen, als auf die einzelnen Aromen, die im Getränk stecken. Koriander, Zimt, Ingwer, Apfelsinenschalen, Pfeffer und Lavendel stehen da in kleinen Gläschen. „Im Gin stecken nicht nur Wachholderbeeren“, sagt die Expertin, sondern eine ganze Menge mehr. „Gin lässt sich charakterisieren wie Wein.“ Und dazu fordert sie die Gäste auf. Mazeration nennt sich das Auslösen bestimmter Aromen, die jeder Gin-Sorte ihren Charakter geben.

Damit die Laien dann sofort den Unterschied schmecken, bekommen sie  zum Einstieg einen Tropfen Supermarkt-Gin, ehe es an die Spezialitäten geht, die dann auch mal locker 40 Euro und mehr kosten können. Übrigens gibt es zum Tasting eine Original-Vesperplatte mit Käse aus dem Allgäu, Wurst und Schinken.

„Gin ist seit ein paar Jahren in Mode“, sagt Klauke-Diel, selbst spät berufene Liebhaberin des Wachholder-Destillats. Es war die Erstabfüllung von Christoph Keller im Schwarzwald mit dem Namen Monkey 47 Dry Gin, der sie vom Geschmack überzeugte. Heute bietet Klauke-Diel ihren Gästen unter anderem „Ginster“ an, der in diesem Jahr in London als weltbester Gin  für Gin-Tonic mit dem IWSC-Award ausgezeichnet wurde.

Wem die Auswahl noch nicht reicht, der kann einen ungewöhnlichen Brand aus Haselnuss und aus Mandarine probieren sowie eine Alternative zum Portwein, ein im Eichenfass gereiftes Birnengetränk mit 18 Prozent Alkohol. Wer vor Weihnachten noch das Besondere sucht – Leckereien aus dem Ländle sind am Tannenweg zu haben.

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