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Langenfeld: Volkshochschule bietet jetzt online Kurse an

In der Corona-Krise : Volkshochschule bietet jetzt online Kurse an

Seit Mitte März ruht corona-bedingt der Betrieb der Volkshochschule Langenfeld im Kulturzentrum. Die unter Honorarausfall leidenden Dozenten werden derweil für Webinare geschult. Es gab bereits einen Schnupperkursus „Yogilates“.

„Um auch in Corona-Zeiten Bildungsangebote aufrecht zu erhalten, mussten wir neue Wege gehen“, berichtet VHS-Chef Christian Fliegert. Gemeinsam mit seinem Team erprobe er derzeit digitale Möglichkeiten. Timothée Liebig aus dem VHS-Bereich Gesundheit, Beruf und EDV sei ein Experte für die so genannte VHS-Cloud. „Das ist eine online-basierte Lernplattform des Deutschen Volkshochschul-Verbandes“, erläutert Fliegert.

Über ein Internet-Webinar hat Liebig 40 VHS-Dozenten für die Nutzung dieser Lernplattform geschult, ein zweites Online-Seminar sei für kommenden Montag geplant. „Das Interesse auf Seiten der Kursleitenden ist riesig“, freut sich Programmplaner Liebig.

Laut Zerbe trägt das Webinar bereits Früchte. So habe die langjährige VHS-Kursleiterin Elena Spereiter bei einem ersten Online-Schnupperkursus „Yogilates“ mehr als 30 Teilnehmer gehabt. Dazu gehörte Birgit Stepponat. „Ich habe mich total gefreut, als ich per Mail zu diesem Angebot eingeladen wurde“, erzählt die 50-Jährige Webinar-Teilnehmerin. „Der Schnupperkursus hat mir richtig gut gefallen.“ Die Stammkundin bei Gesundheitskursen der VHS arbeite aktuell im Homeoffice. „Da ist man dankbar für jede Bewegungseinheit“, meint die fitnessbegeisterte Langenfelderin. „Ich würde mich freuen, wenn das Webinar auch nach Corona noch weiterlaufen würde.“ Für Menschen, die zeitlich nicht so flexibel sind, etwa weil sie Kinder zu betreuen haben, wäre das „eine prima Alternative“. Geholfen haben Stepponat beim Webinar ihre Yoga- und Pilates-Vorkenntnisse. „Dann spielt es auch keine Rolle, dass die Kursleiterin die Teilnehmer nicht sehen und gegebenenfalls korrigieren kann.“

Doch selbst das wäre technisch möglich, erläutert Programmplaner Liebig – etwa mittels einer Kurseinführung oder Nachbereitung in Form einer Videokonferenz. Indes stelle das neue Kursformat via Internet gerade für ältere Teilnehmer zunächst eine Hürde dar.

„Aber daran soll es nicht scheitern“, merkt VHS-Leiter Fliegert an. Jeder Interessierte werde ausführlich in die Technik eingewiesen – wenn nötig auch im Einzelgespräch. Weitere Webinare  sind bereits in Vorbereitung (siehe Infobox). „Solange unsere Teilnehmer nicht zu uns kommen können, müssen wir eben mit unseren Angeboten ins heimische Wohnzimmer kommen.“

Problematisch sei in der Corona-Krise  die Situation der VHS-Kursleiter. „Honorarausfälle sind nicht einfach zu verkraften“, sagt Fliegert. Über Bundes- und Landesverbände der Volkshochschulen werde die Problematik politisch ins Blickfeld gerückt.

„Freitag der 13. war für mich der Startschuss in die Nullzeit“, berichtet etwa Uta Wetzler. Die hauptberufliche VHS-Dozentin leitet Integrationskurse  Deutsch als Fremdsprache. „Wenn von einem Tag auf den anderen alle Einkünfte wegbrechen, ist die finanzielle Situation natürlich angespannt“, erzählt die alleinerziehende Dozentin. Da habe es geholfen, dass es eine Sonderabschlagszahlung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) für die Kurse bis zum Ende Osterferien gab. Die ausgefallenen Kurstermine werden nachgeholt, sobald der Kursbetrieb wieder anläuft. Auch von der Soforthilfe NRW für Solo-Selbständige habe sie profitiert, sagt die Dozentin.

Die Online-Schulung der VHS sieht Wetzler als große Chance. Voraussichtlich ab nächster Woche wird sie einen Integrationskursus über das VHS-Lernportal online begleiten. Dabei handele es sich um ein freiwilliges Zusatzangebot für Migranten, um über den langen Zeitraum des Unterrichtsausfalls nicht den Anschluss zu verlieren. Indes verfüge kaum einer der Teilnehmer  über einen Computer. „Stattdessen müssen die Lerneinheiten auf dem Mobiltelefon erledigt werden.“

Die Planung des kommenden  Semesters läuft nach Angaben von VHS-Chef Fliegert bereits auf Hochtouren. „Wir hoffen natürlich, dass die Einschränkungen bis zum Beginn des neuen Semesters aufgehoben sind, und wir das Programm der Volkshochschule wie geplant umsetzen können. Aber wahrscheinlich werden wir sehr flexibel sein müssen.“