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Langenfeld - Wasserburg ist wieder offen für Kunst

Ausstellung in Haus Graven : Wasserburg ist wieder offen für Kunst

Nach der corona-bedingten Zwangspause zeigen ab Sonntag Michaela Dreßen und Alfons Gummersbach 79 Bilder. „Szenerie und Positur“ lautet der Titel der Doppelausstellung, die 35 Aquarelle von Gummersbach und 44 Werke von Dreßen vereint. Malereien, die etwa in den vergangenen zehn Jahren entstanden sind.

Die corona-bedingte Zwangspause ist jetzt auch für die Wasserburg Haus Graven vorbei. Das freut besonders Michaela Dreßen und Dr. Alfons Gummersbach. Anfang März hatten die beiden Künstler gerade ihre Bilder in dem historischen Gemäuer aufgehängt, da wurde das Burgtor für zwei Monate geschlossen. „Als ich von der Absage erfuhr, war ich sehr enttäuscht“, sagte der Langenfelder Gummersbach. Die Leichlingerin Dreßen äußerte sich seinerzeit ebenfalls „geschockt“, als unmittelbar vor der geplanten Vernissage Museumsbesuche für unbestimmte Zeit verboten wurden. Erleichtert sind beide nun, dass ab diesem Sonntag endlich Besucher die 79 Kunstwerke anschauen dürfen.

„Die Bilder werden bis zum 5. Juli zu sehen sein“, sagt Lothar Marienhagen vom Förderverein der Wasserburg. „Eigentlich sollte die Ausstellung sechs Wochen dauern und am 26. April enden. Doch weil die Kunstwerke erst jetzt gezeigt werden können, haben wir gemeinsam eine Verlängerung bis zum 5. Juli entschieden.“ Wegen der aktuellen Corona-Bestimmungen dürfe sich in den unterschiedlich großen Ausstellungsräumen indes jeweils nur eine begrenzte Zahl von Menschen gleichzeitig aufhalten, betont Marienhagen. „Die Abstandsregeln sind einzuhalten und es ist ein Mund-Nase-Schutz zu tragen.“

Im März zeigten uns Alfons Gummersbach und Michaela Dreßen ihre Bilder vor der gerade geschlossenen Wasserburg. Foto: Matzerath, Ralph (rm)/Matzerath, Ralph (rm-)

Ein gutes halbes Jahr hatten Ehrenamtler des Fördervereins von Haus Graven mit den Künstlern in die Vorarbeit investiert. „Szenerie und Positur“ lautet der Titel der Doppelausstellung, die 35 Aquarelle von Gummersbach und 44 Werke von Dreßen vereint. Malereien, die etwa in den vergangenen zehn Jahren entstanden sind.

Gummersbach widmet sich seit Jahrzehnten der Aquarellmalerei. In der Volkshochschule Langenfeld leitete er 17 Jahre lang den Kursus „Faszination Aquarell“. Diese Art der Malerei ist für ihn nach eigenen Worten „das ideale Medium, um Augenblickseindrücke festzuhalten, Stimmungen wiederzugeben und die eigenen Gefühle in dieser Bildsprache auszudrücken“. Seine Motive sind Landschaften, Städte und das Leben dort, darüber hinaus auch Elemente der Natur.

Gummersbachs in der Wasserburg zu besichtigende Aquarelle wirken beruhigend, zeigen etwa Urlaubsimpressionen aus sonnigen Städten wie Santorini und Venedig oder kühler wirkenden Metropolen wie Sankt Petersburg. Dazwischen fallen Aktmalereien auf, Stillleben und impressionistischeren Szenerien tosender und rauschender Meereswellen. Der Aquarellmaler lässt zu, dass Farbe fließt und den kreativen Prozess anregt. Gummersbachs ältere Bilder orientieren sich an der Gegenständlichkeit, seine neueren Arbeiten sind eher abstrakt.

Michaela Dreßen, die in Langenfeld bis 2018 acht Jahre lang das Kunsthaus Wiescheid betrieb, hat sich in ihren Acrylbildern der Bewegung und Haltung gewidmet und ihrer Ausstellung den Namen „Positur“ gegeben: In ihren Bildern sind Menschen und Gegenstände in Szene gesetzt, leidenschaftlich tanzend oder in sich ruhend. Gegenstände des täglichen Gebrauchs, wie Stühle, an außergewöhnlichen Orten, etwa einem Strand. Ihre manchmal zarten, häufig wilden Pinselstriche lösen beim Betrachter diverse Gefühle aus – von bedächtiger Stimmung bis zur pulsierenden Lebenskraft.

„Die Kraft des Augenblicks ist für mich eine zentrale Inspiration“, sagt Dreßen. Mit Acrylfarben malt sie hauptsächlich gegenständlich, aber der Schwung lässt Grenzen teilweise verschwimmen und ein zweiter Blick ist nötig. Die „Positur“ entsteht sorgsam, aber der Ausdruck der bewegten, kraftvollen Pinselstriche wirkt spontan. Der Wechsel ihrer Malweise, grobe Striche oder leise Töne, unterstreicht die facettenreichen Stimmungen in ihren Bildern.

Im Nachhinein spiegele ein Werk in ihrer Ausstellung den aktuellen Gefühlszustand wider, sagt Dreßen. Es heißt „Auszeit“ und zeigt einen Herrn im Anzug, auf einem Stuhl sitzend, beide Beinen auf einem Tisch gestreckt und einer zweideutigen Pose zwischen nachdenklich, abwartend und entspannt.

Der Ausstellungsort in der Wiescheider Wasserburg, unterstrichen Gummersbach und Dreßen, sei für beide ein besonderer.