Langenfeld Wenn das Kind blutet – Ruhe bewahren!

Interview Anja Finkelmeier : „Wenn das Kind blutet – Ruhe bewahren!“

Die DRK-Fachfrau für Erste Hilfe am Nachwuchs gibt Tipps für das richtige Verhalten in Notfällen.

Worin genau unterscheidet sich die Erste Hilfe am Kind zu der am Erwachsenen?

Finkelmeier Generell sind die Vorgehensweisen gleich, es gibt nur einige wenige Detailunterschiede. Etwa bei der Herzdruckmassage. Da nimmt man nicht die ganze Hand, sondern zwei Finger. Und weil Kinder ihre Not und damit die Hilfe, die sie brauchen, ja oft nicht so wie ein Erwachsender erkennen, wehren sie sich eher gegen die Berührung durch Fremde. Man muss also, wie eigentlich immer bei Kindern, besonders einfühlsam sein.

Welche konkreten Themenbereiche der Ersten Hilfe deckt ihr besonderer Kursus ab?

Finkelmeier Man erlernt grundsätzlich alle Notfallsituationen, darunter die stabile Seitenlage, das richtige Vorgehen bei Knochenbrüchen, die Kontrolle der Vitalfunktionen und natürlich die Herz-Lungen-Wiederbelebung und das richtige Verhalten in Gefahrensituationen, die vor allem bei Kindern entstehen.

Welche sind das?

Finkelmeier Verschlucken, Verbrennen und Vergiften. Meine drei Kinder zum Beispiel haben so ziemlich alles in den Mund gesteckt. Also: Was kann ich tun, wenn etwas im Hals steckt?

Und? Wie ist denn die richtige Vorgehensweise?

Finkelmeier  Für jegliche Hilfe gilt: Zuerst verständige ich den Rettungsdienst. Hat mein Kind etwas verschluckt, lege ich es bauchlinks auf meine Knie und klopfe ihm stoßweise zwischen den Schulterblättern auf den Rücken, vom Winkel her Richtung Kopf. Auf gar keinen Fall sollte man in den Hals fassen, damit könnte man das Verschluckte noch tiefer in den Hals drücken.

Und bei Vergiftungen?

Finkelmeier Bei eventuellen Vergiftungen sollte sofort der Giftnotruf angerufen werden, der über nahezu jede Pflanze, jedes Putzmittel, über Tinte bis hin zu Wandfarbe, die genaue Zusammensetzung kennt und eventuell sogar erste Entwarnung geben kann.

An wen genau richten sich die Kurse?

Finkelmeier Eigentlich an alle, die mit Kindern zu tun haben: Eltern und Großeltern, Erzieher, Tagesmütter, Babysitter.

Worin liegt die größte Herausforderung bei Erste-Hilfe-Maßnahmen?

Finkelmeier Ich denke, das Wichtigste ist, zu lernen, ruhig zu bleiben. Gerade als Eltern ist das sehr schwierig. In dem Kursus lernt man erst einmal, durchzuatmen, um klarer denken und bedachter handeln zu können. Das ist so wichtig, ich habe es selbst schon erlebt: Während ich früher bei Verletzungen der Kinder oft hektisch wurde, habe ich später, als eine meiner Töchter sich beim Trampolinspringen eine riesige Platzwunde zugezogen und fürchterlich geblutet hat, mit dem Wissen um meine Fähigkeiten in der Ersten Hilfe und das richtige Vorgehen Ruhe bewahrt und einen nicht aufsaugenden Druckverband angelegt, darüber eine Mullbinde, die ich unter dem Kinn festgebunden habe. So konnten wir dann das Krankenhaus aufsuchen. Und die Ärzte haben mich tatsächlich für mein Handeln gelobt!

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